Grundlagen der Sprachpathologie und Sprachstörungen

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Definition von Sprachstörungen

Sprachstörungen werden als Schwierigkeiten, Störungen oder Unterbrechungen beim Erwerb, Verständnis und Ausdruck der gesprochenen und geschriebenen Sprache definiert. Eine spezifische Sprachentwicklungsstörung (SES) liegt vor, wenn diese Schwierigkeiten bei Menschen ohne geistige Behinderung, sensorische, neurologische oder emotionale Probleme auftreten.

Ätiologie und Voraussetzungen

Die Ursachen können ätiologischer, genetischer, neurologischer, anatomischer oder funktioneller Natur sein. Voraussetzungen für eine normale Sprachentwicklung sind:

  • Ein normales psycho-physisches Reifungsniveau.
  • Körperliche Unversehrtheit der anatomischen und neurophysiologischen Systeme.
  • Funktionstüchtige periphere Sprechorgane.

Klassifikation nach DSM-III

Es werden drei Haupttypen unterschieden:

  1. Erwerbsstörungen (verbunden mit Entwicklungsverzögerungen).
  2. Sprachentwicklungsstörungen.
  3. Erworbene Sprachstörungen.

Warnsignale in der Entwicklung

Anomalien können frühzeitig erkannt werden, wenn ein Kind:

  • Zwischen 12 und 24 Monaten keine einfachen Befehle versteht.
  • Mit zwei Jahren keine Worte spricht.
  • Mit 3,5 Jahren für Außenstehende unverständlich spricht.

Klassifikation mündlicher Sprachstörungen

Entwicklungsverzögerung der Sprache

Gekennzeichnet durch artikulatorisch-phonetische Fehler und eine verzögerte Reife bei der Lautbildung und Satzstrukturierung.

Audioperzeptive und psychomotorische Störungen

  • Audioperzeptive Störungen: Das Kind kann Phoneme isoliert artikulieren, vermeidet sie jedoch im Wortkontext.
  • Psychomotorische Störungen: Beeinträchtigung der motorischen Ausführung durch Koordinationsstörungen der bukoartikulatorischen Bewegungen.

Dyslalien

Schwierigkeiten bei der Bildung von Phonemen (Auslassung, Ersetzung oder Veränderung). Man unterscheidet:

  • Evolutionäre Dyslalie: Altersbedingt, erfordert meist keine spezifische Therapie; Vermeidung von Diminutiven empfohlen.
  • Funktionelle Dyslalie: Artikulationsstörung durch fehlerhafte Nutzung der Sprechorgane oder mangelnde Feinmotorik (Praxie).

Artikulationsfehler

  • Austausch: Ein Laut wird durch einen anderen ersetzt.
  • Unterlassung: Ein Phonem wird weggelassen.
  • Anlage: Hinzufügen von Lauten.
  • Distorsion: Unpräzise, aber ähnliche Artikulation.

Organische Störungen

Diglossie

Artikulationsstörungen aufgrund anatomischer Anomalien der Sprechorgane:

  • Labiale Diglossie: Form- oder Mobilitätsstörungen der Lippen.
  • Unterkiefer-Diglossie: Fehlstellungen des Kiefers oder der Zähne.
  • Zungen-Diglossie: Makroglossie oder verkürztes Zungenband.
  • Gaumen-Diglossie: Gaumenspalten oder hoher Gaumen.

Dysarthrie

Probleme bei der Artikulation, die zu undeutlicher Phonembildung führen.

Stottern (Balbuties)

Eine Störung des Redeflusses durch unwillkürliche Muskelspannung, Pausen und Wiederholungen.

Klassifikation

  • Klonisch: Wiederholungen zu Beginn des Wortes.
  • Tonisch: Blockaden beim Sprechbeginn.
  • Gemischt: Kombination aus beidem.

Empfehlungen für den Umgang

  • Keine Kommentare wie „sprich langsamer“ oder „entspann dich“.
  • Sätze nicht für das Kind beenden.
  • Nicht necken oder beschämen.
  • Das Kind wie ein normales Kind behandeln und Fortschritte positiv verstärken.

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