Kants Erkenntnistheorie: Die Kritik der reinen Vernunft

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Annäherung an das Problem der Erkenntnis

Im vorkritischen Rationalismus von Kant ist der Gegenstand des Wissens das gedachte Objekt selbst. Damals wurde die Korrespondenz von Wissen und Wirklichkeit dogmatisch behauptet. Nach dem Empirismus hingegen sind Ideen die Beiträge des Objekts. Diese unterschiedlichen Standpunkte warfen die Frage nach der Gültigkeit der Wissenschaft auf. In beiden Positionen bleibt die Wissenschaft problematisch.

Die menschliche Vernunft wird durch Fragen geplagt, die sie nicht ignorieren kann, für deren Beantwortung sie jedoch selbst nicht ausreicht. Diese Fragen werden von der Metaphysik aufgeworfen. In seinen frühen Jahren war Kant ein Rationalist, wurde aber durch David Hume aus seinem „dogmatischen Schlummer“ geweckt und erkannte die Bedeutung der Erfahrung an.

Die Bedingungen der Erkenntnis

Kant unterscheidet zwischen zwei Arten von Bedingungen der Erkenntnis:

  • Empirische Bedingungen: Die Materie des Wissens, die auf Erfahrung basiert.
  • Formale Bedingungen: Die Daten, die der Erfahrung hinzugefügt werden (a priori).

Kant stellt die Frage: Ist Metaphysik eine Wissenschaft? Wir wissen, dass wissenschaftliche Erkenntnis fortschreitet, indem sie auf dem aufbaut, was andere zuvor getan haben, und dass ein Konsens unter Wissenschaftlern herrscht. Wenn die Metaphysik eine Wissenschaft sein will, müsste sie wie die Logik oder die Mathematik aufgebaut sein. Mathematik und andere Wissenschaften wurden zu dem, was sie sind, durch einen plötzlichen Umschwung.

Die kopernikanische Wende

Kant beschreibt diese Revolution als eine Änderung der Methode, die er als die kopernikanische Wende bezeichnet. Sie lautet wie folgt: „Wir erkennen a priori von den Dingen nur das, was wir selbst in sie hineingelegt haben.“ Daraus folgt der Schluss: Wir wissen nicht, was die Dinge an sich sind.

Theorie der Urteile

Wissenschaft besteht aus Urteilen, die wie folgt zusammengefasst werden können:

  • Analytische Urteile: Universal und notwendig, aber sie erweitern das Wissen nicht.
  • Synthetische Urteile: Das Prädikat ist nicht im Begriff des Subjekts enthalten; sie erweitern unser Wissen.

Diese können wiederum zwei Arten sein: A-priori-Urteile, deren Wahrheit unabhängig von der Erfahrung bekannt ist, und A-posteriori-Urteile (retrospektiv), deren Wahrheit durch Erfahrung bekannt wird. Kant argumentiert, dass nur synthetische Urteile a priori die Wissenschaft voranbringen können. Hier wendet Kant seine Lehre auf die kognitiven Fähigkeiten des Menschen an: Sinnlichkeit, Verstand und Vernunft.

Phänomen und Noumenon

Kant unterteilt die Welt in:

  • Das Phänomen: Die experimentell gegebene Erscheinung, das, was uns erscheint.
  • Das Noumenon: Das Ding an sich, welches nicht erkennbar ist.

Die Bedingungen für Wissen sind sowohl empirisch (tatsächlich vorhanden) als auch transzendental (a priori).

Transzendentale Ästhetik

Dies ist die Untersuchung des ersten Erkenntnisvermögens: Die Sinnlichkeit. Es gibt zwei reine Formen der sinnlichen Anschauung als Prinzipien a priori: Raum und Zeit. Kant betrachtet diese aus zwei Blickwinkeln:

  1. Metaphysisch: Raum ist kein empirischer Begriff, sondern eine Vorstellung a priori, auf der unsere äußeren Anschauungen beruhen. Auch die Zeit ist kein empirischer Begriff, sondern die Basis aller Erfahrung.
  2. Transzendental: Mit den A-priori-Formen von Raum und Zeit werden alle Sinneswahrnehmungen formalisiert und in Phänomene umgewandelt.

Transzendentale Analytik

Hier wird das zweite Erkenntnisvermögen untersucht: Der Verstand. Die Welt der Erscheinungen ist die bekannte physische oder objektive Welt. Kant unterscheidet die phänomenale Welt (die erkennbare Wirklichkeit) von der noumenalen Welt (das Transzendente). Da der Akt des Urteilens durch den Verstand geschieht, beweist Kant, dass die Kategorien A-priori-Formen des Verstandes sind. Sie sind reine Konzepte ohne empirischen Inhalt.

Transzendentale Dialektik

In diesem zentralen Teil seines Werkes begegnet Kant der transzendentalen Illusion, die durch die Anwendung subjektiver Prinzipien der reinen Vernunft entsteht. Dies ist das dritte Erkenntnisvermögen. Alles Wissen beginnt bei den Sinnen, geht über den Verstand und endet bei der Vernunft.

Die Vernunft hat zwei Verwendungen: die logische und die reine Verwendung. Durch die Logik minimiert die Vernunft die Vielfalt der Verstandeserkenntnisse. Es gibt drei Arten der Argumentation: kategorisch, hypothetisch und disjunktiv. Daraus produziert die Vernunft drei Arten der Synthese. Doch die Vernunft erreicht nie eine totale Synthese. Die Versuchung der reinen Vernunft besteht darin, Totalsynthesen zu erzeugen, die Kant als Ideen bezeichnet.

Die drei transzendentalen Ideen

Die transzendentalen Ideen werden auf drei Bereiche reduziert:

  • Das Ich (die Seele)
  • Die Welt (das Universum)
  • Gott

Für Kant ist der Mensch zwangsläufig ein metaphysisches Wesen. Die Rolle der Vernunft ist die universelle Synthese von partikularem Wissen. Die Vernunft ist legitim, wenn sie sich auf Elemente der Erfahrung bezieht, aber es ist ein Fehler, eine Synthese jenseits der Erfahrung zu versuchen. Kant zeigte, dass die Metaphysik eine Reihe von Illusionen ist. Er beweist, dass das Konzept der Seele keine wissenschaftliche Erkenntnis sein kann und lehnt den Aufbau einer Metaphysik über das Universum ab (Antinomien).

Fazit: Die Grenzen der Metaphysik

Das Ergebnis der transzendentalen Dialektik ist der Hinweis auf die „Sünde“ der Metaphysik: der Versuch, über die Erfahrung hinaus zu erkennen. Diese drei Synthesen (Seele, Welt, Gott) können nicht erfahren werden und gehören daher zur noumenalen Welt der Dinge an sich. Um ein Objekt zu erkennen, benötigen wir die Sinnlichkeit und deren A-priori-Formen. Da diese Ideen nicht erfahren werden können, können sie nicht wissenschaftlich erkannt werden.

Kant leugnet mit seiner Kritik nicht die Existenz metaphysischer Realitäten, aber er beseitigt das Problem, die Existenz der noumenalen Realität wissenschaftlich beweisen zu wollen. Eine weitere Aktivität des Bewusstseins ist nicht das rationale Wissen, sondern der Glaube. Kant findet einen Weg zu Gott durch andere Bereiche des Bewusstseins und trennt die Gottesfrage von der wissenschaftlichen Diskussion. Es ist keine Frage wissenschaftlicher Beweise, sondern ein Bereich jenseits der Wissenschaft.

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