Die Zweite Industrielle Revolution: Energie und Fortschritt
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1. Die Zweite Industrielle Revolution
Zwischen 1870 und 1914 entwickelte sich eine zweite Phase der wirtschaftlichen Entwicklung, die durch neue Energiequellen und innovative Unternehmen geprägt war. Sie zeichnete sich durch die Konzentration von Wirtschaft und Finanzen, einen zunehmenden internationalen Wettbewerb und den Verlust der englischen industriellen Vorherrschaft aus.
1.1 Neue Energiequellen und Industriezweige
Die Beziehung zwischen Forschung und Wirtschaft intensivierte sich; Patente und Erfindungen wurden in zahlreichen Laboren entwickelt. Alle Sektoren waren betroffen, insbesondere die Stahl-, Chemie- und Elektroindustrie.
Metallindustrie
Die Veränderungen in der Stahlindustrie prägten diese Ära als das „Zeitalter des Stahls“. Durch den Bessemer-Birne-Konverter, den Siemens-Martin-Ofen und das Thomas-Gilchrist-Verfahren wurde Stahl qualitativ hochwertiger und kostengünstiger. Dies ermöglichte den Bau präziserer Maschinen und Motoren. Zudem wurden Chromstahl, Edelstahl sowie neue Metalle wie Aluminium für die Luftfahrt entwickelt.
Chemische Industrie
Die Branche profitierte von technischen Verbesserungen wie dem Solvay-Verfahren zur Sodaherstellung sowie der Synthese organischer Verbindungen für Farbstoffe, Sprengstoffe und künstliche Fasern. Auch die Pharma- und Parfümindustrie entstanden, wobei der Fokus weiterhin auf Grundchemikalien lag.
Öl und Strom
Mit Strom und Öl erschienen zwei neue Energiequellen. Die Erfindung von Wasserturbinen zur Stromerzeugung, Dynamos, Elektromotoren und Glühlampen löste die Probleme der Energieversorgung. Dies führte zu einer Vielzahl von Anwendungen: öffentliche Beleuchtung, Straßenbahnen, elektrische Eisenbahnen, Telegrafie, Telefonie, Phonographen und das Kino. Große Unternehmen wie Phillips, Siemens, AEG, General Electric und Westinghouse wurden gegründet.
Erdöl wurde in einer Reihe von Produkten und Kunststoffen verwendet, was die petrochemische Industrie begründete. Ihren endgültigen Impuls erhielt sie jedoch durch den Verbrennungsmotor.
1.2 Fortschritte in Verkehr und Kommunikation
Der Ausbau von Schienen- und Wasserwegen wurde durch das Aufkommen von Straßenbahnen, U-Bahnen, Fahrrädern, Automobilen und der Luftfahrt ergänzt.
Eisenbahn und Schifffahrt
Stahl erhöhte die Kapazität, Geschwindigkeit und Sicherheit der Wagen bei sinkenden Preisen, was zur Vereinheitlichung der nationalen Märkte führte.
Dampfschifffahrt
Ab 1865 setzten sich Dampfschiffe durch die Verwendung von Eisenrümpfen und Schiffsschrauben durch, was Kosten senkte und Kapazitäten steigerte. Der Bau des Suez- und Panamakanals verkürzte Distanzen erheblich, während die Kühltechnik den Transport verderblicher Waren revolutionierte.
Auto- und Luftverkehr
Das Auto ist das Ergebnis des Benzin-Verbrennungsmotors und des Luftreifens. Henry Ford produzierte das Modell T mittels Fließbandfertigung. Die Luftfahrt wurde durch die Gebrüder Wright begründet, entwickelte sich jedoch erst mit dem Ersten Weltkrieg maßgeblich weiter.
Weitere Verkehrsmittel
U-Bahnen und Straßenbahnen revolutionierten den innerstädtischen Verkehr und das Stadtbild; zudem wurde das Fahrrad erfunden.
Kommunikation
Telefon und drahtlose Telegrafie ermöglichten die sofortige Übertragung von Nachrichten, während technische Innovationen der Presse neuen Schwung verliehen.
1.3 Die neuen Wirtschaftsmächte
Im Jahr 1913 wurde Großbritannien von den USA und Deutschland überholt, die in der Eisen-, Stahl-, Chemie- und Elektroindustrie führend waren. Großbritannien blieb jedoch das weltweite Finanzzentrum, und das britische Pfund fungierte weiterhin als Leitwährung des internationalen Austauschs.