Die Zweite Industrielle Revolution und das Großkapital
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Die Entstehung des Großkapitalismus
Ab 1870 erlebten Europa, die USA und Japan eine starke wirtschaftliche Entwicklung. Diese Epoche wird als die Ära des Großkapitals oder als die zweite Phase der Industriellen Revolution bezeichnet.
Faktoren des industriellen Kapitalismus
Der industrielle Kapitalismus trug maßgeblich zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei. Dies basierte im Wesentlichen auf folgenden Faktoren:
- Neue Finanzierungsquellen: Für den Aufbau und die Modernisierung von Fabriken wurde enorm viel Kapital benötigt. Große Geldsummen wurden durch Bankkredite an Unternehmen sowie durch die Bündelung von Privatkapital beschafft. Dies führte zur Entstehung verschiedener Gesellschaftsformen, insbesondere der Aktiengesellschaft.
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Unternehmenskonzentration: Um den gegenseitigen Wettbewerb einzuschränken, schlossen sich mehrere Unternehmen zusammen. Ziele waren die Vermeidung von Überproduktion, die Festlegung stabiler Preise und die Erschließung neuer Märkte. Dies geschah in zwei Formen:
- Vertikale Konzentration: Unternehmen, die unterschiedliche, aber aufeinander aufbauende Produktionsschritte ausführten, fusionierten, um den gesamten Produktionsprozess zu kontrollieren.
- Horizontale Konzentration: Unternehmen derselben Branche schlossen sich zusammen, um den direkten Wettbewerb auszuschalten. Diese Zusammenschlüsse führten letztendlich zur Bildung von Monopolen.
- Internationalisierung des Marktes: Es kam zu einer starken Zunahme des weltweiten Handels. Die Industriemächte exportierten ihre Fertigwaren, während die übrigen Länder als Rohstofflieferanten dienten. Diese Entwicklung des internationalen Handels wurde durch das Wachstum der industriellen Produktion, den Überfluss an Edelmetallen sowie den Ausbau der Transport- und Kommunikationsmittel wie Dampfschiffe, Eisenbahnen und das Aufkommen der Telegrafie massiv beschleunigt.
- Technischer Fortschritt: Wichtige technische Innovationen wie die Bessemer-Birne verbesserten die Stahlproduktion erheblich. Zudem wurden neue Metalle wie Nickel und Aluminium nutzbar gemacht.
- Neue Energiequellen: Elektrizität und Erdöl ergänzten und ersetzten zunehmend die Kohle. Die Nutzung der Elektrizität wurde maßgeblich durch Thomas Edison (Erfinder der Glühbirne) vorangetrieben, während durch Wasserkraftwerke Strom aus der Kraft des Wassers gewonnen werden konnte. Strom fand vielseitige Anwendung, etwa für die Beleuchtung und im Verkehrswesen. Erdöl gewann massiv an Bedeutung, als es als Kraftstoff für den Transport eingesetzt wurde.
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Neue Industriezweige:
- Die chemische Industrie: Sie bot eine breite Palette neuartiger Produkte.
- Die Elektroindustrie: Sie stellte elektrische Geräte her und verbrauchte dafür große Mengen an Kupfer und Blei.
- Die Lebensmittelindustrie: Neue Konservierungstechniken ermöglichten die Haltbarmachung und Verpackung von Lebensmitteln in Metalldosen.
Die Ausbreitung der Industrialisierung
- Großbritannien: Als Pionier der ersten Phase der Industrialisierung verlor das Land seine Führungsrolle aufgrund veralteter Anlagen und Maschinen sowie mangelnder Investitionen in neue Industriezweige.
- Deutschland: Erlebte eine rasante industrielle Expansion durch den Einsatz neuer Technologien, den Aufbau neuer Industrien (insbesondere der Schwerindustrie), die Förderung der industriellen Konzentration sowie staatliche Unterstützung und eine enge Zusammenarbeit mit Großbanken.
- Andere Länder: Belgien und Frankreich setzten ihre Industrialisierung erfolgreich fort. Auch Russland gelang der Anschluss an die Industrialisierung. Die USA entwickelten sich zur führenden Wirtschaftsmacht (Hegemon) der Welt. Japan schaffte die Industrialisierung durch staatliche Interventionen, den Import von Technologie sowie die Bereitstellung von Kapital und Ressourcen.