Hegemonie und Wandel in Europa (16.–18. Jahrhundert)
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Kontinentale und koloniale Hegemonie
Die kontinentale Hegemonie in Europa lag Mitte des 17. Jahrhunderts bei der hispanischen Monarchie (territoriales Erbe, Kolonialreich); ab der Mitte des 17. Jahrhunderts setzte sich zunehmend Frankreich als dominierende Macht durch. Im 16. Jahrhundert hatten Spanien und Portugal eine hegemoniale Stellung; im 17. Jahrhundert konkurrierten Frankreich, Großbritannien und die Niederlande um die Vormachtstellung in Europa und überseeisch.
Agrarregime und Landwirtschaft
Das Agrarregime bildete die Grundlage des Ancien Régime. Wirtschaftliche Merkmale waren:
- Rund 80 % der Bevölkerung arbeiteten in der Landwirtschaft.
- Verwendet wurden überwiegend traditionelle Anbaumethoden, insbesondere der Getreideanbau auf häufig minderwertigen Böden.
- Geringe Effizienz und weit verbreitete Subsistenzwirtschaft.
- Landwirtschaftliche Produktion fand häufig in Señoríos (Grundherrschaften) statt.
Handwerk, Manufakturen und Produktion
Die handwerkliche Entwicklung zeigte sich in der Entstehung von Manufakturen für Textilien und Metallverarbeitung. Im 17. Jahrhundert wurde die Produktion vor allem in städtischen Werkstätten organisiert, die von Zünften gesteuert wurden. Typische Merkmale waren:
- Hausarbeit und familienbezogene Fertigung (putting-out-System).
- Fehlen großindustrieller Fabriken im modernen Sinn; stattdessen existierten größere Fertigungswerkstätten.
- Produktion von Gebrauchsgütern und Luxusgütern für den lokalen und regionalen Handel.
Markt, Handel und Merkantilismus
Die Entwicklung der Märkte war eng mit den Seehandelsrouten verbunden, insbesondere mit dem Handel nach Amerika. Der Merkantilismus setzte Zwangsmaßnahmen gegenüber Kolonien und Siedlern ein. Grundannahmen und Folgen:
- Der Reichtum eines Landes wurde in Edelmetallen gemessen, daher intervenierte der Staat stark in die Wirtschaft.
- Der Staat förderte den Export und beschränkte Importe; staatliche Eingriffe und Handelsbeschränkungen waren typisch.
- Transport- und Handelsaktivitäten waren durch infrastrukturelle Unterschiede begrenzt: lokale Wochenmärkte in Städten und jährliche Messen im Ausland spielten eine wichtige Rolle.
Gesellschaft des Ancien Régime
Die Gesellschaft des Ancien Régime war in drei Stände gegliedert:
- Adel – mit Titeln, Ehrenrechten sowie wirtschaftlichen, finanziellen und rechtlichen Privilegien.
- Klerus – ebenfalls mit Sonderrechten und Einfluss.
- Dritter Stand – eine heterogene Gruppe (bis zu 90 % der Bevölkerung) aus Bürgertum, Bauern (campesinos), Handwerkern u. a., die die Hauptlast der Steuern trugen.
18. Jahrhundert: Politik und koloniale Hegemonie
Im 18. Jahrhundert zielte die kontinentalpolitische Strategie auf ein Gleichgewicht zwischen den europäischen Mächten (z. B. durch den Frieden von Utrecht). In kolonialer Hinsicht führten die Konflikte zwischen Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden schließlich zur Vorherrschaft Großbritanniens als Kolonial- und Handelsmacht. Dieser Wandel hatte weitreichende wirtschaftliche und ideologische Auswirkungen auf die Weltordnung.
Intellektuelle und ideologische Transformationen
Die Ideen der Aufklärung entstanden im 18. Jahrhundert, vor allem in Frankreich. Kennzeichnend waren:
- Vertrauen in die Vernunft.
- Glaube an den menschlichen Fortschritt.
- Anspruch auf das Recht auf Glück (spanisch: felicidad).
Wichtige Vertreter waren Voltaire, Montesquieu und Rousseau.
Kritik am Ancien Régime
Die Aufklärer kritisierten das Ancien Régime, weil es den Fortschritt und die Verwirklichung des individuellen und kollektiven Glücks behinderte. Zu ihren zentralen Kritikpunkten gehörten:
- Kritik am Merkantilismus und an protektionistischen Maßnahmen.
- Forderungen nach religiöser und politischer Toleranz.
- Plädoyers für moralische und rechtliche Normen, die auf Vernunft und universellen Prinzipien beruhen.