Individuelle und soziale Konstruktion von Wissen
Eingeordnet in Lehre und Ausbildung
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 3,76 KB
Die individuelle und soziale Konstruktion von Wissen
Es gibt kein Wissen ohne einen Kenner – also jemanden, der fähig ist zu wissen. Die Untersuchung des Wissens muss daher auf der subjektiven Ebene beginnen, um zu verstehen, wie es entsteht und sich entwickelt.
Empfindungen und Sinnesorgane
Alle Lebewesen haben gemeinsam, dass sie empfindlich auf äußere Reize reagieren. Während jeder Organismus diese Empfindlichkeit auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck bringt, sind es die Sinnesorgane, über die das Nervensystem mit der Welt kommuniziert.
Sensible Systeme von Organismen reagieren auf bestimmte Reizstärken. Jede Art besitzt unterschiedliche Grade der Reizaufnahme aus der Umwelt, weshalb auch ihre Erfahrungen mit der Umwelt verschieden sind.
Die verschiedenen Komponenten interagieren kontinuierlich mit den Sinnen und bilden die erste Stufe der Annäherung an die Realität: die Empfindungen. Um von einem Beginn des Wissens sprechen zu können, ist es notwendig, dass diese Empfindungen organisiert werden und einen Sinn ergeben, der zu einer Wahrnehmung führt.
Die Wahrnehmung als konstruktiver Prozess
Die menschliche Wahrnehmung ist ein Prozess, durch den Informationen aus der Umgebung organisiert, entwickelt und interpretiert werden. Die Wahrnehmung assimiliert die Empfindungen, indem sie ihnen eine Bedeutung verleiht.
So beinhaltet das Wahrnehmen eine aktive Beteiligung des Subjekts, da dieses seine Welt basierend auf Erfahrungen und Emotionen interpretiert. Wenn beispielsweise ein Objekt betrachtet wird, sind alle Neuronen an der Analyse der einzelnen Eigenschaften dieses Objekts beteiligt.
Ein Apfel wird jedoch von jemandem, der tagelang nichts gegessen hat, anders wahrgenommen als von jemandem, der gerade ein üppiges Hochzeitsmahl hinter sich hat. Die Wahrnehmung ist somit ein konstruktiver Prozess.
Die Welt denken: Konzepte und Abstraktion
Sinnliches Wissen markiert den Anfang des Erkenntnisprozesses. Der nächste Schritt ist der Sprung zur Verallgemeinerung, zur Bildung von Konzepten und schließlich zum komplexen Denken, auf dem die Argumentation aufbaut.
Menschliches Wissen arbeitet mit Konzepten. Aus der Wahrnehmung spezifischer Objekte werden allgemeine Begriffe konstruiert, die wesentliche Merkmale zusammenfassen. Das Denken erfolgt durch Begriffe; ein Konzept ist die geistige und symbolische Darstellung eines Objekts, unabhängig von seinen individuellen Merkmalen, und umfasst das, was es mit anderen Objekten teilt.
Die soziale Konstruktion von Wissen
Menschliches Wissen besitzt eine Doppelnatur: Es dient dazu, die Wirklichkeit zu erkennen, und ist zugleich ein sozial konstruiertes Produkt. Es ergibt nur Sinn, wenn mehrere Personen es teilen und durch Kommunikation gemeinsam aufbauen.
Der Mensch ist das Lebewesen mit dem geringsten Instinkt-Code, aber der höchsten Lernkapazität in den ersten Lebensjahren. Dieser Prozess der Wissensaneignung findet stets in einem sozialen Kontext statt, der ihm eine bestimmte Ordnung verleiht.
Durch die Sozialisation werden soziale Normen internalisiert, Gewohnheiten erlernt sowie ethische und moralische Regeln verinnerlicht, die das Verhalten bestimmen. So wird eine Reihe von kognitiven Lernprozessen erworben.
Dieses Wissen ist in der Gesellschaft als etwas verbreitet, das der individuellen Erfahrung vorausgeht und ihr Sinn verleiht. Diese Organisation, die einer spezifischen sozio-historischen Situation entspringt, ermöglicht es dem Individuum, die Welt auf eine scheinbar natürliche Weise wahrzunehmen.