John Lockes Philosophie: Erkenntnistheorie und Liberalismus
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John Lockes Philosophie: Erkenntnis und Politik
Lockes Denken erwächst aus seiner Sorge um ethische und politische Fragen, denen er eine wissenschaftliche Behandlung unterzog. Dieses Projekt erfordert jedoch, die Möglichkeiten unseres Wissens zu begrenzen. So finden wir bei Locke sowohl eine Theorie des Wissens als auch eine politische Theorie.
Empirismus: Die Theorie des Wissens
Im Gegensatz zu den Behauptungen der Rationalisten vertritt Locke die Ansicht, dass die Vernunft weder allmächtig noch unfehlbar ist. Sie strebt lediglich nach einem auf Wahrscheinlichkeiten basierenden Wissen und dient als Leitfaden allen Wissens. Es gibt keine angeborenen Ideen; der Geist wird als Tabula rasa geboren, da alle Vorstellungen aus der Erfahrung stammen.
Ursprung und Arten von Ideen
Um ihren Ursprung zu bestimmen, ist es notwendig, die psychologischen Mechanismen der Assoziation und Kombination von Ideen zu studieren. Eine Idee ist das, was wir durch äußere Erfahrung (Sensation) oder innere Erfahrung (Reflexion) wahrnehmen; sie ist ein Bild oder Abbild der Realität.
- Einfache Ideen: Diese werden passiv empfangen und können nicht in andere Ideen zerlegt werden. Sie stammen aus Sensation, Reflexion oder beidem zugleich.
- Komplexe Ideen: Diese werden vom Geist aktiv aus einfachen Ideen durch Zuordnung oder Kombination hergestellt.
Kategorien komplexer Ideen
Hierzu zählen:
- Substanzen: Besondere Dinge, die eine Existenz in sich selbst haben. Wir wissen zwar nicht, was die Substanz im Kern ist, nehmen aber ihre Existenz wahr.
- Modi: Manifestationen der Substanz.
- Beziehungen: Das Nebeneinander von Ideen, die es uns ermöglichen, die Welt als ein organisiertes Ganzes wahrzunehmen.
Sprache und Abstraktion
Nach der Analyse der Ideen folgt das Studium der Sprache, um Ideen in Worte zu fassen. Der Geist bildet Abstraktionen, um allgemeine Ideen zu formen, die durch ein allgemeines Wort dargestellt werden. So beziehen wir uns auf Gattungen und Arten. In der Realität existieren jedoch nur Einzeldinge, keine Allgemeinheiten.
Politische Theorie und Liberalismus
Nachdem Locke die Grenzen des Wissens etabliert hat, entwirft er seine politische Theorie, die auf dem Paradigma des Liberalismus basiert. Im Naturzustand gibt es ein natürliches Gesetz, das die menschlichen Beziehungen regelt. Demnach sind alle Menschen gleich und frei und haben das Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum. Dieses Recht wird jedoch durch das gleiche Recht der anderen beschränkt.
Der Gesellschaftsvertrag
Um gegenseitigen Respekt sicherzustellen, ist eine Organisation notwendig. Dies bedeutet nicht, dass man das Naturrecht durch Bestrafung verletzen darf. Menschen schließen sich in einer Partnerschaft durch eine Vereinbarung (Gesellschaftsvertrag) zusammen, um Krieg zu verhindern und ihre natürlichen Rechte friedlich zu garantieren. In dieser Gesellschaft ist Freiheit die Macht, die im gegenseitigen Einvernehmen ausgeübt wird.
Gewaltenteilung und Zivilmacht
Die Zivilmacht darf weder absolut noch willkürlich sein. Daher muss zwischen der Legislative (eine Versammlung, die Gesetze für alle gleich erlässt) und der Exekutive (die dem Recht untersteht und auch die föderative Gewalt für Außenbeziehungen umfasst) unterschieden werden. Lockes politischer Liberalismus begrenzt die Macht der Monarchie und legitimiert die Trennung zwischen König und Parlament. Das Volk muss der Richter über die Herrscher sein.
Verhältnis von Staat, Kirche und Moral
Der Staat muss sich mit zivilen Belangen (Leben, Freiheit, Eigentum) befassen, nicht aber mit dem Heil der Seele. Die zivile Macht darf sich nicht in religiöse Angelegenheiten einmischen, ebenso wenig darf die Kirche in Zivilsachen eingreifen oder Gewalt anwenden. Im Rahmen der Koexistenz schlägt Locke eine Moral vor, die nicht auf angeborenen Prinzipien basiert. Gut und Böse definieren sich über moralische Lust (Belohnung) oder Schmerz (Strafe) infolge der Einhaltung oder Verletzung von Gesetzen.
Die drei Ebenen der Gesetze
- Göttliches Gesetz: Bestimmt, was Sünde und was Pflicht ist.
- Bürgerliches Gesetz: Bestimmt Verbrechen und Unschuld.
- Gesetz der Meinung: Begründet in Land und Gemeinde, definiert es Laster oder Tugend.
Lockes Theorie des Naturrechts bildet das Fundament für die modernen Menschenrechte.