Die Industrielle Revolution: Ursachen und Folgen
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1. Bevölkerungswachstum und landwirtschaftliche Expansion
Die industrielle Revolution war das Ergebnis wirtschaftlicher und technologischer Veränderungen, die Mitte des 18. Jahrhunderts in England begannen und die Wirtschaft sowie Gesellschaft grundlegend transformierten.
Die demografische Revolution
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts begann ein Prozess, der als demografische Revolution bekannt ist. Ursachen waren die gesteigerte Nahrungsmittelproduktion sowie Fortschritte in Hygiene und Medizin. Seuchen und Epidemien gingen zurück, was zu einer sinkenden Mortalität und steigenden Geburtenraten führte. Die Lebenserwartung stieg von 38 auf 50 Jahre.
Die landwirtschaftliche Revolution
Die wachsende Bevölkerung erhöhte die Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Dies führte zu zwei wichtigen Neuerungen:
- Privatisierung des Landes: Gesetze beendeten das Feudalsystem und kommunales Eigentum.
- Neue Anbaumethoden: Das Norfolk-System ersetzte Brachflächen durch Futterpflanzen. Zudem begann eine schrittweise Mechanisierung und die Einführung neuer Nutzpflanzen wie Mais und Kartoffeln.
2. Das Zeitalter der Maschine: Dampf und Fabriken
Technologische Innovationen ersetzten manuelle Arbeit durch Maschinen. Jeder Fortschritt steigerte die Produktivität und senkte die Produktionskosten.
Die Dampfmaschine und das Fabriksystem
Die Dampfmaschine von James Watt (1769) wurde zum Symbol der industriellen Revolution. Sie ermöglichte die Abkehr von menschlicher oder tierischer Kraft. Dies führte zum Fabriksystem, in dem Arbeitskräfte und Maschinen konzentriert wurden und eine strikte Arbeitsteilung herrschte.
Textilindustrie, Kohle und Eisen
Großbritannien mechanisierte zuerst die Baumwollindustrie (Spinnerei und Weberei). Innovationen wie der „fliegende Shuttle“ (1733) beschleunigten die Produktion. In der Stahlindustrie ermöglichte die Verwendung von Kokskohle (Darby, 1732) eine effizientere Eisenproduktion, die später durch den Bessemer-Konverter weiter optimiert wurde.
3. Die Revolution im Transportwesen
Die gesteigerte Produktion erforderte effiziente Transportwege.
Eisenbahn und Dampfschiff
Die Lokomotive von Stephenson (1829) revolutionierte den Landtransport, während Dampfschiffe den Seehandel beschleunigten. Dies förderte die Stahlindustrie und ermöglichte den Aufbau nationaler Märkte.
Handelswachstum
Die Industrielle Revolution förderte eine Marktwirtschaft, die auf Verkauf statt auf Selbstversorgung basierte. Während Freihandelstheorien den Austausch zwischen Ländern propagierten, setzten viele Staaten auf Protektionismus.
4. Industrie-Kapitalismus
Der Kapitalismus entwickelte sich als ökonomisches Modell, gestützt durch den Liberalismus.
Liberalismus und Kapitalismus
Adam Smith definierte den wirtschaftlichen Liberalismus durch drei Säulen:
- Das Streben nach Gewinn als Wirtschaftsmotor.
- Der Markt reguliert sich über Preis, Angebot und Nachfrage.
- Der Staat sollte nicht in die Wirtschaft eingreifen (Laissez-faire).
Banking und Finanzen
Banken wurden zu zentralen Institutionen für Kredite und Zahlungsverkehr. Zur Finanzierung großer Unternehmen entstanden Aktiengesellschaften, deren Anteile an der Börse gehandelt wurden.
5. Die zweite Phase der Industrialisierung (1870–1914)
In dieser Phase wurde die britische Vormachtstellung durch Länder wie Deutschland, die USA und Japan herausgefordert.
Neue Energien und Industrien
Kohle und Dampf wurden zunehmend durch Elektrizität und Öl ergänzt. Der Verbrennungsmotor revolutionierte den Verkehr, während die chemische Industrie neue Düngemittel und Pharmazeutika hervorbrachte.
Neue industrielle Organisation
Der Taylorismus führte die Fließbandarbeit ein, um die Produktivität durch hochspezialisierte Aufgaben zu maximieren. Dies förderte die industrielle Konzentration in Form von Trusts, Holdings und Monopolen.
6. Die neue Industriegesellschaft
Die Ständegesellschaft wurde durch eine Klassengesellschaft ersetzt, die auf Reichtum statt auf Geburt basierte.
Bourgeoisie und Proletariat
- Bourgeoisie: Die dominante Klasse der Fabrikbesitzer, Banker und Investoren.
- Arbeiter: Das städtische Proletariat, das unter harten Bedingungen (12–14 Stunden Arbeit, mangelnde Hygiene) lebte.
Arbeiter-Assoziationen
Als Reaktion auf die Ausbeutung entstanden erste Gewerkschaften, die für bessere Arbeitsbedingungen, kürzere Arbeitszeiten und das Verbot von Kinderarbeit kämpften.
7. Marxismus, Sozialismus und Internationalismus
Denker wie Karl Marx und Friedrich Engels kritisierten die Ungleichheiten des Kapitalismus.
Marxismus und Anarchismus
Während der Marxismus die proletarische Revolution und die Eroberung der politischen Macht anstrebte, lehnten Anarchisten jede staatliche Autorität ab. Beide Strömungen versuchten, die Arbeiterklasse international zu vereinen (Erste und Zweite Internationale).
Glossar
- Norfolk-System: Fruchtfolgesystem ohne Brachzeiten.
- Industrielle Revolution: Übergang zur maschinellen Fertigung ab dem 18. Jahrhundert.
- Gesetz von Angebot und Nachfrage: Marktmechanismus zur Preisbildung.
- Wettbewerb: Anreiz zur ständigen technologischen Erneuerung.