Vom Hellenismus zum christlichen Menschenbild

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Hellenismus

Die letzte Stufe der großen griechischen Zivilisation begann mit Alexander dem Großen, dem König von Makedonien, der ein Imperium formte und verwaltete, bis Rom die volle Kontrolle über das Mittelmeer übernahm.

Das griechische Modell wurde mit anderen Denkformen verschmolzen. Das Ziel von Alexander dem Großen war ein Weltstaat, eine Weltstadt.

Das politische Ideal bis dahin war die Polis, eine von ihren Bürgern regierte Stadt. Die Folgen der Herrschaft über ein riesiges Reich veränderten dies.

Der „neue Mensch“, fernab der Politik, nimmt eine Haltung der Gleichgültigkeit ein, die in den neuen Philosophien zum Ausdruck kommt.

Der Mensch, einst als soziales Wesen betrachtet, ist nun ein Individuum. Diese Auffassung von der menschlichen Individualität führt zu einem Konflikt zwischen der Rolle in der Gesellschaft (öffentliche Persönlichkeit) und der intimen Persönlichkeit (Privatleben).

Es gibt neue philosophische Bewegungen: Stoizismus und Epikureismus. Ihre Werte sind:

  • Individuelle Freiheit
  • Die Abwesenheit von Angst und Schmerz
  • Die Autarkie (Selbstkontrolle über Körper und Geist)

Es entstand auch ein menschliches Ideal: der Menschenfreund (Philanthrop), der sein Leben anderen widmet.

Der Mensch im mittelalterlichen christlichen Denken

Ab dem ersten Jahrhundert entstand das Christentum. Während die griechische Philosophie auf rationaler Erklärung basierte, wird die christliche Philosophie durch religiöse Erklärungen gestützt, wobei alle religiösen Dogmen durch den Glauben erklärt werden.

Aufgrund der Notwendigkeit, die natürliche Wirklichkeit zu erklären und zu rechtfertigen, wandten sich christliche Denker der Hilfe griechischer philosophischer Begriffe und Theorien zu; so entstand der christliche Gedanke bzw. die christliche Philosophie.

Merkmale:

  • Die Wahrheit wird von Gott offenbart (Monotheismus und Allmacht).
  • Glaube: Das Wort Gottes dient als das endgültige Werkzeug.
  • Die Schöpfung: Das Universum wurde aus dem Nichts erschaffen.
  • Die Bibel: Sie erzählt vom Wesen der Welt und des Menschen, vom christlichen moralischen und politischen Ideal und so weiter.

All dies ist ein theozentrisches Denken: Gott, nicht der Mensch, ist die absolute Achse.

Die Vision des Menschen

Sie basiert auf:

  1. Gott schuf den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis. Der Mensch steht als Mittelpunkt der Schöpfung, lebt jedoch von und für Gott.
  2. Die menschliche Seele ist unsterblich. Die Seele ist die Verbindung mit dem Schöpfer und ermöglicht den Zugang zur Auferstehung, während der materielle Körper zur Sünde verleiten kann.
  3. Am Ende der Zeiten wird der Mensch mit Leib und Seele angesprochen. Die alten Griechen glaubten, dass die Seele nach dem Tod des Individuums in einem Kreislauf wiedergeboren wird. Dieser Gedanke ist als die Lehre von der ewigen Wiederkehr bekannt.

Das Christentum schlägt die Idee der Auferstehung vor: Die Menschen werden auferstehen, jedoch in einer anderen Dimension. Das Christentum wendet sich gegen eine zyklische Sicht und bietet eine lineare Sicht des Lebens sowie eine neue menschliche Moral.

Die menschliche Moral im Christentum:

  • Sie hängt nicht allein von der Vernunft ab, sondern von Gottes Gesetzen. Man muss seine Gesetze respektieren; tut man dies nicht, fällt man in die Sünde (das Böse) und nicht bloß in Unwissenheit.
  • Freiheit: Der Mensch ist frei, zwischen Gut und Böse zu wählen (menschliche Freiheit). Als Individuum wird er dadurch entweder gerettet oder verurteilt.

Einer der christlichen Autoren ist der Heilige Thomas von Aquin, ein Nachfolger des Aristoteles. Für ihn besteht die menschliche Natur aus der Einheit von Leib und Seele. Die Seele ist der wichtigste Teil; sie ist das Prinzip, das den Körper belebt, wobei die Seele den Körper zum Existieren eigentlich nicht benötigt. Die Vereinigung von Leib und Seele ist jedoch vorteilhaft, da die menschliche Seele Empfindungen nur durch den Körper wahrnehmen kann.

Darüber hinaus bezieht die Vernunft (die Seele) ihre Ideen aus der Erfahrung, die von den Sinnen kommt – also durch den Körper.

Thomas übernimmt die aristotelische Definition des Menschen als animal rationale. Da der Mensch Vernunft besitzt, kann er seine Natur erkennen und Verhaltensnormen festlegen, wie zum Beispiel:

  • Erhaltung des Lebens
  • Verpflichtung zur Pflege und Erziehung von Kindern
  • Die Suche nach der Wahrheit
  • Respekt für die Gerechtigkeit und die Öffentlichkeit

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