Grundlagen der Psychologie: Wahrnehmung und Denken

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Psychologie: Wissenschaft und Wahrnehmung

Die Psychologie im rationalen (klassischen) Sinne als Teil der Seelenphilosophie kann nicht von der Psychologie als Wissenschaft oder der experimentellen Wissenschaft getrennt werden. Wissenschaftliche Studien untersuchen das Verhalten – also das, was beobachtet werden kann oder nicht.

Die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung

Im Text von Pinillos 1 wird erläutert, dass unsere Art, die Welt wahrzunehmen, weder die einzige noch die beste ist. Beispiele hierfür sind:

  • Farbwahrnehmung: Wir sehen Farben zwischen Rot und Violett.
  • Stereoskopisches Sehen: Jedes Auge liefert ein anderes Bild.
  • Tierreich: Vögel haben eine genauere Distanzwahrnehmung, Insekten sehen für uns unsichtbare Farben, Hunde hören Klänge, die für uns unmöglich sind, und einige Tiere haben einen 360-Grad-Überblick zur gleichen Zeit.

Arnold Gehlen: Die Wahrnehmung der Zecke

2. Text (Gehlen): Das leidenschaftliche Leben der Zecke (Tick). Sie nimmt Geruch, Licht und Temperatur wahr. Obwohl ihr Augen fehlen, navigiert sie durch die Fähigkeit, Licht durch die Haut zu „sehen“. Sie besitzt ein Organ für Buttersäure, taktile Empfindungen und ist in der Lage, die Temperatur zu erfassen.

Sensation und Wahrnehmung im Vergleich

Sensation (Empfindung): Der Prozess, durch den unsere Sinne sensorische Informationen (Farbe, Temperatur, Textur, Formen, Geschmacksrichtungen) aufnehmen.

Wahrnehmung: Organisation und Interpretation von sensorischen Informationen. Aufgrund der Wahrnehmung erhalten Empfindungen einen Sinn; wir wissen, was wir sehen oder erkennen. Dafür braucht es zwei Elemente: das Objekt und das Subjekt.

  • Objektiver Faktor (Reiz): Die Energieänderung, die von Objekten emittiert und durch einen sensorischen Rezeptor erfasst werden kann.
  • Subjektive Faktoren: Was das Subjekt einbringt. Die Wahrnehmung wird durch das Subjekt relativiert; zwei Personen können dieselben Empfindungen erhalten, aber verschiedene Dinge verstehen (Vorkenntnisse, Physiologie des Nervensystems, Bedürfnisse, Motivation, Erwartungen und Erregungszustand).

Wahrnehmungsschemata und Phasen

Wahrnehmungsschemata: Diese beziehen sich darauf, wie wir unser Wissen beim Wahrnehmen nutzen. Ein Schema ist ein Hinweis darauf, dass unser Wissen nicht zerstreut ist, sondern eine Struktur bildet. Neues Wissen wird erworben (integriert), wenn wir es in ein entsprechendes Schema einfügen können. Wahrnehmungsschemata werden erlernt und verändern sich mit neuem Wissen.

Phasen der Empfindung

Die Sensation (psychologischer Prozess zur Registrierung interner oder externer Informationen) beginnt, wenn ein sensorischer Rezeptor durch einen Reiz angeregt wird. Die Information wird über Nervenfasern an das Gehirn übermittelt, wo die Anerkennung der sensorischen Qualität erfolgt. Es gibt drei Phasen:

  1. Empfangsphase des Reizes: Der Reiz wirkt auf einen spezialisierten sensorischen Rezeptor (Geschmacksknospen für chemische Substanzen, Geruchsstäbchen, Berührungs- und Druckrezeptoren, Haarzellen im Ohr für Schallwellen, Gleichgewichtsorgan für Gravitationskraft, Retina im Auge für Lichtwellen).
  2. Nervenimpuls-Übertragung: Der Reiz erregt die Nervenfasern (elektrischer Strom). Es gibt sensorische Nerven (vom Rezeptor zum Gehirn) und motorische Nerven (vom Gehirn zu den Muskeln für Bewegung).
  3. Differenzschwellenwert: Die minimale Differenz zwischen zwei Empfindungen, um einen Unterschied zu erkennen. Schwellenwerte sind für jede Art und alle Mitglieder einzigartig.

Theorien der Wahrnehmung

Assoziationismus (Locke, Hume, Positivismus): Wahrnehmung ist eine Vereinigung einfacher Empfindungen. Erst werden Empfindungen empfangen, dann im Gehirn zur Wahrnehmung verarbeitet.

Gestaltpsychologie (Deutsche Schule, 1920): Wir sehen ein Objekt und erkennen sofort dessen Bedeutung. Wir analysieren das Bild und nutzen die Gefühle. Allgemeine Gesetze beinhalten die Unterscheidung von Figur und Hintergrund.

Gedächtnis, Halluzinationen und Illusionen

Halluzinationen: Wahrnehmungen ohne Reize (man sieht etwas, das nicht vorhanden ist). Wahrnehmungsillusionen: Fehleinschätzungen aufgrund einer Fehlinterpretation vorhandener Reize.

Gedächtnis: Fähigkeit zum Speichern und Abrufen von Informationen (Fixierung, Erhaltung, Erinnern; sensorisch, kurz- und langfristig). Vergessen: Natürliches Verschwinden von Erinnerungen (dauerhaft oder vorübergehend).

  • Theorie des Nichtgebrauchs: Beeinflusst das mechanische Gedächtnis.
  • Interferenztheorie: Beeinträchtigung signifikanter Inhalte.
  • Verdrängung: Psychoanalytische Theorie.
  • Amnesie: Krankhaftes Verschwinden von Erinnerungen.

Phantasie, Denken und Konzepte

Phantasie: Geistige Fähigkeit zur Vorstellung von Bildern in Abwesenheit von Reizen, wobei konkrete sensorische Eigenschaften des Objekts erhalten bleiben. Denken: Kapazität, Bilder zu verarbeiten und zu behalten.

  • Konkretes Denken: Findet sich bei Tieren und Menschen; dient der Lösung spezifischer Probleme zu einer bestimmten Zeit.
  • Abstraktes Denken: Exklusiv menschlich; basiert auf Konzepten und erlaubt die Lösung komplexer Probleme mit oft nur einer Lösung.

Konzepte: Mentale Repräsentationen mit konventioneller Bedeutung. Sie beziehen sich auf eine Reihe von Objekten. Die Beschreibung ignoriert konkrete Merkmale oder sensorische Wahrnehmungen (intensional, extensional).

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