Juan Rulfo: Mexiko der 40er Jahre und El Llano en llamas

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Mexiko in den 40er und 50er Jahren

In den 1940er und 1950er Jahren zeigte Mexiko nach der Revolution deutliche Zeichen der Entwicklung. Während die Bevölkerung und die Produktion wuchsen, blieb die Situation auf dem Land schwierig. Da die Landreform verzögert wurde, erhöhte sich die Marginalisierung der Besitzlosen. Es existierte faktisch eine einzige herrschende Partei: die Partido Revolucionario Institucional (PRI). Mexikanische Intellektuelle nahmen zwei gegensätzliche Positionen zu dieser Situation ein: Die einen sahen die Revolution als eine abgeschlossene Phase an, die notwendige Veränderungen hervorgebracht hatte. Die anderen argumentierten, dass die Revolution keine positiven Ergebnisse erzielt habe, Ziele nicht erfüllt worden seien oder die Ideale sogar verraten wurden. Kunst wurde in dieser Zeit als ein Weg konzipiert, um Kritik zum Ausdruck zu bringen.

Die Erzählweise von Juan Rulfo

Juan Rulfos Erzählungen sind geprägt vom Ausdruck der Realität des mexikanischen Menschen und seinem konkreten, existenziellen Drama als Produkt der Geschichte. Er schuf eine Geschichte der Ereignisse der Revolution, jedoch keine Literatur panfletaria (Pamphlet-Literatur). Er erzählt nicht einfach „die Revolution“, sondern zeigt spezifisch, dass die mexikanischen Männer das Ergebnis dieses historischen Moments und ihres Landes sind. Seine Charaktere sind Campesinos, einfache Leute, die wie gewöhnliche Mexikaner sprechen – unter Verwendung von Mexicanismos, Slang und einem kolloquialen Register –, aber dennoch die tiefen Gefühle eines jeden Menschen jener Zeit widerspiegeln.

Analyse: Der brennende Schuppen (El Llano en llamas)

Die Erzählungen in diesem Band sind durch thematische Überschneidungen miteinander verbunden:

  • A) Das menschliche Unvermögen, einem vorherbestimmten Schicksal zu entgehen.
  • B) Ein tiefes Bewusstsein für Schuld.
  • C) Die Angst, verurteilt zu sein.
  • D) Ein Dasein ohne klaren Sinn.

Die Figuren klagen nicht; sie akzeptieren ihr Los, sind zerbrechliche und moralische Wesen, die in der Spannung zwischen Verzweiflung und Hoffnung leben. Für Rulfo liegt das Wesen des Menschen in Amerika in dieser Isolation; der Mensch kommuniziert nicht mit anderen. Die Protagonisten dieser Erzählungen handeln nicht primär, sondern sie erinnern sich. Das Ziel ist es, die Subjektivität des Charakters und seine eigene Existenz zu zeigen. Hierfür nutzt Rulfo Ich-Erzähler, die in Monologen oder mit stillen Gesellschaftern sprechen. Die Erinnerung ist die Manier, das Leben wieder aufzubauen, jedoch fragmentiert und ungeordnet, sodass die Geschichten nicht einer streng chronologischen Ordnung folgen.

Raum und Zeit im Werk Rulfos

In Rulfos Werk gibt es keine klare Differenzierung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, und Hinweise auf die Zukunft existieren nicht. Die Zeit ist kreisförmig: Was geschieht, ist identisch mit dem, was bereits geschah oder allgemein geschehen wird. Auch der Raum wird meist diffus präsentiert; es ist zweitrangig, wo sich der Charakter befindet. Daher dient der Raum nicht als bloßer Rahmen, sondern als Symbol des monotonen, repetitiven Geschehens. Zudem bleibt der Charakter selbst in seiner äußeren Erscheinung unscharf und wird kaum beschrieben. Diese Unbestimmtheit von Zeit, Raum und Aussehen verstärkt die Vision einer sinnlosen Realität.

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