Die Industrialisierung und die soziale Frage im 19. Jahrhundert

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Die Stadt als Zentrum der Industrialisierung

Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt zum Zentrum der neuen wirtschaftlichen Ordnung. Fabriken und die Bourgeoisie prägten das Bild der Küstenstädte in einer zunehmend industrialisierten Welt. Die Städte wuchsen in einem schwindelerregenden Tempo bis heute. Ein markantes Beispiel für diese Transformation war London: Innerhalb von 50 Jahren stieg die Einwohnerzahl von 700.000 auf über eine Million an, womit sie zur bevölkerungsreichsten Stadt der Welt wurde. Diese enorme Zunahme war auf die Landflucht und eine hohe Geburtenrate zurückzuführen. Ein ähnliches Verhalten lässt sich in anderen europäischen Städten wie Brüssel, Mailand oder Wien beobachten. Die Arbeiter, die oft frisch vom Land kamen, drängten sich in Vierteln am Rande der Industriegebiete zusammen, in denen es an grundlegenden Dienstleistungen fehlte. Diese Bedürfnisse führten schließlich zur Gründung von Arbeitervereinigungen.

Die Bildung der Arbeiterklasse

Das Proletariat (die Arbeiterklasse) entwickelte sich zu einer neuen sozialen Gruppe. Doch woher kamen ihre Mitglieder?

  • Bauern: Viele konnten ihren Lebensunterhalt nicht mehr sichern, nachdem sie den Zugang zu Gemeindeland verloren hatten.
  • Heimarbeiter: Sie mussten sich den neuen Anforderungen der industriellen Wirtschaft anpassen.
  • Handwerker: Ehemalige Mitglieder der Zünfte gaben ihre Werkstätten auf.

Die Einführung von Maschinen führte zur endgültigen Formierung der Arbeiterklasse.

Harte Arbeitsbedingungen in der Industrie

Die Arbeitsbedingungen waren äußerst hart und in fast allen industrialisierten Ländern ähnlich:

  • Lange Arbeitszeiten (von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang).
  • Strenge Disziplin und körperliche Züchtigung.
  • Wirtschaftssanktionen und die Abschaffung von Sonn- und Feiertagen.
  • Häufige Entlassungen und das Fehlen von Renten bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit.

Die ersten Verordnungen über die Vereinigungsfreiheit im Vereinigten Königreich waren in ihrer Wirksamkeit zunächst gering. Krankheiten wie Rachitis und Tuberkulose waren unter den Arbeitern aufgrund der schlechten Gesundheitsbedingungen weit verbreitet. Die mechanische Arbeit war von einem durch Maschinen geprägten Rhythmus und Routine bestimmt.

Frauen- und Kinderarbeit

Bereits vor der industriellen Revolution arbeiteten Frauen und Kinder in der Landwirtschaft, in Werkstätten oder im Haushalt. Ein Schulbesuch war ungewöhnlich, da die Familien schnell auf die Arbeitskraft der Kinder angewiesen waren. Mit der Industrialisierung widmeten sich Frauen neuen Tätigkeitsfeldern:

  • Haushalt und Textilindustrie.
  • Bergbau (vorwiegend an der Oberfläche).
  • Dienstleistungen (z. B. als Dienstmädchen).

In der Stahl- oder Metallurgieindustrie waren sie hingegen kaum vertreten. Die Arbeit war ein wesentlicher Teil der Familienwirtschaft. Kinder arbeiteten oft 14 bis 18 Stunden täglich, wobei ihre Löhne deutlich niedriger waren als die der Erwachsenen. Gesetzliche Vorschriften zum Schutz von Kindern waren knapp und wurden kaum beachtet. Obwohl die Briten ein Arbeitsverbot für Kinder unter 9 Jahren einführten, wurde dies selten eingehalten. Erst ab dem Jahr 1844 begann sich die Situation allmählich zu verbessern.

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