Jorge Manrique und La Celestina: Literarische Analyse
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Jorge Manrique: Verse über den Tod seines Vaters
Dieses Werk besteht aus 40 Strophen. Jeder Vers enthält zwei Pies Quebrados (Sechszeiler).
Struktur des Werkes
- Strophen I–XIV: Jorge Manrique führt allgemeine Betrachtungen über Leben und Tod an: die Vergänglichkeit des Lebens, die Inkonsequenz des Alltäglichen und die ausgleichende Macht des Todes. Durch Metaphern und Allegorien der christlichen Vision bereitet er auf die Ankunft des Todes vor. Er stellt das Leben als einen Weg dar, auf dem der Mensch sich auf ein besseres Leben nach dem Tode vorbereitet.
- Verse XV–XXIV: Diese Verse zeigen, dass Reichtum und Macht nicht von Vorteil sind, wenn der Tod eintritt. Er erinnert daran, dass in einigen Fällen nach dem Tode nicht einmal eine Erinnerung bleibt.
- Strophen XXV–XL: Er erinnert an das vorbildliche Leben seines Vaters, das ihn des ewigen Lebens würdig macht und gute Erinnerungen bei jenen hinterlässt, die ihn kannten.
La Celestina: Urheberschaft
Fernando de Rojas erklärte im „Brief des Autors an seinen Freund“, den ersten Akt gefunden und beschlossen zu haben, diesen fortzusetzen. So wird angenommen, dass zwei Autoren an dem Werk gearbeitet haben, das unter dem Titel Tragikomödie von Calisto und Melibea bekannt ist. Fernando de Rojas wurde um 1476 in Puebla de Montalbán geboren.
Argument und Handlung
Der junge Calisto verliebt sich in Melibea. Um ihre Gunst zu gewinnen, nimmt er die Dienste einer Kupplerin, Celestina, in Anspruch. Sein Diener Pármeno warnt ihn vor den Gefahren der Heiratsvermittlerin, doch Calisto hört nicht auf ihn. Celestina bietet Pármeno eine Gewinnbeteiligung am Geschäft an, woraufhin dieser nachgibt. Dank Celestinas List wird Melibea verführt und verliebt sich in Calisto. Die Diener fordern ihren Anteil von der Vermittlerin, doch als diese sich weigert, wird sie von den Bediensteten getötet, die später hingerichtet werden. Bei einem ihrer nächtlichen Rendezvous stirbt Calisto beim Versuch, die Gartenmauer von Melibea mittels einer Leiter zu überwinden. Melibea erträgt dies nicht und stürzt sich von einem Turm.
Themen des Werkes
Die grundlegende Frage ist die Vermittler-Liebe. Das Werk ist in zwei Welten geteilt: die der Diener und die der Herren. Beide sind durch das Ziel der Liebe und der sexuellen Lust verbunden, was zur Tragödie führt. Die Beziehungen der Diener zu Calisto sind von wirtschaftlichem Interesse und Gier geprägt, was letztlich zum Tod führt. Auch sexuelle Motive sowie die Untreue der Untergebenen sind zentrale Themen.
Genre-Einordnung
Rojas betrachtete sein Werk zunächst als Drama und später als Tragikomödie. Seit dem späten 18. Jahrhundert wurde es aufgrund der Textlänge, der Freiheit in der Konzeption von Raum und Zeit sowie der Rohheit einiger Szenen oft als Dialogroman betrachtet. Heute spricht man eher von einer humanistischen Komödie oder einem Drama, das für ein kleines Publikum zum Vorlesen gedacht war.
Raum und Zeit
Die Handlung entwickelt sich in einem städtischen Raum, wobei häufig konkrete Orte referenziert werden. Szenenwechsel werden durch die Charaktere in ihren Dialogen angegeben. Trotz offensichtlicher zeitlicher Widersprüche lässt sich Folgendes ableiten:
- Akt I–XV: Findet innerhalb von drei Tagen statt.
- Zeitraffer: Ein Monat vergeht zwischen den Akten.
- Akt XVI–XXI: Ein Tag und ein Teil des nächsten.
Charaktere
- Calisto: Unsicher, ungeduldig und egoistisch.
- Melibea: Erlebt einen inneren Konflikt und entwickelt sich im Laufe des Stücks. Sie zeigt sich als moderne Frau, die fähig ist, ihre Gefühle und Klagen auszudrücken.
- Sempronio und Pármeno: Gierig und feige; sie handeln aus sexuellem und wirtschaftlichem Interesse.
- Celestina: Gierig, praktiziert Hexerei, ist listig und kennt die menschlichen Leidenschaften.
- Elicia und Areusa: Werkzeuge Celestinas, die Groll gegen die oberen Klassen hegen.
- Melibeas Eltern: Naiv; der Vater zeigt sich am Ende als menschlich und zärtlich.