Immanuel Kant: Historischer und philosophischer Kontext
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Historischer Kontext
Kant lebte im historischen Kontext des preußischen Staates unter der Regierung Friedrichs des Großen, dem „König und Philosophen“. Diese Ära war geprägt vom aufgeklärten Absolutismus, der soziale Reformen förderte. International bedeutende historische Ereignisse wie die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten und ihre Verfassung sowie die Französische Revolution (1789) und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte bildeten die Grundlage für moderne demokratische und liberale Gesellschaften.
Die soziokulturelle Krise des Alten Regimes, geprägt durch eine aristokratische und hierarchische Klassengesellschaft, wurde durch die triumphierende Bourgeoisie der Französischen Revolution abgelöst. Wirtschaftlich waren diese Entwicklungen eng mit der Industriellen Revolution und einer demografischen sowie landwirtschaftlichen Revolution verknüpft. Im kulturellen Bereich wich das verzierte Rokoko dem geordneten Klassizismus. In der Musik ragten Persönlichkeiten wie Bach, Vivaldi, Mozart und Beethoven hervor, in der Literatur Goethe, und in der Wissenschaft war Newton die zentrale Figur, die Kant als Modell für wissenschaftliche Erkenntnis diente.
Philosophischer Rahmen
Der philosophische Kontext, in dem sich Kants Denken entwickelte, ist das Zeitalter der Aufklärung. Es ist gekennzeichnet durch ein absolutes Vertrauen in die Vernunft, die Männer und Frauen aus ihrer Unmündigkeit befreien soll. Diese aufgeklärte Vernunft ist tolerant, weltlich, autonom, kritisch und analytisch, mit dem Ziel, dauerhaften Fortschritt und Glück zu erreichen.
Für Kant ist das Wesen der Aufklärung: „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, was den Eintritt der Menschheit in ihre Volljährigkeit markiert.
Die philosophischen Strömungen
- Rationalismus: (Descartes, Leibniz, Wolff) Alles Wissen basiert auf den Prinzipien der Vernunft und angeborenen Ideen.
- Empirismus: (Locke, Hume) Ursprung, Gültigkeit und Grenzen des Wissens liegen in der Erfahrung.
Kant, im Rationalismus erzogen, aber sensibel für die Argumente des Empirismus, synthetisierte beide Strömungen in seiner Transzendentalphilosophie.
Einflüsse
a) Im Bereich des Wissens
- Rationalistische Tradition: Wolffs Konzeption der Philosophie als rein rationale Erkenntnis aus ersten Prinzipien.
- Empiristische Tradition: Die Lektüre von Hume, dem großen Kritiker des Rationalismus.
- Newton: Kant erkannte, dass Wissenschaft eine Synthese aus Erfahrung (liefert verstreute Fakten) und Vernunft (liefert notwendige Gesetze) ist.
b) Im moralischen Bereich
Hervorzuheben ist der Einfluss des Pietismus, in dem Kant erzogen wurde, was sich in seinem moralischen Rigorismus widerspiegelt. Zudem prägte ihn Rousseau durch die Idee der moralischen Autonomie, die Reinheit der Absicht und die Würde des Menschen.