Handlungs- und Regelutilitarismus: Ethik und Nutzen
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Handlungs- und Regelutilitarismus im Vergleich
Wenn wir unter Nutzen (Utility) das Kriterium des Utilitarismus verstehen, stellt sich die Frage, wie dieser Status definiert wird. Mit anderen Worten: Ist eine einzelne Handlung sinnvoll oder ist es eher eine allgemeine Regel? Gewöhnlich unterscheidet der Utilitarismus zwischen zwei wesentlichen Arten:
- Handlungsutilitarismus (Akt-Utilitarismus)
- Regelutilitarismus
1. Handlungsutilitarismus (Akt-Utilitarismus)
Der Handlungsutilitarismus basiert auf einer Kalkulation vor jedem Einzelfall oder jeder Situation. Das Ziel ist ein Verhalten, welches das Glück bzw. unser Vergnügen maximiert, ohne dabei auf A-priori-Regeln zurückzugreifen. Jede Handlung hat Folgen, und diese Konsequenzen erlauben es uns, ihren Wert zu beurteilen. Diese Form des Utilitarismus ist typisch für das Werk von Jeremy Bentham.
2. Regelutilitarismus
Der Regelutilitarismus ist ein Versuch, Kriterien zu verallgemeinern – das größte Glück für die größte Zahl. Eine gute oder böse Handlung kann hierbei nicht isoliert aus der Perspektive eines Einzelfalls beurteilt werden, sondern muss anhand der globalen Konsequenzen einer Regel bewertet werden, die universell gelten sollte. Der Standard hängt von der Nützlichkeit ab, schafft aber gleichzeitig auch neuen Nutzen. Ein Beispiel hierfür ist die von Peter Singer geförderte Ethik der Tierrechte. Diese Strömung stammt aus dem Werk von John Stuart Mill. Einige Autoren beschreiben diesen Regelutilitarismus sogar in Bezug auf den kantischen kategorischen Imperativ.
Beispiel: Der Konflikt um das Frauenwahlrecht
Ein einfaches Beispiel für den Unterschied zwischen den beiden Varianten findet sich im Vorwurf von John Stuart Mill gegen seinen Vater bezüglich der Frauenstimme. James Mill dachte, dass das Frauenwahlrecht kein bedeutendes Ereignis sei, da Frauen dazu neigten, so zu wählen wie ihre Ehemänner. Dies würde lediglich den bürokratischen Aufwand erhöhen, ohne das Ergebnis zu ändern. Frauen das Wahlrecht zu geben, war für ihn also kein Akt, der das allgemeine Glück vermehrte. Im Gegensatz dazu argumentierte John Stuart Mill, dass diese Sichtweise die Würde von Frauen als Menschen verletze und somit gegen eine Regel verstoße, die für das menschliche Glück notwendig ist.
Qualität und Quantität des Glücks
Das Prinzip der Nützlichkeit erfordert die Suche nach dem „größten Glück“. Nach Mill ist dies vollkommen kompatibel mit der Erkenntnis, dass bestimmte Arten der Lust wünschenswerter und von höherem Wert sind als andere. Der Wert der Freude ist nicht nur auf den quantitativen Aspekt beschränkt; man muss wesentliche Qualitätsunterschiede anerkennen. Während Bentham keine Qualitätsunterschiede zwischen den Freuden einer primitiven Person (oder den Rechten von Tieren auf ein angenehmes Leben) sah, betont Mill den qualitativen Unterschied der Genüsse. Er beobachtete, dass kein Mensch sein Glück mit dem eines Tieres tauschen möchte. Ein Mensch würde trotz seines Unglücks seine Gesundheit der glücklichen Unschuld eines Wahnsinnigen vorziehen. Es besteht daher ein Zusammenhang zwischen den Arten und Qualitäten von Freuden, die eine Gesellschaft bei der Anwendung des Kalküls berücksichtigen muss.
Gesellschaftliche Kriterien und Freiheit
2) (A) – Die Gesellschaft hat das Recht, von uns die Einhaltung bestimmter Regeln zu verlangen:
- (a) Die Begrenzung unserer Fähigkeit, uns in das Leben anderer einzumischen.
- (b) Die Verpflichtung zu einer Mindestzusammenarbeit, ohne die keine Gesellschaft funktionieren kann.
(B) – Die Gesellschaft hat kein Recht, unserer Freiheit Grenzen zu setzen, wenn diese in keiner Weise das Leben derer beeinflussen, die nicht davon betroffen sein möchten.
3) Verbindung zwischen Utilitarismus und Liberalismus
Die grundlegenden Prinzipien des Liberalismus nach Mill implizieren die Notwendigkeit, eine Einmischung der Gesellschaft oder des Staates in das rein private Leben des Einzelnen zu verhindern.