Grundlagen der Unternehmensfinanzierung und Bewertung
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Grundlagen der Unternehmensfinanzierung
Treasury: Ziel ist es, die Liquidität des Unternehmens zu sichern.
Corporate Finance: Fokussiert sich sowohl auf den Gewinn als auch auf die Liquidität des Unternehmens.
Risikomanagement: Verantwortlich für den systematischen Umgang mit allen Risiken.
Cashflow: Gibt Auskunft über die Finanzlage, d. h. die Selbstfinanzierungskraft (Liquidität) eines Unternehmens.
Das Insolvenzverfahren
- Insolvenzantrag: Durch Gläubiger oder Schuldner beim Amtsgericht.
- Bekanntmachung: Als Erstes wird bekannt gegeben, dass eine Firma insolvent ist.
- Amtsgericht: Prüft, ob genügend Gründe für eine Insolvenz vorliegen. Wenn ja, erfolgt die Auswahl eines Insolvenzverwalters.
- Insolvenzverwalter: Dieser bestimmt die Gläubiger.
- Gläubigerversammlung/-ausschuss: Bestimmung des Insolvenzverwalters und Entscheidung über die Fortführung.
- Verwertung: Liquidation (Insolvenzquote).
Insolvenzgründe
- Zahlungsunfähigkeit: 90 % der Verbindlichkeiten können nach 3 Wochen nicht bezahlt werden.
- Drohende Zahlungsunfähigkeit.
- Überschuldung: Negatives Eigenkapital (EK); Verluste haben das EK aufgezehrt.
Bei Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung muss der Insolvenzantrag nach spätestens 3 Wochen gestellt werden.
Sanierungsmöglichkeiten
- Bei Zahlungsschwierigkeiten (Liquidität): Verkauf von Aktiva, Einnahmen- und Ausgabenmanagement, Einführung neuer liquider Mittel.
- Bei Überschuldung (Verlust in GuV): Verkauf von Aktiva, Schuldenerlass, Umwandlung von Verbindlichkeiten in Eigenkapital.
Eigenkapital versus Fremdkapital
- Laufzeit: Unbegrenzt (EK) vs. begrenzt (FK).
- Haftung: Nachrangig (EK) vs. vorrangig (FK).
- Preis der Kapitalüberlassung: Gewinnbeteiligung/Dividende (EK) vs. Zinsen (FK).
- Mitspracherechte: Ja (EK) vs. Nein (FK).
- Steuerliche Aspekte: Dividenden werden erst nach Steuerabzug gewährt; Zinsen sind als Betriebsausgaben absetzbar.
Eigenkapitalformen: Rücklagen, Business Angels (BA), Venture Capital (VC), Private Equity (PE), IPO, SPO.
Fremdkapitalformen: Rückstellungen, Kreditfinanzierung (Banken), Fremdkapital-Substitute (Factoring).
Hinweis: Mittelständische Unternehmen ohne Fremdkapital sind sinnvoll, da sie keinen Zinsaufwand und somit ein geringeres Risiko sowie keine Tilgungszahlungen haben.
Beteiligungsfinanzierung ohne Börsenzugang
Diese Form betrifft ca. 99,7 % der Unternehmen (Außenfinanzierung/Eigenkapitalfinanzierung).
- Friends and Family: Wenn man jemanden kennt, der Geld geben möchte. Dies ist oft schwierig und ungewöhnlich, da komplexe Verhandlungen und Bewertungen nötig sind (negociar).
- Vertragliche Aspekte: Ein Vertrag ist notwendig. Für den Käufer gilt: Anteile sind schwer wieder zu verkaufen (Daueranleger), es sei denn, man findet einen Nachfolger.
- Vertrauensprobleme: Warum will der andere verkaufen? Gibt es unbekannte Probleme?
Business Angels, Venture Capital und Private Equity
- Business Angels: Privatpersonen, die eigenes Geld in der Gründungsphase investieren und unterstützen.
- Venture Capital (VC): Investiert in der späten Grundphase Geld von Dritten (z. B. Siemens, Telekom, Banken).
- Private Equity (PE): Investiert in konsolidierte Firmen mit Geld von Dritten.
Exit-Möglichkeiten
- Secondary Buy-out: Verkauf an eine andere PE-Gesellschaft.
- Trade Sale: Weiterverkauf der Aktien (z. B. an einen Strategen).
- Buy Back: Rückkauf durch die Alteigentümer.
- Liquidation.
- IPO: Börsengang.
Vergleich VC vs. PE
- VC: Investitionsdauer 5–7 Jahre; Minderheitsbeteiligung (ca. 1/3); hohes Risiko; Fokus auf junge, innovative Wachstumsunternehmen.
- PE: Investitionsdauer 3–5 Jahre; Mehrheitsbeteiligung (50,1 %+); Risiko geringer als bei VC; Fokus auf etablierte Unternehmen; hoher Fremdkapitalanteil (40–70 %).
Beispielrechnungen zur Rendite und Bewertung
Carried Interest:
Investition vor Managementhonorar: 100.
Managementhonorar (10 Jahre, 2 % p.a.): 20.
Investition nach Honorar: 80.
Wert nach 10 Jahren: 400.
Rendite p.a. gesamt: (400/80)^(1/10) - 1 = 17,46 %.
Wert nach Carried Interest (20 %): 400 - 0,2 * (400 - 100) = 340.
Rendite p.a. Investoren: (340/100)^(1/10) - 1 = 13,02 %.
Unternehmenswert-Beispiel:
Eigene Aktien: 1,5 Mio.; Business Angel: 0,5 Mio.; Neu (VC): 3 Mio.
Gesamtaktien: 5 Mio.
Invest VC: 6 Mio. für 3 Mio. Aktien -> Preis pro Aktie: 2.
Unternehmenswert: 5 Mio. * 2 = 10 Mio.
Anteil VC: 60 %; Eigener Anteil: 30 % (Wert: 3 Mio.).
Der Börsengang (IPO)
Voraussetzungen und Konsequenzen
- Voraussetzungen: Rechtsform AG oder KGaA, Kapitalmarkterfahrung, gute Marktpositionierung (IPO-Reife), oft Einstellung eines erfahrenen CFOs, Mindestemissionsvolumen.
- Konsequenzen: Langfristig, schwer umkehrbar, hohe Fixkosten im Prozess.
- Vorteile: Große Kapitalerhöhung, einfacher Zugang zu weiterem Kapital.
- Nachteile: Transparenzpflichten, teuer, hoher Druck durch anspruchsvolle Investoren.
Der IPO-Prozess
- Auswahl der Investmentbank: Gebühren ca. 4–7 % des Volumens.
- Emissionskonzept: Wahl des Börsenplatzes und Segments.
- Unternehmensbewertung.
- Pre-Marketing: Suche nach Investoren, Festlegung einer Preisspanne.
- Finale Bepreisung: Festpreisverfahren, Auktionsverfahren oder Bookbuilding-Verfahren.
- Investor Relations: Kontaktpflege zu Aktionären und Analysten.
Begrifflichkeiten
- Verkaufspreis / Ausgabekurs / Bezugskurs: Preis pro Aktie bei Emission.
- Nominalwert / Nennwert: Aufgedruckter Betrag (mind. 1 €), bleibt immer gleich.
- Marktpreis: Aktueller Börsenkurs.
- Agio: Differenz zwischen Verkaufspreis und Nominalwert.
Kreditfinanzierung
Erfolgt über Banken (Privatbanken, öffentlich-rechtliche Institute, Genossenschaftsbanken), Lieferanten oder Kunden.
Instrumente der Banken
- Langfristige Bankkredite: Laufzeit > 5 Jahre, erfordern oft dingliche Sicherheiten.
- Kontokorrentkredite: Kurzfristig, flexibel wie ein Überziehungsrahmen, jedoch teuer.
Tilgungsarten
- Endfälliger Kredit: Rückzahlung am Ende, Zinsen pro Periode.
- Ratenkredit: Gleichbleibende Tilgungsraten, Zinsen sinken (günstigste Variante).
- Annuität: Gleichbleibende Gesamtzahlung (Zins + Tilgung); Zinsanteil sinkt, Tilgungsanteil steigt.
Kreditsicherheiten
- Personalsicherheiten: Natürliche Personen haften (Schuldner oder Dritte).
- Realsicherheiten: Dingliche Sicherheiten (bewegliche oder unbewegliche Sachen).
Handelskredite
- Lieferantenkredit: Zahlungsziel (z. B. 30 Tage), oft mit Skonto-Option bei früher Zahlung.
- Kundenkredit: Anzahlungen durch den Kunden.
Formel Jahreszinssatz Skonto: (Skontosatz in % / (100 % - Skontosatz in %)) * (360 / (Zahlungsziel - Skontofrist))
Finanzierung über Anleihen (Bonds)
Anleihen sind liquide, meist unbesicherte Forderungspapiere zur Außenfinanzierung am Kapitalmarkt.
- Cashflows: Investor zahlt Nominalwert; Emittent zahlt regelmäßig Coupons und am Ende den Nominalwert zurück.
- Yield: Zinssatz, den Investoren aktuell für die Restlaufzeit verlangen würden.
- Anleihearten: Vorrangig vs. nachrangig, besichert vs. unbesichert, Investment Grade (AAA bis BBB) vs. Non-Investment Grade (Junk Bonds), Fixed vs. Floating Coupon, Callable (vorzeitig kündbar) vs. Non-callable.
Fairer Marktpreis: Summe der diskontierten Couponzahlungen + diskontierte Rückzahlung.
Factoring und Leasing
- Factoring: Verkauf von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an einen Factor. Dieser zahlt sofort (abzüglich eines Abschlags). Echtes Factoring: Factor trägt Ausfallrisiko. Unechtes Factoring: Risiko bleibt beim Lieferanten.
- Leasing: „Mietkauf“ auf Zeit. Operating Leasing: Jederzeit kündbar, Risiko beim Leasinggeber. Financial Leasing: Feste Grundmietzeit (50–75 % der Nutzungsdauer), nicht kündbar.
Innenfinanzierung
Finanzierung aus der eigenen Geschäftstätigkeit ohne Mittel von außen.
- Offene Rücklagen: Kapitalrücklagen (aus Agio) und Gewinnrücklagen (nicht ausgeschüttete Gewinne).
- Stille Rücklagen: Nicht in der Bilanz ausgewiesene Gewinne.
- Rückstellungen: Aufwand in der GuV mindert den Gewinn/Steuern; Geld bleibt als Verbindlichkeit im Unternehmen (z. B. für Steuern, Pensionen, Prozesse).
Vor- und Nachteile:
Vorteile: Oft einzige Möglichkeit für kleine Firmen, freie Verfügung über Mittel.
Nachteile: Volumen begrenzt, Gewinne zwingend erforderlich, reicht oft nicht für große Expansionen aus.
Kapitalkosten (WACC)
Fremdkapitalkosten
Beinhalten alle effektiven Kosten der Instrumente (Zinsen, Gebühren).
Erwarteter Verlust (Expected Loss): Ausfallwahrscheinlichkeit * Verlust bei Ausfall.
Eigenkapitalkosten
Renditeerwartungen der Anteilseigner (Dividenden + Wertsteigerung).
Portfoliotheorie: Diversifikation reduziert das unsystematische Risiko. Das systematische Marktrisiko bleibt bestehen.
Beta (β): Misst die Sensibilität einer Aktie zum Markt. β = 1 entspricht der Marktrendite; β > 1 ist riskanter; β < 1 ist schwankungsärmer.
Unternehmensbewertung
Es gibt keinen „objektiv richtigen“ Wert, nur subjektive Bewertungen zur Objektivierung.
- DCF-Verfahren (Discounted Cash Flow): Fokus auf Free Cash Flows (FCF). Schritte: Prognose FCF, Bestimmung WACC, Berechnung Terminal Value, Abdiskontierung auf den Enterprise Value, Abzug der Nettoverbindlichkeiten zum Equity Value.
- Multiplikatoren-Verfahren: Vergleich mit anderen Unternehmen (Peer Group). Marktwert wird als Vielfaches einer Kennzahl (EBITDA, Gewinn, Umsatz) berechnet.
Derivate
Finanzinstrumente, deren Wert von einem Basiswert (Öl, Wechselkurs) abhängt. Dienen dem Hedging (Absicherung) oder der Spekulation.
- Forward: Individueller, außerbörslicher Vertrag (OTC) zur zukünftigen Lieferung zum festen Preis. Verpflichtend für beide Seiten.
- Future: Standardisierter Forward, der an der Börse gehandelt wird. Geringeres Kreditrisiko.
- Swap: Eine Serie von Forwards (z. B. Zinsswap).
- Option: Asymmetrisches Profil. Käufer hat das Recht (nicht die Pflicht), Verkäufer (Stillhalter) hat die Pflicht gegen eine Prämie. Call: Kaufoption. Put: Verkaufoption.
Kapitalerhöhung
Maßnahme zur Erhöhung des Eigenkapitals bei börsennotierten Unternehmen. Erfordert 3/4-Mehrheit der Hauptversammlung.
- Bezugsrecht: Schützt Altaktionäre vor Verwässerung ihrer Anteile.
- Bezugsverhältnis: Altes Grundkapital / Erhöhungskapital.
- Formel Bezugsrecht (BR): (Kurs alte Aktie - Bezugskurs junge Aktie) / (Bezugsverhältnis + 1).