Die italienische Renaissance-Malerei: Quattrocento & Cinquecento
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Renaissance-Malerei in Italien
In den italienischen Städten erlebt die Malerei einen enormen Aufschwung und eine stetige Weiterentwicklung. Aufgrund der Vielzahl an Künstlern konzentriert sich dieser Überblick auf die wichtigsten Entwicklungen und Schlüsselfiguren.
2.1. Entwicklung der Malerei im Quattrocento
Das 14. Jahrhundert mit der Figur des Giotto, dem großen Meister des Trecento, ist als Präzedenzfall von grundlegender Bedeutung. Religiöse Themen bleiben zentral, werden nun jedoch oft wie profane Sujets behandelt. Zudem wächst das Interesse an mythologischen Themen, was den Individualismus der Zeit widerspiegelt.
- Komposition: Die Kompositionen sind komplex, wobei das Gefühl der Einheit aller Elemente im Vordergrund steht.
- Licht und Farbe: Das Licht wird mit zunehmender Perfektion eingesetzt, vor allem um Volumen zu erfassen. Es mangelt jedoch oft noch an Zusammenhalt zwischen Farben und Formen. Die Farbe wird nicht als Ergebnis des Lichts gesehen, sondern als farbige Oberfläche, die durch die Linie begrenzt wird. Die Zeichnung bleibt das zentrale Element mit scharfen Konturen.
- Perspektive: Im 15. Jahrhundert sind Maler von der Erfassung der Tiefe besessen. Die Perspektive wird genutzt, um Landschaften und Architekturen darzustellen.
- Schönheitsideal: Es wird nach idealisierter Schönheit gestrebt, besonders deutlich in Aktstudien und der Darstellung menschlicher Gefühle.
A) Fra Angelico
Als Künstler in der Tradition der internationalen Gotik führt er die mittelalterliche Religiosität fort, kleidet sie jedoch in neue Formen. Er nutzt eine nüchterne Perspektive, dekorative architektonische Elemente des klassischen Repertoires sowie eine neue Konzeption von Licht, Anatomie und Volumen.
Die Verkündigung (Museo del Prado u. a.): Dieses Thema zeigt seine Sanftheit und sein ruhiges Temperament. Es herrscht eine Balance in der Landschaft, den Linien und Farben (weiche, bunte Zeichnung) mit deutlichen grafischen Beispielen der Architektur.
F) Piero della Francesca
Ein Meister revolutionärer Werte, der Entwicklungen des nächsten Jahrhunderts vorwegnimmt. Er bildet die Spitze des Quattrocento, indem er wissenschaftliche und geistige Klarheit mit der Schönheit der Form und dem Licht als symbolischem Ausdrucksmittel harmonisiert.
- Fresken der Legende vom Wahren Kreuz (S. Francesco de Arezzo): Ein religiöses Thema voller Dramatik. Er verbindet Proportionen und Perspektive mit venezianischen Farben und Lichteffekten.
- Konstantins Traum (Detail): Hier zeigt sich seine Fähigkeit, Licht auf Kostümen und Formen sowie feine Nuancen auf den Gesichtern darzustellen.
- Die Jungfrau und das Kind mit Heiligen und Federico da Montefeltro: Die Szene spielt in einer klaren, albertinischen Architektur. Auch hier stehen Perspektive und Licht im Fokus.
- Porträt des Federico da Montefeltro: Ein typisches Profilporträt des Quattrocento. Der originelle Landschaftshintergrund verleiht dem Bild Tiefe.
G) Andrea Mantegna
Seine Merkmale sind das archäologische Interesse und die Behandlung von Figuren wie Statuen. Akzentuierte Verkürzungen und eine steinerne Farbigkeit (schwere Stoffe, plastische Figuren) prägen seinen Stil, beeinflusst von Donatello und Andrea del Castagno.
- Christus liegend: Das Hauptthema ist die extreme Verkürzung des Leichnams Christi, die eher wie eine Skulptur als wie Malerei wirkt. Die niedrige Sichtweise verleiht dem Werk Monumentalität.
- Tod der Jungfrau: Eine eingehende Untersuchung der Bildkomposition.
- Altar von San Zeno in Verona: Erzeugt ein Gefühl von realem Raum, indem die gemalte Architektur als Erweiterung der realen Architektur fungiert.
- San Sebastian: Synthetisiert das Bild des antiken Helden mit dem christlichen Märtyrer vor einer Landschaft aus archäologischen Ruinen.
- Oculus im Palazzo Ducale (Mantua): Ein Deckenfresko, das die Architektur durchbricht und den Blick in den Himmel freigibt – ein Vorläufer barocker Bühnenbilder mit starken Verkürzungen.
2.2. Entwicklung der Malerei im Cinquecento
Florenz bleibt ein Zentrum der Kunst, doch viele Künstler zieht es nach Rom, wo das Papsttum zum größten Sponsor wird.
- Farbe und Licht: Die Farbe gewinnt an Bedeutung, während die harte Konturzeichnung an Dominanz verliert. Das Licht und der Schatten (Chiaroscuro) erreichen eine neue Bedeutung, um Volumen und Rundungen zu erzeugen.
- Tiefe: Die Besessenheit von der Perspektive weicht einer natürlicheren, mühelosen Tiefe.
- Landschaften: Diese werden reicher und vielfältiger, oft neblig oder dämmerungsaktiv dargestellt.
- Komposition: Klare, oft dreieckige Kompositionen, in denen Figuren durch Blicke und Gesten interagieren.
A) Leonardo da Vinci
Er verkörpert den Übergang vom Quattrocento zum Cinquecento und gilt als Inbegriff des Renaissance-Menschen. Als Wissenschaftler und Künstler entwickelte er das Sfumato: Er verzichtet auf präzise Konturen und hüllt alles in einen diffusen Nebel, was den Eindruck eines völligen Eintauchens in die Atmosphäre erzeugt.
- Die Madonna in der Felsengrotte: Ein Meisterwerk der dreieckigen Komposition und Lichteffekte. Die Figuren treten aus dem Dunkel hervor, was dem Werk ein Geheimnis verleiht.
- La Gioconda (Mona Lisa): Das weltberühmte Porträt besticht durch das Sfumato, das rätselhafte Lächeln und die Luftperspektive in der fernen Landschaft.
- Das Abendmahl (Mailand): Trotz schlechten Erhaltungszustands zeigt dieses Werk eine meisterhafte Balance von Gruppen, die verschiedene Emotionen ausdrücken, während Christus in der Mitte still bleibt.
C) Michelangelo Buonarroti
Im Grunde ein Bildhauer, behalten seine gemalten Figuren stets eine skulpturale Plastizität und die Bedeutung der Zeichnung bei. Er übte großen Einfluss auf den Manierismus aus.
- Gewölbe der Sixtinischen Kapelle: Neun Geschichten der Genesis, flankiert von Ignudi, Propheten und Sibyllen. Seine Figuren sind voller Dynamik und „terribilità“ (großer, schrecklicher Ausdruck). Besonders hervorzuheben ist die Erschaffung Adams.
- Das Jüngste Gericht: Spiegelt eine dunkle, pessimistische Vision wider. Der nackte Gott der Gerechtigkeit bestraft die Verdammten in einer bewegten, kolossalen Menschenflut. Die Angst und Dynamik dieses Werkes bilden die Wurzeln des Manierismus.