Die Zweite Industrielle Revolution und der Imperialismus

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Die zweite Phase der Industriellen Revolution (1870–1914)

Die Industrialisierung der Welt war eine Phase der wirtschaftlichen Führung Großbritanniens, gemeinsam mit Ländern wie Deutschland, den USA und Japan.

1. Neue Energiequellen

Strom und Öl verdrängten die Kohle. Elektrizität fand Anwendung in Industrie, Verkehr, Kommunikation und Beleuchtung. Öl wurde als Kraftstoff für Automobile genutzt. Die chemische Industrie in Deutschland steigerte die Produktion von Chemikalien wie Schwefelsäure, Soda und Dynamit.

2. Neue industrielle Organisation

Die Produktion wurde auf Massenfertigung ausgerichtet. Diese Methode, bekannt als Taylorismus, nutzt Fertigungsketten, bei denen jeder Arbeiter einen spezifischen Teil des Prozesses übernimmt. Geboren in den USA bei Ford Motor, führte dies zu einer Massenproduktion bei geringeren Kosten.

3. Entwicklung des Kapitalismus

Die hohe Konzentration von Industriekapital stimulierte Investitionen. Es entstanden Aktiengesellschaften, in denen das Kapital in Aktien aufgeteilt wurde. Banken wurden zu einer zentralen Institution. Um den Wettbewerb zu verringern, schlossen Unternehmen Monopolabkommen wie Kartelle, Trusts und Holdings.

Die Arbeiterbewegung

1. Erste Arbeiterassoziationen

  • Maschinenstürmer (Anfang 19. Jh.): Widerstand gegen die Mechanisierung aus Angst vor Lohnkürzungen und Arbeitslosigkeit.
  • Gegenseitige Hilfsgesellschaften (Ende 18. Jh.): Wirtschaftliche Unterstützung bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit.
  • Gewerkschaften (1834): Fokus auf Arbeitszeitverkürzung und bessere Bezahlung.
  • Chartistenbewegung (1850): Forderung nach politischen Rechten innerhalb des liberalen Systems (allgemeines Wahlrecht).

2. Sozialismus und Anarchismus

Die kapitalistische Gesellschaft spaltete sich in zwei Klassen: Bourgeoisie und Proletariat. Sozialisten strebten eine Gesellschaft freier und gleicher Individuen an.

3. Anarchismus

Denker wie Proudhon, Bakunin und Kropotkin vertraten drei Grundprinzipien: Verteidigung der individuellen Freiheit, kollektives Eigentum und die Ablehnung staatlicher Autorität. Sie befürworteten den direkten Kampf gegen den Staat. Marxisten und Anarchisten kämpften gemeinsam gegen den Kapitalismus. 1889 wurde in Paris die Zweite Internationale gegründet.

Der Imperialismus

1. Konzept

Zwischen 1870 und 1914 expandierten Mächte wie Großbritannien, Frankreich, Belgien und die Niederlande. Imperialismus bezeichnet die Aufteilung der Welt unter den Großmächten.

2. Ursachen

  • Wirtschaft: Bedarf an neuen Märkten aufgrund steigender Produktion.
  • Demografie: Trotz Wirtschaftswachstums konnte die Bevölkerung nicht vollständig beschäftigt werden; soziale Konflikte führten zur Auswanderung in Kolonien.
  • Sozialdarwinismus: Der Glaube an die kulturelle und technologische Überlegenheit Europas führte zu einer „zivilisatorischen Mission“ und Rassismus.

3. Eroberung und Organisation

Kolonien dienten primär der wirtschaftlichen Ausbeutung. Während einige Gebiete direkt verwaltet wurden, erhielten andere eine parallele Regierung, wobei die Metropole Verteidigung und Außenpolitik kontrollierte (z. B. britisches Protektorat in Ägypten).

4. Die Aufteilung

Ab 1870 begann der „Scramble for Africa“. Briten und Franzosen schufen zusammenhängende Gebiete, während König Leopold II. den Kongo besetzte.

5. Konsequenzen

Europäische Infrastruktur (Häfen, Schienen, Brücken) wurde errichtet, doch die Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung verschlechterten sich. Es kam zu einer kulturellen Akkulturation.

Der Erste Weltkrieg (1914–1918)

1. Ursachen

Rivalitäten zwischen Kolonialmächten, Nationalismus und das Wettrüsten führten zu einem System militärischer Allianzen: Der Dreibund (Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien) gegen die Triple Entente (Russland, Großbritannien, Frankreich). Der Auslöser war das Attentat auf den österreichischen Thronfolger am 28. Juni 1914.

2. Organisation des Friedens

Die Friedenskonferenz von Paris (1919) legte Deutschland die alleinige Kriegsschuld auf. Die europäische Landkarte wurde neu gezeichnet: Das Russische Reich verlor Gebiete, die österreichisch-ungarische Monarchie zerfiel in Staaten wie die Tschechoslowakei, Ungarn und Österreich. Der Völkerbund wurde gegründet, um den Frieden zu garantieren, verfügte jedoch über keine effektiven Durchsetzungsmittel.

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