Jean Piagets 3 Stufen der moralischen Entwicklung
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Jean Piagets Modell der moralischen Entwicklung
Jean Piaget studierte die moralische Entwicklung durch die Beobachtung des moralischen Verhaltens von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter. Er betonte, dass diese Entwicklung nicht nur durch die Persönlichkeit, individuelle oder kulturelle Einflüsse beeinflusst wird, sondern maßgeblich auch durch die geistige Entwicklung. Die emotionale Entwicklung ist ebenfalls ein Faktor, der die Art und Weise dieser sehr wichtigen moralischen Entwicklung beeinflusst. Es gibt 3 Stufen, die dem Maß entsprechen, in dem die intellektuellen Fähigkeiten entwickelt sind.
Stufe 1: Moralische Verpflichtung (Heteronome Moral)
- 1) Die Vorschriften haben ihren Ursprung in der Autorität der Erwachsenen. Piaget sprach vom "moralischen Realismus", weil Standards als feststehende Dinge gelten – als eine tatsächliche und objektive Tatsache, die unabhängig von uns existiert, bevor wir ein Bewusstsein dafür haben. Sie sind heilig und unantastbar, sodass man sie nicht ändern, hinterfragen oder bestreiten kann.
- 2) Regeln werden im wahrsten Sinne des Wortes angewendet, starr und unflexibel. Keine Ausnahmen oder Interpretationen der Regel sind erlaubt. Jede Verletzung muss schwer bestraft werden. Das Kind hat noch keine Fähigkeit, abstrakte allgemeine Regeln zu erfassen. Diese Phase ist durch Egozentrismus gekennzeichnet, der verhindert, die Sichtweise des anderen einzunehmen.
- 3) Die Regeln müssen erfüllt werden, um den Willen derer, die die Autorität innehaben, zum Ausdruck zu bringen.
- 4) Das Ergebnis ist ein blinder Gehorsam und einseitiger Respekt des Kindes gegenüber dem Erwachsenen – des Schwachen vor dem Starken.
- 5) Es handelt sich um eine ganz heteronome Moral, weil das Individuum die Regeln von Erwachsenen auferlegt bekommt.
Stufe 2: Moralische Solidarität unter Gleichen
- 1) Das Kind beginnt, an den "Spielregeln" mit seinen Freunden im gleichen Alter teilzunehmen. Der moralische Realismus schwindet, wenn erkannt wird, dass die Regeln das Ergebnis gegenseitigen Einvernehmens sind. Sie haben eine konventionelle Quelle. Daher kann unterstützt werden, dass sie sich ändern.
- 2) Die Vorschriften sind formalistisch und egalitär; sie akzeptieren noch keine besonderen Umstände.
- 3) Die Einhaltung der Gruppe tritt an die Stelle des Respekts für Erwachsene durch die Gefährten. Man erwirbt gegenseitigen Respekt durch Reversibilität; man verlässt den Egozentrismus und findet zur Gegenseitigkeit.
- 4) Es entstehen Gefühle der Ehrlichkeit, Kooperation und Gerechtigkeit.
- 5) Abgeleitet aus Konsens und Peer-Konventionen, nimmt die Moral ein gewisses Maß an Autonomie an.
Stufe 3: Moralische Gleichheit (Autonome Moral)
- 1) Der Jugendliche ist in der Lage, seine eigenen moralischen Grundsätze zu formulieren. Der Ursprung liegt in seiner eigenen Vernunft.
- 2) Die Starrheit in der Anwendung der Vorschriften verschwindet. Die Moral ist nicht mehr so formalistisch und egalitär. Es gibt individuelle Ausnahmen von der Regel sowie flexible Interpretationen.
- 3) Die anerkannten Standards werden eingehalten und auf eine persönliche Art und Weise umgesetzt.
- 4) Es gibt moralische Gefühle wie Mitgefühl oder Altruismus, die nicht nur die Möglichkeit beinhalten, sich an die Stelle des anderen zu versetzen, sondern auch lehren, die besonderen Umstände des Einzelfalls zu prüfen.
- 5) Das Individuum unterliegt den eigenen Vorschriften, sodass wir uns in einer autonomen Moral befinden.