Joan Oliver: Theater, Kritik und das Werk 'Allò que tal vegada s'esdevingué'
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Die Entwicklung des katalanischen Theaters
In Frankreich entstand eine Formel für das dramatische Theater, die als "pièce bien faite" bekannt ist. Dieser Mechanismus dient nicht nur der Unterhaltung, sondern festigt auch die bürgerliche Ideologie durch eine präzise Dramaturgie und den gezielten Einsatz von "Gegeneffekten".
Gattungen und Strömungen
- Frivoles Theater: Inspiriert vom französischen "Magazin", thematisiert es die Laster der Gesellschaft durch Sketche und Einakter.
- Kritisches oder revolutionäres Theater: Eine Strömung, die sich deutlich gegen die gesellschaftlichen Funktionsmechanismen stellt.
Joan Oliver: Leben und Werk
Joan Oliver (bekannt als Pere Quart, geb. 1899 in Sabadell) stammte aus dem gehobenen Bürgertum. Sein Werk ist geprägt von einer moralischen und ethischen Verpflichtung gegenüber seiner Gesellschaft und seinem Land.
Merkmale seines Theaters
- Produktionsschwierigkeiten: Das katalanische Theater litt unter mangelnder Tradition und Kontinuität, was sich durch den Bürgerkrieg und die anschließende Unterdrückung verschärfte.
- Geist der Revolte: Oliver nutzte die Form der bürgerlichen Komödie, um sie von innen heraus zu parodieren und scharf zu kritisieren.
- Sprachstil: Er distanzierte sich vom rhetorischen Modell des Noucentisme und wählte eine natürliche, flexible Sprache, die umgangssprachliche und teils vulgäre Elemente integriert.
Phasen des Schaffens
1. Etappe (1928–1936)
Oliver nutzt die Technik der bürgerlichen Komödie, um ein realistisches und kritisches Bild der Gesellschaft zu zeichnen. Die Charaktere sind oft schematisch und negativ gezeichnet. Ein bekanntes Werk dieser Zeit ist "La fam" (1938).
2. Etappe (Nachkriegszeit)
Eine harte Zeit für das katalanische Theater durch Verbote und Exil. Erst ab den 60er Jahren öffnete sich das Theater wieder europäischen Trends, was zu weniger schematischen und optimistischeren Werken führte.
Analyse: "Allò que tal vegada s'esdevingué"
Dieses Stück (uraufgeführt 1936, zweite Version 1977) ist eine Komödie in einem Akt, die den biblischen Mythos der Genesis neu interpretiert.
Charaktere
- Kain: Ein junger Rebell, der das Diktat nicht akzeptiert.
- Cherub: Der Engel, der das Verbot Gottes hinterfragt.
- Eva: Eine fleißige und zärtliche Frau.
- Adam: Ein egoistischer, schwacher Charakter, der in der Vergangenheit lebt.
- Nara: Repräsentiert das Weibliche als Zentrum der Rivalität.
- Abel: Neidisch, feige und ohne eigene Phantasie.
Zentrale Themen
- Autoritarismus: Verkörpert durch die väterliche und göttliche Autorität Adams.
- Biblischer Mythos: Oliver bricht mit seiner katholischen Erziehung und nutzt die Symbolik der Genesis, um familiäre und bürgerliche Strukturen hart zu kritisieren.