Industrielle Revolution in Spanien: Textil und Bergbau
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Die Entwicklung der Textilindustrie in Katalonien
In der Mitte des 18. Jahrhunderts bestand in Katalonien noch keine nennenswerte Produktion. Die Herstellung von indischen Druckstoffen (Baumwolldrucke) und das Einfuhrverbot von 1860 stimulierten die Baumwollspinnerei und förderten die Ausbreitung der modernen Textilindustrie. Um 1830 begann der Bearbeitungsprozess durch die Installation von Spinnmaschinen aus Großbritannien, und im Jahr 1833 wurde die erste Dampfmaschine (Vapor) in Betrieb genommen. Die Mechanisierung der Fabriken entwickelte bis 1860 eine große Dynamik.
Da Katalonien zwischen 1830 und 1860 keine eigene Kohle besaß und diese aus Asturien oder Wales importieren musste, was die Produktionskosten erhöhte, siedelten sich viele Branchen im maritimen Hafen von Barcelona oder in dessen Nähe an, wo die Rohstoffe eintrafen. Nach 1860 wurden viele Industrien an den Ufern von Flüssen gegründet, um die Wasserkraft als Ersatz für Kohle zu nutzen (Industriekolonien).
Der Bergbau und die mineralischen Ressourcen
Spanien verfügte über reiche Mineralvorkommen. Eine massive Ausbeutung der Minen begann nach der Gesetzgebung von 1868. Besonders hervorzuheben sind die Lagerstätten von:
- Blei: Linares und La Carolina
- Kupfer: Rio Tinto (eine der weltweit führenden Minen)
- Quecksilber: Almadén
- Zink: Reocín
Um Mittel zur Verringerung der Staatsschulden (Hacienda) aufzubringen, wurde die Ausbeutung der Lagerstätten vielen französischen und englischen Unternehmen gewährt. Die Rohstoffe wurden nach Europa exportiert. Die zwei wichtigsten Ressourcen waren Kohle und Eisen. Wichtige Kohlevorkommen befanden sich in Asturien, wobei die Qualität geringer war als die der Kohle aus Wales. Die bedeutendsten Eisenminen lagen in Vizcaya.
Die neuen herrschenden Klassen
Der Landadel und das Bürgertum
Der Landadel hatte seine herrschaftlichen Rechte verloren, behielt jedoch den Grundbesitz und spielte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Bestimmte Adelsfamilien, die nicht an den neuen wirtschaftlichen Aktivitäten teilnahmen, ruinierten sich und mussten ihr Erbe verkaufen.
Das Großbürgertum verband seine soziale Dominanz mit dem Besitz der neuen Industrien, großen Handelsgesellschaften und Banken. Sie wurden auch zu Grundbesitzern, indem sie Ländereien erwarben, die durch die Säkularisation (Beschlagnahmung) verkauft wurden. Die mittlere Bourgeoisie oder Mittelklasse war eher schwach ausgeprägt und bestand aus kleinen Industriellen und Kaufleuten.
Das Industrieproletariat und die Lebensbedingungen
Durch das positive Wachstum der Branche wanderten viele Bauern in die Städte, um in den neuen Industrien Arbeit zu suchen. Zusammen mit ehemaligen Handwerkern bildeten sie das Industrieproletariat. Die Lebensbedingungen der arbeitenden Klassen waren prekär:
- Arbeitstage von 12 bis 14 Stunden.
- Niedrige Löhne, die kaum für Nahrung reichten.
- Kein Sicherheitssystem bei Krankheit oder Unfall.
- Unsichere, kleine und schlecht belüftete Wohngebäude.
- Fehlende Infrastruktur in den Vierteln (keine Beleuchtung oder Kanalisation).
- Leichte Ausbreitung von Infektionskrankheiten.
- Eine durchschnittliche Lebenserwartung von nur etwa 20 Jahren.
Anarchismus und Sozialismus in Spanien
Die anarchistische Bewegung
Der Anarchismus war tief verwurzelt unter den Arbeitern Kataloniens und den andalusischen Bauern am Ende des 19. Jahrhunderts. Er strebte die Bildung autonomer Gruppen an, um die bürgerliche und kapitalistische Gesellschaft anzugreifen. Es kam zu vielen Anschlägen, woraufhin die Gesellschaft in eine Spirale der Gewalt geriet. Angesichts der starken Repression gegen die Arbeiterbewegung radikalisierten sich anarchistische Gruppen. Dies führte 1910 zur Gründung der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT (Confederación Nacional del Trabajo).
Sozialismus und Marxismus
Der Marxismus hatte den größten Einfluss auf das Proletariat und Teile der Mittelklasse in Madrid, Asturien und im Baskenland. 1879 gründete Pablo Iglesias die PSOE und 1888 die Gewerkschaft UGT. Die Sozialisten verteidigten die Teilnahme an Wahlen, um Arbeiter ins Parlament zu bringen und eine für ihre Interessen günstige Gesetzgebung zu fördern. Trotz des allgemeinen Wahlrechts für Männer (1890) wuchs der Einfluss des Sozialismus in Spanien nur langsam. Die PSOE erhielt erst 1910 mit Pablo Iglesias ihren ersten Sitz im Parlament.