Humanismus und Reformation: Ursprung und Ausbreitung
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Der Humanismus: Eine kulturelle Erneuerung
Der Humanismus war eine Bewegung der kulturellen Erneuerung, die im 15. Jahrhundert in Italien entstand und sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in ganz Europa ausbreitete. Die wichtigsten Merkmale waren:
- Abkehr vom mittelalterlichen Gottesbild: Der Mensch wurde als einzigartiges Wesen betrachtet, das mit Vernunft und Freiheit begabt ist. Es entstand eine Methode zur Erkenntnissuche, die auf Reflexion und Vernunft basierte.
- Griechisch-lateinische Inspiration: Das kulturelle Interesse an der griechischen Sprache ermöglichte die Übersetzung klassischer Autoren, insbesondere von Platon und Aristoteles, die als Vorbilder für menschliches Verhalten dienten.
- Naturwissenschaften: Ein wachsendes Interesse an wissenschaftlichem Fortschritt, basierend auf Beobachtung und Experimenten.
- Volkssprachen: Die Nutzung lokaler Sprachen als Medium der kulturellen Überlieferung anstelle von Latein und Griechisch. Ein wichtiger Schritt war hierbei die Übersetzung der Bibel.
Viele Humanisten versuchten, das wissenschaftliche Interesse an der klassischen Kultur mit christlichen Werten zu verknüpfen. Das beste Beispiel hierfür war Erasmus von Rotterdam.
Die Ausbreitung des Humanismus
Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts erleichterte die Erfindung des Buchdrucks die Verbreitung humanistischer Ideen. Aufgrund der kostspieligen Buchproduktion konzentrierte sich dies zunächst auf größere Städte wie Venedig, Paris oder Antwerpen, weitete sich jedoch bald auf weitere europäische Zentren aus.
Akademien wurden zu wesentlichen Treibern des humanistischen Denkens, mit Fokus auf Sprachstudien, Literatur und Philosophie. Unter dem wirtschaftlichen Schutz von Mäzenen wurden alte Handschriften übersetzt und Wissen ausgetauscht. Universitäten wie Löwen, Padua, Bologna, Florenz und Alcalá de Henares spielten eine zentrale Rolle bei der Bildung und Übertragung neuen Wissens.
Die Ursachen der Reformation
Im späten Mittelalter wuchs das Unbehagen über die Entwicklung der Kirche. Zu den Gründen zählten:
- Missstände in der Hierarchie: Übermäßiger Luxus, der Verkauf kirchlicher Ämter aus wirtschaftlichen Gründen statt aus religiöser Berufung sowie der Handel mit Ablassbriefen zur Vergebung von Sünden.
Einige Humanisten, wie Erasmus, kritisierten diese missbräuchlichen Praktiken und plädierten für eine tiefere, aufrichtigere Religiosität.
Der Bruch durch Martin Luther
Martin Luther begann 1517 mit seiner Kritik an der Kirche. Er verweigerte die Anerkennung von Ablassbriefen und die Macht der Kirche, diese zu gewähren. Er wurde dabei von deutschen Fürsten und Adligen unterstützt.
Luthers Reform beruhte auf drei Prinzipien:
- Erlösung durch den Glauben, nicht durch gute Werke.
- Das allgemeine Priestertum.
- Die Autorität der Bibel: Jeder Gläubige interpretiert die Bibel nach seinem eigenen Gewissen.
Das Luthertum verbreitete sich in Deutschland, Schweden, Dänemark, Norwegen, England, der Schweiz und den Niederlanden.
Protestantismus in Europa
Fast gleichzeitig entstanden neue reformistische Lehren wie der Calvinismus und der Anglikanismus:
- Calvinismus: Verbreitet durch den Schweizer Johannes Calvin. Er vertrat die Lehre, dass nur bestimmte Menschen zur Erlösung vorherbestimmt seien. Er verbreitete sich in Frankreich (Hugenotten) und England (Puritaner).
- Anglikanismus: Entstand in England, als Heinrich VIII. sich von Papst Clemens VII. nicht die Annullierung seiner Ehe mit Katharina von Aragon genehmigen ließ. Durch die Suprematsakte löste sich der König von Rom und machte sich selbst zum Oberhaupt der Kirche von England.