Joanot Martorell und das Epos Tirant lo Blanc
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Das Leben und Erbe von Joanot Martorell
Joanot Martorell (Eisner) starb im Jahr 1468. Da das Manuskript von Tirant lo Blanc zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nicht fertiggestellt war, ging der Roman in die Hände von Martí Joan de Galba über. Es scheint, dass die Überarbeitung durch ihn abgeschlossen wurde. Martí Joan de Galba war ein Freund von Joanot Martorell und gab dem Werk möglicherweise den letzten Schliff. Er musste es eventuell veröffentlichen oder verkaufen, da die wirtschaftliche Lage des ruinierten edlen Ritters Martorell keineswegs gut war.
Joanot Martorell wurde in Gandia als Sohn einer Adelsfamilie aus der Mitte Valencias geboren. Als höfischer Ritter ausgebildet, las er ausführlich, während er gleichzeitig das Kämpfen lernte. Er strebte danach, ein perfekter Gentleman zu sein, obwohl die Zeit der Ritter längst in eine tiefe Krise geraten war. Als sein Vater starb und er die Verantwortung für die Familie übernahm, hatte er viele Probleme mit seinem Cousin. Es schien, als hätte dieser seine Schwester entehrt, woraufhin Martorell wollte, dass er sie heiratet.
Ehre, Duelle und der Aufenthalt in England
Als der große Herr, der er zu sein glaubte, wollte er die Ehre seiner Schwester um jeden Preis verteidigen. Er reiste sogar nach England, um König Heinrich VI. von Lancaster zu bitten, dem Zweikampf zwischen ihm und seinem Vetter vorzusitzen. Doch sein Vetter reiste niemals nach England, obwohl Martorell ein ganzes Jahr lang wartete. In dieser Zeit kam er intensiv mit der englischen Literatur in Kontakt. Schließlich wurden seinem Vetter 4000 Goldgulden aus Damiata als Entschädigung gezahlt, und der Fall wurde abgeschlossen. Martorell heiratete nie, hatte keine Kinder und starb scheinbar verarmt. Dies markierte den Niedergang des Adels vor dem Aufstieg der neuen sozialen Klasse: der Bourgeoisie.
Tirant lo Blanc: Ein Meilenstein der Literatur
Tirant lo Blanc gilt als ein perfektes Modell des gesamten Romans. Joanot Martorell zeichnet sich besonders durch die detaillierte Beschreibung von Schlachten, Kriegen und sozialen Gewohnheiten aus. Das Werk ist deutlich von den neuen italienischen Strömungen jener Zeit beeinflusst; so findet sich dort auch ein lateinischer Brief von Petrarca, der ins Katalanische übersetzt wurde.
Merkmale des Helden und der Erzählweise
- Realismus statt Magie: Der Ritter Tirant ist stets der Beste, und das ganz ohne die Hilfe von Magie.
- Strategisches Geschick: Er glänzt vor allem dank seiner Vorstellungen als guter Stratege.
- Erschütternde Rohheit: Die Schlachten sind von einem überwältigenden Realismus geprägt, ohne große Übertreibung, dafür aber mit einer erschütternden Rohheit.
Tirant ist zudem ein großer Liebhaber. Es gibt verschiedene Liebesgeschichten im Roman, die jedoch weit über bloße Bündnisse und Vasalleneide der Liebe hinausgehen. Die Charaktere werden uns sehr menschlich und ehrlich im Umgang miteinander gezeigt. In dieser Dimension fehlen weder Eifersucht noch Leid. Kein Leser wird den ironischen Ton übersehen, mit dem Martorell emotionale Themen behandelt. Wenn es manchmal gut genug läuft, geht plötzlich alles schief, und der Autor stellt die Figuren in den Augen des Lesers oft lächerlich dar.