Humanismus, Reformation und die Kunst der Renaissance
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1.1 Eine neue Art des Denkens: Der Humanismus
Die wichtigsten Merkmale des Humanismus sind:
- Die Ablehnung des mittelalterlichen Geistes.
- Die Konzentration auf die Freiheit und die Verherrlichung des Menschen, der als das einzige mit Vernunft begabte Wesen gilt.
- Die Inspiration durch die griechisch-römische Kultur.
- Das Interesse und die Neugier für Wissenschaft und technischen Fortschritt.
- Die Verwendung von Volkssprachen als Vehikel kultureller Überlieferung anstelle von Latein und Griechisch.
1.2 Der Ausbau des Humanismus
Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts erleichterte die Erfindung des Buchdrucks die Verbreitung humanistischer Ideen. Die Akademien waren die wesentlichen Treiber des humanistischen Denkens, wobei der Schwerpunkt ihrer Studien auf Sprache, Literatur und Philosophie lag. Auch die Universitäten spielten eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Übertragung von neuem Wissen.
2.1 Die Ursachen der Reformation
Gegen Ende des Mittelalters gab es in einigen Teilen der Gesellschaft Unbehagen gegenüber der Kirche. Die Gründe für die Unzufriedenheit waren:
- Der übertriebene Luxus der hohen Hierarchie.
- Die mangelnde Bildung des Klerus.
- Der Verkauf von kirchlichen Ämtern und Ablässen.
Einige Humanisten wie Erasmus von Rotterdam kritisierten diese Praktiken und plädierten für eine innigere Religiosität, die auf dem Lesen der Bibel basierte.
2.2 Der Bruch durch Martin Luther
Martin Luther begann seine Kritik an der Kirche im Jahre 1517 mit der Veröffentlichung der 95 Thesen gegen die katholische Lehre und die kirchliche Hierarchie. Luther wurde von deutschen Fürsten und Adligen unterstützt, die darauf brannten, kirchliches Eigentum zu ergreifen und ihre Autorität gegenüber Kaiser Karl V. und dem Papst zu stärken. Die lutherische Reformation beruht auf drei Prinzipien: Erlösung durch den Glauben, das Priestertum aller Gläubigen und die alleinige Autorität der Bibel. Das Luthertum verbreitete sich rasch in Deutschland, der Schweiz, Schweden, Dänemark, Norwegen, Holland und England.
2.3 Die Ausbreitung des Protestantismus
In Europa entstanden neue reformistische Lehren:
- Calvinismus: Verbreitete sich in der Schweiz durch Johannes Calvin. Hier gilt Arbeit als moralische Tugend, und geschäftlicher Erfolg wird als Zeichen göttlicher Gnade gewertet.
- Anglikanismus: Entstand in England unter König Heinrich VIII., nachdem Papst Clemens VII. die Annullierung seiner Ehe mit Katharina von Aragon verweigert hatte.
3.1 Der Kampf gegen den Protestantismus
Der Papst reaktivierte 1542 die Inquisition in Italien und Spanien, um jene zu verfolgen, die von der kirchlichen Lehre abwichen. Zudem wurde der Index Librorum Prohibitorum eingeführt – eine Liste verbotener Bücher. Personen, die der Häresie verdächtigt wurden, mussten sich einem Glaubensgericht unterziehen, dem sogenannten Auto-da-fé.
3.2 Das Konzil von Trient
Die kirchliche Hierarchie förderte eine Erneuerungsbewegung, die Gegenreformation. Diese wurde maßgeblich auf dem Konzil von Trient (1545–1563) gestaltet. Ziel war es, Fehler zu korrigieren und die Dogmen des katholischen Glaubens zu verteidigen. Das Konzil betonte, dass der Glaube wichtig sei, das Heil aber auch durch gute Werke erreicht werde. Es wurden Maßnahmen ergriffen: Das Verbot des Ablasshandels wurde bekräftigt, Seminare zur Ausbildung des Klerus wurden erstellt und Bischöfe wurden verpflichtet, in ihren Diözesen zu residieren.
3.3 Die Ausbreitung der Gegenreformation
Mitte des 16. Jahrhunderts begann die Reform vieler religiöser Orden. Es entstanden auch neue Orden wie die Jesuiten, die 1537 von St. Ignatius von Loyola gegründet wurden. Dieser Orden zeichnete sich durch strenge Disziplin aus und unterstand direkt dem Papst.
4.1 Höflinge und Mäzene
Der neue humanistische Geist verbreitete sich in den Städten. Der Kult des Individualismus und die persönliche Anstrengung begünstigten den sozialen Aufstieg. Es fand ein Prozess der Säkularisierung statt; die Religion war nicht mehr das alleinige Zentrum des kulturellen Lebens. Das Ideal des Menschen wandelte sich vom mittelalterlichen Ritter zum gebildeten und raffinierten Höfling. Die wohlhabenden italienischen Städte waren die Zentren der Renaissance. Wirtschaftliche Prosperität ermöglichte es Bürgern und Adligen, als Mäzene (Gönner) aufzutreten.
4.2 Eine neue Auffassung von Kunst
Die Renaissance förderte die Wiederentdeckung der antiken griechisch-römischen Kunst. Maler und Bildhauer widmeten sich neben religiösen Themen auch der Mythologie und weltlichen Fragen. Künstler suchten nach dem Schönheitsideal und betrachteten den Menschen als das vollkommenste Werk Gottes. Dies führte zu intensiven Studien der Natur und der menschlichen Anatomie. Architekten setzten auf die Harmonie der Proportionen und die Einfachheit der Linien.
5.1 Architektur des Quattrocento
Architekten suchten die Beherrschung des Raumes durch einfache, rationale Elemente. Dazu gehörten Kuppeln (inspiriert von antiken Modellen), Rundbögen, Säulen, Giebel und Gesimse.
5.2 Skulptur der Renaissance
Bildhauer interessierten sich für den menschlichen Körper und orientierten sich an klassischen Modellen bezüglich der Proportionen und der Darstellung des Nackten.
5.3 Malerei und Perspektive
Die große Innovation des Quattrocento war die rationale Nutzung der Perspektive, die es erlaubte, Tiefe auf einer ebenen Fläche darzustellen. Zudem legten Künstler Wert auf die Darstellung der Natur und die psychologische Tiefe der Charaktere.
6.1 Architektur des Cinquecento
Im 16. Jahrhundert traten die Päpste als bedeutende Mäzene auf. Papst Julius II. begann den Bau des Petersdoms und beauftragte Bramante und später Michelangelo. In Norditalien tat sich zudem Andrea Palladio hervor.
6.2 Skulptur: Michelangelo und Cellini
Michelangelo gilt als der größte Bildhauer seiner Zeit. Sein Werk konzentriert sich weniger auf Proportionen als vielmehr auf den Ausdruck von Gefühlen. Ein weiterer bedeutender Bildhauer war Benvenuto Cellini, der oft mythologische Themen wie den Perseus darstellte.
6.3 Malerei: Leonardo, Raffael und Tizian
Leonardo da Vinci wurde zum Inbegriff des Renaissance-Künstlers, der Kunst und Wissenschaft vereinte. Raffael zeichnete sich durch technische Meisterschaft, Porträts sowie Eleganz und Harmonie aus. Zudem gewann die Venezianische Schule an Bedeutung.
7.1 Die Renaissance in Flandern
In Flandern hatte die italienische Renaissance zunächst wenig Einfluss. Die Maler entwickelten einen eigenen Stil, geprägt von Detailtreue und Realismus. Zur ersten Generation gehörten Rogier van der Weyden und Jan van Eyck. Später folgten Hans Memling und Hieronymus Bosch.
7.2 Die Renaissance in Deutschland
Durch den Sieg der Reformation verlor die religiöse Malerei in Deutschland an Bedeutung. Stattdessen wurden Porträts und Landschaften bevorzugt. Der Renaissance-Stil wurde maßgeblich durch Albrecht Dürer eingeführt.
7.3 Die Renaissance in Frankreich
In Frankreich verbreitete sich die Renaissance schnell dank König Franz I., der italienische Künstler wie Cellini und Da Vinci an seinen Hof holte. Besonders herausragend ist die Architektur, insbesondere der Bau prächtiger Schlösser.