Erste Hilfe: Leitfaden für Notfälle und Verletzungen
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Verbrennungen
Verbrennungen sind Verletzungen am Körper, die durch die Einwirkung von Wärme aus verschiedenen Quellen wie Feststoffen, Flüssigkeiten, gasförmigen Elementen, Strahlung, Flammen sowie Elektrizität entstehen. Diese schmerzhaften Läsionen heilen oft nur langsam.
Klassifizierung nach Tiefe
- Verbrennungen 1. Grades: Diese betreffen die oberflächlichste Hautschicht. Es tritt eine Rötung des Gebiets (Erythem) auf. Symptome: Brennen und Schmerzen, ohne Blasenbildung. Beispiel: Sonnenexposition.
- Verbrennungen 2. Grades: Diese betreffen Epidermis und Dermis, was zu Blasenbildung (Phlyktänen) mit seröser Flüssigkeit führt. Sie sind schmerzhafter als Verbrennungen ersten Grades.
- Verbrennungen 3. Grades: Diese betreffen alle Hautschichten und dringen tief in Gewebe wie Muskeln, Gefäße, Nerven und Knochen ein. Es bildet sich eine schwarz-graue Kruste oder Platte (Schorf). Aufgrund der Zerstörung des Nervengewebes sind sie normalerweise nicht schmerzhaft.
- Verbrennungen 4. Grades: Diese betreffen alle Körpergewebe und sind oft mit dem Leben unvereinbar. Sie entsprechen dem Zustand der Verkohlung.
Klassifizierung nach Ausdehnung (Neunerregel nach Wallace)
- Kopf und Hals: 9 %
- Rumpf (vorne und hinten): jeweils 18 %
- Untere Extremitäten (Beine): jeweils 18 %
- Obere Extremitäten (Arme): jeweils 9 %
- Genitalbereich: 1 %
Schweregrad der Verbrennungen
- Leichte Verbrennungen: Ausdehnung von 10 % bis 15 %
- Schwere Verbrennungen: Ausdehnung von 15 % bis 30 %
- Ernsthafte Verbrennungen: Ausdehnung von 35 % bis 60 %
Bei einer Ausdehnung von über 70 % ist die Überlebensrate sehr gering (fast 0 %).
Maßnahmen bei Verbrennungen
- Trennen Sie das Opfer von der Wärmequelle.
- Führen Sie eine ABC-Bewertung durch und sichern Sie die Vitalfunktionen.
- Kühlen Sie die verbrannte Fläche sofort für mindestens 10 Minuten mit fließendem Wasser. Je nach Ausmaß können nasse Umschläge angewendet oder das Gebiet in einen Behälter mit Wasser getaucht werden.
- Bei chemischen Verbrennungen spülen Sie die Stelle 15 bis 20 Minuten lang gründlich mit Wasser ab.
- Decken Sie die Wunde mit sterilen Kompressen oder einem sehr sauberen Tuch ab.
- Bei schweren Verbrennungen decken Sie das Opfer mit einer Decke oder Rettungsfolie ab, um Unterkühlung zu verhindern.
- Bei ausgedehnten Verbrennungen an Gliedmaßen decken Sie diese mit sauberen, nassen Handtüchern ab und lagern Sie Beine oder Arme hoch.
- Entfernen Sie Ringe, Uhren und Armbänder, da Ödeme und Entzündungen entstehen können, die später die Durchblutung abschnüren könnten.
Wichtige Hinweise (Was Sie unterlassen sollten)
- Tragen Sie keine Salben, Heilmittel, Lotionen, Zahnpasta, Öl oder Essig auf.
- Verwenden Sie kein Heftpflaster oder Watte direkt auf der Wunde.
- Verwenden Sie kein Eis oder Eiswasser, da dies die Gefäße verengt und den Blutfluss reduziert, was die Verletzung verschlimmert.
- Brechen Sie keine Blasen auf (Infektionsrisiko).
- Verwenden Sie keine Chemikalien zur Neutralisation – nur Wasser!
- Entfernen Sie keine Kleidung, die an der Haut klebt. Kleidung nur entfernen, wenn sie mit ätzenden oder kochenden Flüssigkeiten getränkt ist.
- Werfen Sie kein Wasser auf eine Person, deren Kleidung brennt. Verhindern Sie, dass das Opfer läuft; versuchen Sie, es mit einer Decke zu bedecken oder auf dem Boden zu rollen.
Maßnahmen bei Stromschlag
- Trennen Sie den Strom, bevor Sie das Opfer berühren.
- Wenn das Opfer noch Kontakt zum Strom hat, nutzen Sie einen nicht leitenden Gegenstand (Holzstab, Isolierhandschuhe), um es wegzuziehen. Achten Sie darauf, Stürze abzufangen.
- Prüfen Sie die Vitalfunktionen (ABC) und setzen Sie, falls vorhanden, einen AED (DESA) ein.
- Führen Sie die Reanimation bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fort.
- Behandeln Sie Ein- und Austrittswunden wie Verbrennungen.
- Rufen Sie den Notruf 112.
- Auch wenn keine sofortigen Beschwerden vorliegen, ist eine medizinische Überwachung notwendig, da Spätfolgen wie Arrhythmien oder ein Herzstillstand auftreten können.
Frakturen: Arten und Symptome
Ein Bruch eines Knochens kann durch Schläge oder Stürze verursacht werden.
Arten von Frakturen
- Unvollständig: Betrifft nicht die gesamte Dicke des Knochens.
- Vollständig: Der Knochen ist in zwei oder mehr Fragmente geteilt.
- Geschlossen: Der Knochen bricht, aber die Haut bleibt intakt.
- Offen: Die Haut über dem Bruch ist verletzt, der Knochen liegt frei. Es besteht ein hohes Infektions- und Blutungsrisiko.
- Grünholzfraktur: Typisch für Kinder; der Knochen bricht und biegt sich wie ein junger Zweig.
- Trümmerfraktur (Comminuta): Bruch mit mehreren Knochenfragmenten.
- Verschobene Fraktur: Die Knochenfragmente sind nicht mehr ausgerichtet.
Symptome
- Starke Schmerzen und Schwellungen.
- Sichtbare Deformierung des Bereichs.
- Funktionseinschränkung.
- Rötungen, Hämatome und Ödeme.
Vorgehensweise bei Frakturen
- Legen Sie den Bereich für eine Sichtprüfung frei.
- Bewegen Sie das Opfer nur, wenn es unbedingt notwendig ist.
- Entfernen Sie Ringe, Uhren und Armbänder im betroffenen Bereich.
- Überprüfen Sie den Puls an der betroffenen Extremität.
- Wenden Sie lokale Kälte an (Haut schützen).
- Immobilisieren Sie den Bereich, ohne zu versuchen, den Knochen einzurenken.
- Bei offenen Frakturen mit steriler, nasser Gaze abdecken; niemals versuchen, den Knochen wiedereinzuführen.
- Keine Salben oder Schmerzmittel lokal auftragen.
- Kontrollieren Sie Puls, Hauttemperatur und Farbe. Eine weiße oder blaue Verfärbung deutet auf Durchblutungsstörungen hin (evtl. Verband zu eng).
Vergiftungen
Eine Vergiftung ist das Ergebnis einer toxischen Wirkung auf den Körper. Ein Gift kann sofortige oder langfristige Schäden verursachen. Der Körper reagiert oft mit Abwehrreaktionen wie Erbrechen, Durchfall, vermehrtem Harndrang, Husten oder Schwitzen.
Arten der Vergiftung
- Über den Verdauungstrakt: Verunreinigtes Wasser, verdorbene Lebensmittel, Insektizide, Pilze, Drogen, Reinigungsmittel.
- Über die Atemwege: Gase, Aerosole, Rauch, Dampf.
- Parenteral: Tier- oder Insektenstiche, Injektionen.
- Haut/Schleimhäute: Kontakt mit Insektiziden oder Entfettern.
Vorgehensweise
- Beurteilen Sie die Umgebung auf Gefahren für sich selbst.
- Prüfen Sie die Vitalfunktionen und leiten Sie ggf. eine HLW ein.
- Versuchen Sie, fünf Fragen zu klären: Was wurde genommen? Wie viel? Wann? Wurde noch etwas anderes genommen? Wurde erbrochen?
- Rufen Sie die Giftnotrufzentrale (Tel.: 01 / 406 43 43 oder 030 / 19240) oder den Notruf an.
- Sichern Sie Giftproben, falls möglich.
- Transportieren Sie das Opfer ins Krankenhaus.
Andere Notfälle
Krampfanfälle
Starke, unwillkürliche Kontraktionen der Skelettmuskulatur durch Nervenreizung. Ein Anfall kann durch Schwindel angekündigt werden oder plötzlich mit Bewusstlosigkeit und Krämpfen auftreten. Danach ist die Person oft schläfrig und desorientiert.
- Maßnahmen: Versuchen Sie nicht, die Bewegungen zu stoppen. Legen Sie die Person flach hin und polstern Sie den Kopf.
- Verhindern Sie das Beißen auf die Zunge (Tuch zwischen die Zähne, aber keine Gewalt).
- Lösen Sie enge Kleidung (Gürtel, Krawatte).
- Prüfen Sie nach dem Anfall die Atemwege und bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage, um Aspiration bei Erbrechen zu verhindern.
Lipotymie (Ohnmacht)
Vorübergehende Minderdurchblutung des Gehirns. Ursachen: Hitze, Menschenmassen, schnelles Aufstehen. Symptome: Schwindel, Blässe, Übelkeit, schwacher Puls.
- Maßnahmen: Person hinsetzen (Kopf zwischen die Knie) oder flach lagern und Beine hochlegen.
- Frische Luft zuführen. Bei Bewusstlosigkeit Kopf zur Seite drehen. Bei Bewusstsein kleine Schlucke Wasser geben.
Hypoglykämie (Unterzuckerung)
Absinken des Blutzuckerspiegels. Zeichen: Nervosität, Angst, Hunger, Schwäche, Herzrasen. Kann zum diabetischen Koma führen.
- Maßnahmen: Gabe von Zucker, Süßigkeiten oder Obst (schnelle Kohlenhydrate). Medizinische Evaluation im Krankenhaus.
Hypothermie (Unterkühlung)
- Maßnahmen: Opfer aus der Kälte bringen, nasse Kleidung entfernen, abtrocknen und warm einpacken (Decken, Rettungsfolie).
- Haut niemals mit Schnee einreiben (Verletzungs- und Infektionsgefahr).
- Wenn bei Bewusstsein: warme, zuckerhaltige Getränke (kein Kaffee, kein Alkohol).
- Langsames Erwärmen (z. B. Badewanne mit max. 40 °C für 15-20 Min.).
- Notruf 112 wählen.
Erfrierungen
Lokale Kälteschäden an exponierten Körperteilen. Faktoren: Wind, Feuchtigkeit, Erschöpfung, Tabak/Alkohol.
- Maßnahmen: Bereich mit Baumwollverband schützen oder in warmem Wasser (38-40 °C) schrittweise erwärmen.
- Keine direkte Hitze (Heizkörper, Feuer), da Gefühllosigkeit zu Verbrennungen führen kann.
- Betroffenes Gebiet hochlagern. Blasen 2. Grades nicht öffnen.
Ertrinken
- Maßnahmen: Opfer sicher aus dem Wasser retten. Sofortige Wiederbelebung ist entscheidend.
- Prüfen Sie die Atmung. Wenn keine Atmung vorhanden ist: HLW (30:2) starten.
- Versuchen Sie nicht, geschlucktes Wasser gewaltsam zu entfernen (Gefahr von Erbrechen und Aspiration).
- Setzen Sie, falls verfügbar, einen AED ein.
- Setzen Sie die Reanimation bis zum Eintreffen des Notarztes fort.