Die Industrielle Revolution: Geschichte und Folgen

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1. Die Industrielle Revolution: Das Maschinenzeitalter

Die industrielle Revolution markiert den Übergang von der Agrar- und Handwerkswirtschaft zu einer durch Industrie und Mechanisierung geprägten Produktion. Sie stellt eine radikale Veränderung in allen Lebensbereichen (Gesellschaft, Wirtschaft, Politik) dar und begann Mitte des 18. Jahrhunderts in England. Während des 19. Jahrhunderts verbreitete sie sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit in Europa, den USA und Japan.

Der wirtschaftliche Aufschwung während der industriellen Revolution war auf den wirtschaftlichen Liberalismus zurückzuführen, der völlige unternehmerische Freiheit und die Beseitigung aller Hindernisse für die freie Entwicklung befürwortete.

Wichtige Transformationen

  • Umgestaltung der Landwirtschaft: Neue Maschinen, Techniken und Kulturpflanzen führten zu einer Kapitalanhäufung, die in andere Sektoren investiert werden konnte.
  • Bevölkerungsentwicklung: Bevölkerungswachstum stellte freie Arbeitskräfte für die Industrie bereit.
  • Technische Innovationen: Die Dampfmaschine (Watt), Fortschritte in der Textilindustrie, Metallurgie und die Stephenson-Lokomotive ersetzten Handwerksbetriebe durch Fabriken.
  • Revolution im Transportwesen: Die Eisenbahn wurde zum Motor der europäischen industriellen Entwicklung.
  • Expansion: Die industrielle Revolution breitete sich von England nach Frankreich, Deutschland, Belgien, Holland, in die USA und nach Japan aus.

Die zweite Phase der industriellen Revolution

Ab 1870 diversifizierte sich die Weltwirtschaft. Historiker bezeichnen diese Phase als zweite industrielle Revolution oder Hochkapitalismus, geprägt durch Unternehmenskonzentration.

  • Neue Energiequellen: Erdöl und Strom ersetzten Kohle. Öl revolutionierte den Transport durch kleinere Motoren, während Elektrizität die Industrialisierung neuer Regionen ermöglichte.
  • Top-Branchen: Stahlproduktion (Bessemer-Birne), chemische Industrie (Sprengstoffe, Düngemittel, Pharmazeutika).
  • Verkehr und Kommunikation: Telegraf, Telefon, Radio, Dampfschiffe und die Eröffnung von Suez- (1869) und Panamakanal (1914).
  • Arbeitsorganisation: Einführung der wissenschaftlichen Arbeitsorganisation durch F.W. Taylor (Taylorismus) und das Fließband bei Ford (Fordismus).

2. Neue Zeiten, neue Probleme: Die Arbeiterbewegung

Die industrielle Revolution führte zur Entstehung des Proletariats. Arbeiter lebten unter elenden Bedingungen mit 12 bis 14 Stunden täglicher Arbeitszeit und ohne Rechte.

Organisierung der Arbeiter

  • Luddismus: Frühe Proteste durch Zerstörung von Maschinen in Großbritannien.
  • Gewerkschaften: Entstehung der ersten Trades Unions im frühen 19. Jahrhundert.
  • Chartistenbewegung: Kampf für das politische Wahlrecht der Arbeiterklasse.
  • Sozialismus und IWA: Gründung der Ersten Internationalen (1864) mit Zielen wie dem 8-Stunden-Tag und dem Verbot von Kinderarbeit.
  • Spaltung: Die Bewegung teilte sich in Anarchismus (Bakunin) und wissenschaftlichen Sozialismus/Marxismus (Marx, Engels).

3. Imperialismus: Europa beherrscht die Welt

Der Imperialismus des 19. Jahrhunderts war die logische Konsequenz der industriellen Entwicklung. Europa benötigte neue Märkte, Rohstoffe und billige Energiequellen.

Ursachen und Folgen

  • Bevölkerungsdruck: Starkes Wachstum in Europa führte zur Auswanderung und Expansion.
  • Ideologie: Sozialdarwinismus und der Glaube an die Überlegenheit der weißen Rasse rechtfertigten die Dominanz.
  • Kolonialreiche: Das Britische Empire und das Französische Kolonialreich waren die bedeutendsten Mächte.
  • Folgen: Ausbeutung der lokalen Bevölkerung, Akkulturation und wirtschaftliche Abhängigkeit der Kolonien, was schließlich zu Spannungen führte, die im Ersten Weltkrieg mündeten.

4. Der Erste Weltkrieg (1914–1918)

Der Erste Weltkrieg war eine Folge des imperialistischen Kapitalismus. Er wurde durch territoriale Streitigkeiten, koloniale Rivalitäten und Nationalismus ausgelöst.

  • Bündnissysteme: Dreibund (Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien) gegen die Triple Entente (Russland, Frankreich, Großbritannien).
  • Kriegsverlauf: Bewegungskrieg, Grabenkrieg und das entscheidende Jahr 1917 (Russische Revolution, Eintritt der USA).
  • Folgen: Rund 10 Millionen Tote, wirtschaftliche Zerstörung Europas und der Aufstieg der USA zur führenden Wirtschaftsmacht. Der Versailler Vertrag legte Deutschland die Hauptschuld auf.

5. Die Russische Revolution (1917–1924)

Die russische Revolution markierte die Eroberung des Staates durch die Bolschewiki unter Lenin, mit dem Ziel, eine sozialistische Gesellschaft zu errichten.

  • Ausgangslage: Russland war ein rückständiges Agrarreich unter einer absoluten Zarenherrschaft.
  • Oktoberrevolution: Die Bolschewiki übernahmen strategische Punkte und stürzten die provisorische Regierung unter Kerenski.
  • UdSSR: Nach einem Bürgerkrieg (1918–1921) wurde die Sowjetunion gegründet. Nach Lenins Tod 1924 festigte Stalin seine Macht.

6. Kunstgeschichte: Von Goya bis zur Moderne

Francisco de Goya gilt als Wegbereiter der modernen Kunst. Seine Werke, wie die Schwarzen Gemälde, spiegeln die menschliche Grausamkeit und soziale Kritik wider.

  • Realismus (ab 1850): Versuch, die Realität objektiv und ohne metaphysische Idealisierung darzustellen (Courbet, Millet).
  • Impressionismus (ab 1865): Fokus auf Licht, Farbe und den flüchtigen Moment (Monet, Renoir, Degas).
  • Post-Impressionismus: Künstler wie Van Gogh (Expressionismus-Vorläufer), Cézanne (Geometrisierung) und Gauguin (Symbolik) ebneten den Weg für die Kunst des 20. Jahrhunderts.

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