Grundlagen der Soziologie: Comte, Marx und Durkheim
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Die Entstehung der modernen Soziologie
Die Französische Revolution (1789) markierte das Ende des alten Regimes. Das 19. Jahrhundert war geprägt von der zunehmenden Industrialisierung, dem Aufstieg des industriellen Kapitalismus und einer grundlegenden Veränderung der Arbeitswelt und sozialen Organisation. In dieser Ära entstand die Soziologie als Wissenschaft, um die neue Gesellschaftsordnung durch Denker wie Comte, Marx und Durkheim zu analysieren.
Auguste Comte (1798–1857): Wissenschaft und Ordnung
Comte betrachtete die moderne Welt als eine Zeit der Unordnung und Anarchie. In seinem Werk „Plan der wissenschaftlichen Arbeiten, die für die Reorganisation der Gesellschaft notwendig sind“ (1822) forderte er eine geistige Revolution durch ein neues System der Wissenschaften.
Das Gesetz der drei Stadien
Comte entwickelte das Gesetz der drei Stadien, das die Entwicklung der menschlichen Intelligenz und der Gesellschaft beschreibt:
- Theologisches Stadium: Der Mensch ist der göttlichen Gnade unterworfen.
- Metaphysisches Stadium: Ontologisches Denken dominiert.
- Positives Stadium: Wissenschaftliche Erkenntnisse bilden die Grundlage.
Seine Soziologie zielte darauf ab, Gesetze für Ordnung und sozialen Fortschritt zu finden.
Karl Marx (1818–1883): Historischer Materialismus
Marx betonte: „Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern im Gegenteil ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“
Entfremdung und Klassenkampf
In der kapitalistischen Gesellschaft ist der Mensch entfremdet, da er sich durch die sozialen Bedingungen des Systems fremd wird. Dies führt zu Konflikten zwischen Bourgeoisie und Proletariat. Marx kritisierte die klassischen Ökonomen, da er wirtschaftliche Phänomene als soziale Prozesse betrachtete, die nicht ewig, sondern historisch bedingt sind.
Émile Durkheim (1858–1917): Soziale Tatsachen
Durkheim kritisierte Comtes Positivismus und etablierte eigene Regeln für die Soziologie:
- Soziale Tatsachen sind wie Dinge zu behandeln.
- Die Ursache einer sozialen Tatsache muss in anderen sozialen Tatsachen gesucht werden.
- Soziale Tatsachen sind Denk- und Handlungsweisen.
Solidarität und Anomie
Durkheim unterschied zwischen mechanischer Solidarität (basierend auf Ähnlichkeit, typisch für primitive Gesellschaften) und organischer Solidarität (basierend auf Arbeitsteilung und Differenzierung in modernen Gesellschaften). Er definierte Anomie als einen Zustand der Normlosigkeit und pathologischen Individualismus, der insbesondere in modernen Gesellschaften auftritt.
In seinem Werk „Der Selbstmord“ untersuchte er, wie mangelnde soziale Integration und Anomie das Individuum beeinflussen. Er forderte eine neue Moral, die auf Disziplin, Gruppenzugehörigkeit und Autonomie des Willens basiert.