Grundlagen der Erziehungswissenschaft und Didaktik
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Definitionen des Erziehungsbegriffs
Es lassen sich verschiedene Definitionen von Erziehung unterscheiden:
- Herbart: Erziehung findet zwischen Menschen statt und ist durch ein Machtgefälle geprägt. Der Zögling wird dabei nicht gebraucht; der Prozess ist absichtsvoll und folgt spezifischen Methoden.
- Stoy: Erziehung geschieht zwischen Menschen in einem Machtgefälle. Sie ist absichtsvoll, nutzt Methoden und hat die Mündigkeit des Zöglings zum Ziel. Dieser Prozess beginnt bereits bei der Geburt.
- Ellen Key: Sie thematisiert das Leiden des Kindes durch Erziehung und verfolgt das Motiv des „Wachsenlassens“. Hierbei dreht sich das Machtgefälle um.
Metaphern der Erziehung
Erzieher als Bildhauer: Der Erzieher formt den Zögling nach Belieben. Die Individualität wird nicht berücksichtigt, und der Zögling verhält sich passiv.
Erzieher als Gärtner: Der Erzieher lässt den Zögling wachsen und gibt ihm Freiheiten. Er bietet ein schützendes Umfeld sowie beste Bedingungen, damit sich das Kind aktiv und individuell entwickeln kann.
Das begriffliche Gerüst des Phänomens Erziehung
Bisubjektivität: Es gibt zwei Akteure. Der Erzieher gibt Wissen weiter, während der Zögling es sich aneignet. Der Zögling muss sich auf die Erziehung einlassen, damit sie gelingt.
Schulunterricht als Form der Erziehung
Inwiefern ist Schulunterricht eine Erscheinungsform von Erziehung? Die Erziehung ist dem Unterricht übergeordnet: Der Lehrer übernimmt die Rolle des Erziehers, und der Unterricht wird als Teil der Erziehung verstanden.
Allgemeine Didaktik: Grundfragen und Phasen
Drei Grundfragen der Didaktik
Die Allgemeine Didaktik muss sich mindestens mit diesen Fragen auseinandersetzen:
- Stoffauswahl und -verbindung (Gleichzeitigkeit)
- Fachlogische und pädagogische Abfolge (Nacheinander)
- Art der Vermittlung bzw. Unterrichtsmethoden
Phasen des Unterrichts
Entsprechend ihrer didaktischen Funktionen werden folgende Phasen unterschieden:
- Einführungsvorlesung, Motivierung und Zielorientierung
- Erarbeitung und Arbeit an der neuen Stoffauswahl
- Übung, Festigung und Anwendung
- Zusammenfassung, Ergebnissicherung, Kontrolle und Bewertung
Innere und äußere Seite von Unterrichtsmethoden
- Innere Seite: Zum Beispiel ein problemhafter oder rein darstellender Gang des Unterrichtsbegriffs.
- Äußere Seite: Zum Beispiel Sozialformen wie Partnerarbeit.
Die Ziel-Inhalt-Methode-Relation
Ziel, Inhalt und Methode beeinflussen sich gegenseitig und bilden gemeinsam die allgemeine Zielorientierung.
Erziehungsziele nach Brezinka
Brezinka unterscheidet zwischen dem Minimalbegriff und dem Normbegriff:
- Minimalbegriff: Erziehungsziele sind Vorstellungs- oder Wunschbilder, die im Zu-Erziehenden gewollt sind, unabhängig davon, ob sie moralisch geboten sind.
- Normbegriff: Das Erziehungsziel ist eine Norm oder ein Idealbild für einen größeren Kulturkreis. Der Erzieher soll so handeln, dass das Ideal möglichst erreicht wird; das Ideal wird zur Aufgabennorm für den Erzieher.
Bedeutung für die professionelle Unterrichtsgestaltung
Der Minimalbegriff ist eher nicht förderlich für professionellen Unterricht. Der Normbegriff hingegen ist sinnvoll, da Schüler lernen, moralisch zu handeln und sich an ihren Kulturkreis anzupassen.
Didaktische Kompetenz und Theoriebildung
Kompetenz nach Lothar Klingberg
Didaktische Kompetenz zeigt sich in der Zuständigkeit und Verantwortung für unterrichtliche Lehr-Lernprozesse. Mit dem Vermögen zur Urteils- und Handlungsfähigkeit wird das Faktorengefüge (Ziel, Inhalt, Methode) genutzt, um gesellschaftlich geforderte und pädagogisch legitimierte Ziele zu erreichen. Dieses Vermögen erstreckt sich über die Planung, Gestaltung und Reflexion von Unterricht.
Theorieebenen nach Erich Weniger
Weniger unterscheidet drei Ebenen der Theoriebildung:
- Theorie 1. Grades: Subjektive Theorien; orientiert an der persönlichen Einstellung und pragmatisch an Erfahrungen in der Praxis gebunden.
- Theorie 2. Grades: Theorie „erfolgreicher Praktiker“; Ausdruck einer Berufsethik und wissenschaftlich reflektiertes Erfahrungswissen in handlungsorientierter Absicht.
- Theorie 3. Grades: „Theorien des Theoretikers“; systematisches Wissen über pädagogisch relevante Sachverhalte, bei dem der Gültigkeitsanspruch reflektiert wird. Sie dient als Grundlage für das Nachdenken über pädagogische Sachverhalte.
Beispiele für didaktische Theorien 2. Grades
- Montessori-Pädagogik
- Freinet-Pädagogik
- Waldorfpädagogik (Steiner)
- Jena-Plan-Pädagogik (Petersen)
Reformpädagogik und der Jena-Plan
Peter Petersens Reformmotiv „Von der Methodik zur Pädagogik des Unterrichts“ ordnet den Unterricht der Erziehung unter und bindet die Didaktik in einen erziehungstheoretischen Rahmen ein.
Methodische Hauptelemente des Jena-Plans
- Stammgruppen: Altersgemischte Gruppen, unterteilt in Untergruppe (1.–3. Klasse), Mittelgruppe (4.–6. Klasse) und Obergruppe (7.–9. Klasse).
- Wochenarbeitsplan
- Arbeits- und Lernberichte
- „Schulwohnstube“ und „Schulgemeinde“
Modernes Lernen: E-Learning und Blended Learning
E-Learning
E-Learning bezeichnet das Lernen mittels elektronischer Medien.
- Vorteile: Flexibles Lernen (Zeit, Ort, Tempo), Zeit- und Kostenersparnis, Förderung des selbstgesteuerten Lernens, flächendeckende Nutzung.
- Nachteile: Fehlender persönlicher Bezug (soziale Komponente), ausbleibender Erfolg durch mangelnde Interaktion, Infragestellung der Lehrerrolle, technische Probleme.
Blended Learning
Blended Learning ist „vermischtes Lernen“ als Antwort auf die Ernüchterung nach dem E-Learning-Hype. Präsenzphasen und E-Learning-Phasen wechseln sich ab, um die Vorteile beider Formen zu vereinen: soziale Aspekte des gemeinsamen Lernens kombiniert mit der Flexibilität elektronischer Medien.
Einsatz in der Schule:
- Pro: Methodenvielfalt und Berücksichtigung der personalen Komponente der Erziehung.
- Contra: Größerer Zeitaufwand durch die notwendige zusätzliche Auswahl der Inhalte.