Grundlagen der Geowissenschaften und Plattentektonik

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1. Die Geburt der Geowissenschaften

Neptunismus

Der Neptunismus (Neptun = Gott des Meeres) ist eine veraltete Theorie über die Entstehung der Gesteine. Die Anhänger glaubten, dass alle Gesteine (einschließlich vulkanischer) durch einen Prozess der Sedimentation und Kristallisation in den Urmeeren entstanden sind.

Katastrophismus

Diese Theorie erklärt die Bildung von Fossilien und die heutige Form der Erde durch die Einwirkung von aufeinanderfolgenden, großen, plötzlichen und heftigen Katastrophen, wie etwa der Sintflut. Dies führte zur Überflutung von Land, dem Verschwinden von Meeren und der Entstehung von Gebirgen.

Plutonismus

Der Plutonismus (Pluto, der Gott der Tiefe) erklärt die Konsolidierung von Sedimenten sowie die Herkunft vulkanischer und plutonischer Gesteine durch das Abkühlen von Magma aus dem Erdinneren.

Uniformitarismus (Aktualismus)

Diese Theorie wurde von Hutton entwickelt. Die Befürworter gehen davon aus, dass die natürlichen Kräfte, die in der Vergangenheit wirkten, stets die gleichen sind wie heute, auch wenn es punktuell zu Katastrophen (Erdbeben, Vulkane, Meteoriten) kommen kann.

Neokatastrophismus

Heute gilt eine Kombination beider Theorien: Zusätzlich zu den inkrementellen Änderungen des Uniformitarismus haben auch Katastrophen (wie Kometen- oder Meteoriteneinschläge, z. B. das Aussterben der Dinosaurier) punktuell große Auswirkungen.

Fixismus vs. Mobilitätstheorien

Vom 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts dominierte der Fixismus, der nur vertikale Bewegungen der Erdkruste (Hebung oder Senkung) annahm. Dem gegenüber stehen die Mobilitätstheorien, die horizontale Bewegungen der Erdkruste postulieren. Die heute akzeptierte Theorie ist die Plattentektonik.

Plattentektonik

Die Plattentektonik ist eine gemeinsame Erklärung der wichtigsten geologischen Ereignisse, die durch internationale Zusammenarbeit von Geologen, Geophysikern und Seismologen entstand.

Kontinentaldrift

Alfred Wegener formulierte diese Theorie 1912. Er erkannte die horizontale Bewegung der Kontinente, die wie Schiffe auf dem Erdmantel schwimmen. Als Ursache vermutete er Gravitations- und Zentrifugalkräfte.

Konvektionsströme im Erdmantel

1945 schlug Holmes Konvektionsströme im Erdmantel als theoretisches Modell vor, um die Kontinentalverschiebung zu stützen. Dies wurde durch Forschungen am Meeresboden (ozeanische Rücken und Gräben) während des Zweiten Weltkriegs untermauert.

Expansion der Tiefsee

1962 stellte Hess die Hypothese der Expansion der Ozeane auf: An den Rücken wird neuer Boden geschaffen und an Subduktionszonen zerstört. T. Wilson ergänzte dies durch die Erklärung vulkanischer Inseln (z. B. Hawaii) durch magmatische Federn (Hotspots) aus dem tiefen Erdmantel.

Magnetische Anomalien

Untersuchungen des Meeresbodens in den 60er Jahren (Vine, Matthews, Morley) zeigten eine bandförmige Verteilung magnetischer Anomalien auf beiden Seiten der Rücken sowie ein zunehmendes Alter der Basalte mit wachsender Entfernung vom Rücken.

2. Statisches Modell des Erdinneren

Das geochemische Modell unterteilt die Erde in konzentrische Lagen, die durch Diskontinuitäten getrennt sind:

  • Kruste: Äußerste Schicht (bis ca. 35 km Tiefe), reich an Silikaten. Unterscheidung in kontinentale und ozeanische Kruste (dichter, basaltisch, 6–12 km tief).
  • Mantel: Unterteilt durch die Mohorovicic- und Repetti-Diskontinuität. Hoher Druck und hohe Temperaturen.
  • Kern: Unterteilt in einen äußeren Kern (flüssig, Fe, Ni) und einen inneren Kern (fest, Fe-Ni-Legierung).

3. Plattentektonik: Die dynamische Oberfläche

Die Lithosphäre (Kruste und oberster Mantel, ca. 100 km dick) ist in Lithosphärenplatten fragmentiert, die wie ein Riesenpuzzle auf dem Erdmantel schwimmen. Plattengrenzen sind gekennzeichnet durch Rücken, Subduktionszonen und Transformstörungen.

Geologische Phänomene an Plattengrenzen

  • Ozeanische Rücken: Konstruktive Ränder, an denen Magma aufsteigt.
  • Subduktionszonen: Destruktive Ränder, an denen ozeanische Lithosphäre in die Tiefe sinkt (Benioff-Zone, seismische Herde).
  • Transformstörungen: Neutrale Grenzen, an denen Platten aneinander vorbeigleiten.

4. Vulkane: Berge des Feuers

Vulkane entstehen, wenn Magma aus dem Erdmantel durch Spalten an die Oberfläche gelangt. Man unterscheidet:

  • Hotspot-Vulkanismus: Magma-Plumes aus der D-Schicht durchbohren die Lithosphäre (z. B. Hawaii).
  • Vulkanismus an Rücken: Spaltenvulkanismus mit ruhigen Lavaströmen.
  • Vulkanismus in Subduktionszonen: Explosiver Vulkanismus durch zähflüssiges Magma und hohen Gasgehalt (z. B. Anden, Japan).

5. Seismos: Wenn die Erde bebt

Erdbeben entstehen durch Spannungen an Plattengrenzen, die sich ruckartig entladen. Die Energie breitet sich als seismische Wellen aus:

  • P-Wellen (Primär): Druckwellen, schnellste Ausbreitung.
  • S-Wellen (Sekundär): Transversalwellen, nur in Festkörpern.
  • L-Wellen (Oberflächenwellen): Verursachen die größten Schäden.

Die Richter-Skala misst die freigesetzte Energie, während die MSK-Skala die subjektive Intensität der Auswirkungen bewertet.

6. Der Wilson-Zyklus

Ein evolutionärer Zyklus, der das Öffnen und Schließen von Meeresbecken sowie die Verteilung der Kontinente über ca. 500 Millionen Jahre erklärt.

7. Plattentektonik, Wissenschaft und Gesellschaft

Die Plattentektonik ist eine globale Theorie mit großer Bedeutung für die Suche nach fossilen Brennstoffen, die Nutzung von Geothermie und das Verständnis von Naturrisiken (Vulkanismus, Erdbeben, Tsunamis) sowie deren Auswirkungen auf das Klima.

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