Grundlagen der Historischen Linguistik und Sprachwandel
Eingeordnet in Lehre und Ausbildung
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 4,01 KB
Analogie und Sprachwandel
Die Analogie ist einer der wichtigsten Mechanismen für sprachliche Variation in Lexik und Grammatik. Latein verwendet den Plural auf -i, und das Englische nutzt diese Form bei Lehnwörtern aus dem Lateinischen, z. B. Cactus / Cacti. Dieses Prinzip wird auch auf Lehnwörter angewendet, die nicht aus dem Lateinischen stammen, wie beim griechischen Wort Krake (Plural: octopodes), wobei sich im Englischen die Form Octopuses durchgesetzt hat. Ein Merkmal der Analogie ist, dass sie hilft, die ursprüngliche Form von Paradigmen zu bewahren. Ein Prozess namens analoger Ausgleich wird verwendet, um Paradigmen zu regularisieren.
Hyperkorrektur und Kontamination
Ein Prozess innerhalb der Analogie ist die Hyperkorrektur: Sprecher versuchen bewusst, eine Form zu normalisieren, um einem Muster mit höherem sozialen Prestige zu folgen. Ein Beispiel ist das Einfügen eines nicht vorhandenen /r/ in Wörtern wie Avocado (zu Avocardo) im britischen Englisch. Ein weiterer Prozess ist die Kontamination, bei der ein unregelmäßiger Wechsel unter dem Einfluss eines anderen, assoziierten Wortes entsteht. Beispiel: Das englische Wort female wurde an male angepasst, um die gegensätzliche Bedeutung zu verdeutlichen.
Wortbildungsprozesse
Back-Formation und Blending
- Back-Formation (Rückbildung): Bildung eines neuen Wortes durch Entfernen von Affixen, z. B. to edit aus editor.
- Blending (Kurzwortbildung): Kombination aus Komposition und Clipping, z. B. Camcorder (Camera + Recorder) oder Smog (Smoke + Fog).
Clipping und Null-Ableitung
- Clipping: Verkürzung eines Wortes ohne Bedeutungsänderung, z. B. Telefon zu Phone.
- Null-Ableitung (Konversion): Übergang eines Wortes in eine andere lexikalische Kategorie ohne morphologische Änderung, z. B. to drink (Verb) zu a drink (Substantiv).
Methoden der historischen Sprachwissenschaft
Vergleichende Methode
Die vergleichende Methode dient der Rekonstruktion eines früheren Zustands einer Sprache durch den Vergleich verwandter Wörter in verschiedenen Sprachen. Sie basiert auf dem Prinzip des regelmäßigen phonologischen Wandels, wie es von den Junggrammatikern eingeführt wurde.
Interne Rekonstruktion
Die interne Rekonstruktion konzentriert sich auf die Analyse unregelmäßiger sprachlicher Muster innerhalb einer Sprache, um deren frühere, regelmäßige Formen abzuleiten.
Phonologische Veränderungen
Assimilation, Dissimilation und Lenition
- Assimilation: Angleichung zweier Laute (z. B. convertir).
- Dissimilation: Wenn zwei gleiche oder ähnliche Laute verschieden werden.
- Lenition: Abschwächung von Konsonanten, die bis zum vollständigen Verlust führen kann.
Great Vowel Shift
Der Great Vowel Shift (Große Vokalverschiebung) im 15. Jahrhundert führte dazu, dass sich die Aussprache langer Vokale im Englischen erhöhte oder sie zu Diphthongen wurden, während die Schreibweise weitgehend konservativ blieb.
Sprachwandeltheorien
Die Wellentheorie
Die von Johannes Schmidt geförderte Wellentheorie erklärt sprachliche Variation als Ausbreitung von Änderungen von einem Zentrum aus, ähnlich wie Wellen im Wasser, die nicht alle Gebiete gleichermaßen erreichen.
Junggrammatiker und Verner
Die Junggrammatiker postulierten, dass Lautwandel ausnahmslos nach festen Regeln erfolgt. Verners Gesetz konnte scheinbare Ausnahmen durch den phonetischen Kontext erklären und stützte damit die Hypothese der regelmäßigen Lautentwicklung.