Henry Moore: Analyse der Skulptur „Recumbent Figure“
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Analyse von Henry Moores „Recumbent Figure“ (1938)
Autor: Henry Moore (1898–1986)
Maße: 1,32 m (Länge)
Titel: Liegende Figur (Recumbent Figure)
Material: Stein (Grüner Hornton-Stein)
Chronologie: 1938
Technik: Gehauener Stein (Cut)
Ort: Tate Gallery, London
Formen: Freier Stil (Free Style)
Typ: Abstrakt / Liegende Figur
Farbe: Monochrom
Formale Analyse
Dargestellt ist eine Frau, die auf einer horizontalen Oberfläche liegt, mit einer markanten, großen Lücke unter den Brüsten. Das Werk bewahrt eine gewisse Figuration, folgt jedoch einem spezifischen Darstellungsschema. In der Zusammensetzung fällt auf, dass der Kopf im Verhältnis zum Körper klein wirkt. Es herrscht ein freies Missverhältnis der Proportionen vor.
- Anatomie: Kraftvolle Darstellung der weiblichen Anatomie.
- Hohlräume: Ein großes Loch unter der Brust ist charakteristisch. Lücken und Löcher sind eine Konstante in Moores Produktion und werden als positive Elemente der Skulptur behandelt.
- Formgebung: Keine harten Kanten; stattdessen dominieren runde, schematische Formen und Kurven.
Die Skulptur schließt eine erhebliche symbolische Bedeutung ein. Es herrscht eine Vorherrschaft der Kurve in abgerundeten Formen und Hohlräumen vor.
Komposition und Raumwirkung
Die Skulptur überträgt durch ihre Horizontalität Ruhe und Entspannung. Die vorherrschende Horizontale wird durch Knie, Kopf, Arme und Beine aufgebrochen, die jedoch fest miteinander verbunden sind, um ein Ganzes zu bilden. Moore ist einer der ersten Bildhauer, der Formen maßgeblich durch den Leerraum definiert. Das Volumen umschließt den leeren Raum und formt so die gewünschte Gestalt (Gebärmutter-Symbolik).
Der Stein zeigt Risse und Spalten, was den Sinn für Monumentalität unterstreicht. Die leere Mitte ist von kompakten Massen umgeben, wodurch ein Spiel mit dem Eigengewicht entsteht. Das Volumen ist ausgewogen, aber nicht symmetrisch verteilt.
Licht und Ausdruck
Das Licht fällt differenziert auf die einzelnen Teile, wodurch schattige Bereiche entstehen, welche die Rundungen und Krümmungen betonen. Trotz der verbleibenden Figuration führen die Vereinfachungen und Verformungen das Werk an den Rand der Abstraktion, was der Skulptur zusätzliche Stärke und Ausdruckskraft verleiht. Bestimmte Teile der weiblichen Anatomie werden dabei mit symbolischer Bedeutung hervorgehoben.
Stil und Interpretation
Dieses Werk ist ein deutliches Beispiel für die Suche nach neuen Materialien und Formen in der Skulptur des 20. Jahrhunderts. Moore verleiht dem Vakuum (dem Leerraum) denselben plastischen Wert wie dem umgebenden Material.
In dieser Arbeit interpretiert Moore die „Mutter“ als eine Art Zuflucht vor dem Elend der Menschheit und als einen Ort des Friedens. Dieses Konzept wiederholte er oft in verschiedenen Materialien wie Holz, Stein und Metall. Die Form ist leicht erkennbar und ähnelt dem Chac-Mool aus Chichén Itzá (Yucatán). Moore adaptierte den Maya-Krieger und wandelte ihn in eine Frau um, die Fruchtbarkeit symbolisiert.
Die „Universelle Mutter“
Mit dieser liegenden Figur begann Moores künstlerische Reife. Er verwendete kräftige, gewellte und perforierte Formen, um seine Lieblingsthemen darzustellen: Mütter mit Kindern, Familien und die liegende menschliche Gestalt. Diese reichen vom Realismus bis zur reinen Abstraktion.
Die runden Formen erinnern an fruchtbringende und vitale Kräfte, welche die Fähigkeit von Frauen zur Entwicklung neuen Lebens im Mutterleib widerspiegeln. Der leere Raum unter der Figur wirkt wie eine warme, einladende Zuflucht in der Dunkelheit – ein Ort des Friedens und der Ruhe, fernab vom menschlichen Elend und Entbehrungen. Es ist eine Darstellung der „Universellen Mutter“, die verborgene und unbekannte Kräfte der Essenz der Menschheit heraufbeschwört.
Zweck des Werkes
Seine Aufgabe war es, einen bestimmten Raum zu schmücken. Es dient zudem dazu, dem Betrachter durch die gebogenen Linien die Beziehung zwischen den primären Kräften der Natur und der Körperform der Frau vor Augen zu führen.