Grundlagen der Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie
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Induktivismus und das Problem der Induktion
Da induktive Argumente keine logische Gültigkeit besitzen, gelten sie als nicht logisch zwingend. Was wäre, wenn sie es könnten? Um ein Beispiel anzuführen: Die Gültigkeit und Berechtigung des Induktionsprinzips müssen grundsätzlich hinterfragt werden. In Bezug auf die Gültigkeit wird argumentiert, dass logisch gültige (deduktive) Argumente dadurch gekennzeichnet sind, dass bei wahren Prämissen auch der Schluss wahr sein muss. Induktive Argumente hingegen sind logisch nicht in diesem Sinne gültig. Es kann vorkommen, dass aus wahren Prämissen falsche Schlüsse gezogen werden, ohne dass ein logischer Widerspruch entsteht.
Rechtfertigung und Wahrscheinlichkeit
Hinsichtlich der Vertretbarkeit der Induktion wird oft versucht, diese durch sich selbst zu rechtfertigen, was jedoch zu einem Zirkelschluss führt. Induktion kann nicht auf rein logischen Gründen begründet werden. Eine Möglichkeit, die Position des naiven Induktivismus zu entschärfen, besteht in der Verwendung von Wahrscheinlichkeiten: Man stellt fest, dass Verallgemeinerungen, die durch Induktion gewonnen wurden, nicht absolut sicher, sondern wahrscheinlich wahr sind.
Kritik am naiven Induktivismus
Die naive Annahme besagt, dass „Wissenschaft mit der Beobachtung beginnt“. Wir wissen jedoch, dass zwei Personen, die dasselbe Objekt vom selben Ort unter denselben Umständen betrachten, nicht zwangsläufig identische visuelle Erlebnisse haben, obwohl die auf ihrer Netzhaut erzeugten Bilder nahezu identisch sind. Was ein Betrachter sieht, hängt zum Teil von seiner Kultur (Erfahrungen, Erwartungen, Wissen) und seinem Gesamtzustand ab. Hinzu kommt, dass Theorien den Beobachtungsaussagen vorausgehen; das heißt, Beobachtungsaussagen werden in der Sprache einer Theorie formuliert. Daher ist die Annahme falsch, dass die Wissenschaft rein mit der Beobachtung beginnt.
Etymologie und Technikstadien nach Lewis Mumford
Etymologisch leitet sich der Begriff „Kultur“ von colere ab, was bedeutet, dass die Menschen sich selbst pflegen. Der Philosoph Lewis Mumford unterscheidet drei Stadien in der Entwicklung der Technik:
- Eotechnik: Eine Phase, die durch Wasser und Holz geprägt ist.
- Paläotechnik: Ein Komplex aus Kohle und Eisen.
- Neotechnik: Eine Phase, die auf Elektrizität und Legierungen basiert.
Diese Stadien folgen zwar aufeinander, überschneiden und durchdringen sich jedoch. Jede Phase repräsentiert einen Zeitraum der Menschheit, hat ihren Ursprung in bestimmten Regionen und nutzt spezifische Mittel der Energieerzeugung.
Die Natur der Realwissenschaften
Die Realwissenschaften (sachliche Wissenschaften) arbeiten mit realen Objekten in Raum und Zeit. Das Wort „sachlich“ leitet sich vom lateinischen factum („Tatsache“, „getan“) ab. Beispiele hierfür sind:
- Naturwissenschaften: Ihr Zweck ist die Erforschung der Natur.
- Sozialwissenschaften: Ihr Zweck sind Angelegenheiten, die den Menschen betreffen (vgl. Spengler).
Betrachtet man die natürlichen Aspekte der Technik, scheint diese keine Besonderheit des Menschen zu sein, sondern eine „Taktik des Lebens“. Der technische Unterschied zwischen menschlicher und tierischer Technik wäre demnach eher quantitativ als qualitativ oder gar unbedeutend.
Beobachtungssätze und wissenschaftliche Merkmale
Es gibt zwei Arten von Beobachtungssätzen:
- Singuläre Sätze: Abgeleitet aus der Beobachtung eines Phänomens zu einem bestimmten Zeitpunkt.
- Allgemeine Sätze: Beziehen sich auf alle Ereignisse eines bestimmten Typs zu jeder Zeit.
Die Bedingungen, unter denen singuläre Beobachtungssätze universelle Verallgemeinerungen ermöglichen, setzen voraus, dass keine Beobachtungsaussage dem abgeleiteten allgemeinen Gesetz widerspricht. Man erkennt zudem zwei Merkmale der Kunst: a) Geschicklichkeit (Fähigkeit, mit der etwas getan wird) und b) Wirksamkeit (die Kraft, einen Versuch effektiv zu gestalten).
Charakteristika wissenschaftlicher Erkenntnis
Wissenschaftliches Wissen zeichnet sich durch folgende Punkte aus:
- Sachlichkeit: Es respektiert Fakten und kehrt immer wieder zu ihnen zurück.
- Transzendenz: Es geht über Fakten hinaus, produziert neue und erklärt sie.
- Analytik: Es umschreibt Probleme einzeln, dekonstruiert sie und sucht nach deren Bestandteilen.
- Spezialisierung: Forschung ist spezifisch für Natur-, Sozial- oder Formalwissenschaften.
- Klarheit und Präzision: Probleme sind distinkt, Ergebnisse eindeutig.
- Überprüfbarkeit: Erkenntnisse müssen dem Test der Erfahrung (Experimente, Beobachtungen) standhalten.
- Methodik: Forschung ist nicht sprunghaft, sondern geplant und systematisch.
- Gesetzmäßigkeit: Suche nach Natur- und Kulturgesetzen.
- Vorhersagekraft: Es ist prädiktiv und stellt sich Vergangenes sowie Zukünftiges vor.
- Offenheit: Vorstellungen sind nicht endgültig, sondern fehlbar und in Bewegung.
- Nützlichkeit: Wissenschaft sucht die Wahrheit und stellt Werkzeuge bereit, die sowohl für gute als auch für schlechte Zwecke wirksam sein können.
Herbert Marcuse: Kritik der Industriegesellschaft
Herbert Marcuse interessierte sich für den Menschen als soziales Wesen. Er kritisierte die eindimensionale Konzeption des Menschen in fortgeschrittenen Industriegesellschaften. Diese Gesellschaft ist trügerisch, da sie Toleranz durch Überfluss und Freiheit vortäuscht, während sie ihre wahre Realität verbirgt: einen dem Individuum aufgezwungenen Konformismus. Marcuse weist schonungslos auf Schwächen wie soziale Ausbeutung und das grassierende Wettrüsten hin. Er schlägt keine Rückkehr zu einer idyllischen Gesellschaft vor, sondern fordert, das irrationale Merkmal des technischen Fortschritts zu beseitigen.