Kants kopernikanische Wende und die moderne Erkenntnistheorie

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Die kopernikanische Wende in der Philosophie

Kant erklärt die Veränderung, die seine Philosophie der Gestaltung des Wissens darstellt, auf der Grundlage einer Analogie zur Astronomie. In der Astronomie erkannte Kopernikus, dass er die Bewegung der Himmelskörper nicht verstehen konnte, solange er davon ausging, dass die Erde im Zentrum des Universums steht und die Sonne sowie andere Himmelskörper um sie herumwandern. Er erkannte, dass es zum Verständnis der Himmelsobjekte notwendig war, die Beziehung zu ändern, indem er die Sonne in die Mitte rückte und annahm, dass die Erde sich um sie dreht.

In der Philosophie vertrat Kant die Auffassung, dass eine solche Revolution notwendig ist. Die Philosophie vor Kant vermutete, dass das Subjekt beim Erkenntnisvorgang passiv sei; das bekannte Objekt beeinflusse das Subjekt und verursache eine getreue Darstellung der Realität. Mit dieser Erklärung können wir zwar empirische Erkenntnis verstehen, aber nicht die Erkenntnis a priori. Das Außergewöhnliche daran ist, dass wir etwas wissen können, bevor wir es erleben, also bevor es unseren Geist beeinflussen kann.

Kant schlägt vor, die Erfahrung in eine umgekehrte Beziehung zu setzen und zu akzeptieren, dass das kognitive Subjekt aktiv ist. Im Akt der Erkenntnis verändert das Subjekt die bekannte Wirklichkeit. Laut Kant können wir synthetische Erkenntnisse a priori verstehen, wenn wir akzeptieren, dass die Dinge sich nach unserer Art des Wissens richten müssen. Das Subjekt besitzt eine mentale Struktur, die Daten von außerhalb aufnehmen kann. Auf diese Weise vollzog Kant eine radikale Wende im Problem des Wissens – die kopernikanische Wende: Wissen ist nicht die Anpassung des Subjekts an das Objekt, sondern die Anpassung des Objekts an das Subjekt.

Wir können Dinge nicht „an sich“ wissen, sondern nur insoweit, als sie vom Subjekt unter bestimmten Bedingungen a priori erkannt werden. Die Vernunft hat drei Fakultäten:

  • Sinnlichkeit: Die reinen Anschauungen von Raum und Zeit, die uns Erkenntnisse in der Mathematik ermöglichen.
  • Verstand: Kategorien wie die Idee der Kausalität oder Substanz, die uns Erkenntnisse in der Physik ermöglichen.
  • Vernunft: Die Ideen von Gott, der Seele und der Welt.

Rationalismus und Empirismus

Das zentrale Problem der modernen Philosophie ist das Wissen: die Erkenntnis über den Ursprung, das Wesen und die Grenzen des menschlichen Wissens. In diesem Zusammenhang gibt es zwei philosophische Strömungen: den Rationalismus und den Empirismus. Beide sind sich einig, dass die Realität unabhängig vom Subjekt existiert. Was wir jedoch unmittelbar kennen, sind Ideen; Ideen sind die Vermittler zwischen der Realität und unserem Geist. Dennoch unterscheiden sie sich in fast allen Aspekten ihrer jeweiligen Epistemologien.

Der Rationalismus

Er entstand auf dem europäischen Kontinent während des 17. Jahrhunderts. Er ist gekennzeichnet durch das volle Vertrauen in die menschliche Vernunft. Die Vernunft ist die einzige Kraft, die den Menschen zur Wahrheit führen kann. Die Sinne werden unterschätzt, da das sensible Wissen täuschen kann. Die Vernunft ist autonom und in der Lage, aus sich selbst heraus die ersten und grundlegenden Wahrheiten zu finden, von denen alle anderen abgeleitet werden können. Diese frühen angeborenen Ideen werden unmittelbar durch intellektuelle Anschauung erkannt. Rationalisten behaupten, dass Wissen unbegrenzt ist, da die Vernunft unendlich ist; daher betrachten sie die Metaphysik als Wissenschaft. Sie folgen einem deduktiven mathematischen Modell des Lernens, durch das man zu objektivem und universellem Wissen gelangen kann. Dieser Trend begann mit Descartes und seinen drei Substanzen: dem Denken (Ich), dem Unendlichen (Gott) und dem Ausgedehnten (Welt).

Der Empirismus

Er entstand in England während des 17. und 18. Jahrhunderts. Für Empiristen liegen die Macht und die Grenzen des Wissens in der Erfahrung. Sie leugnen die Existenz angeborener Ideen. Der Geist ist wie ein leeres Blatt Papier (Tabula rasa nach Locke), auf dem die Erfahrung Abdrücke hinterlässt. Die Sinne sind die Kanäle, durch die Ideen im Kopf entstehen. Aus diesem Grund glauben sie, dass Wissen begrenzt ist und diese Grenze durch die Erfahrung gesetzt wird. Daraus folgt die Unmöglichkeit der Metaphysik als Wissenschaft. Sie befolgen die Methode der Naturwissenschaften: Beobachtung, Induktion und Analyse von Fakten. Wir können nur wahrscheinliches Wissen gewinnen. Der Vertreter, der den Empirismus bis zur letzten Konsequenz führte, ist Hume.

Der transzendentale Schein

Kant bezeichnet als transzendentalen Schein die Tendenz der menschlichen Vernunft, das Unbedingte zu suchen (Objekte jenseits der Erfahrung). In der Kritik der reinen Vernunft setzt er Grenzen. Die Vernunft hat drei Fakultäten, die jeweils über a priori Elemente verfügen:

  • Sinnlichkeit: Reine Anschauungen von Raum und Zeit.
  • Verstand: Kategorien wie die Idee der Kausalität.
  • Vernunft: Die Ideen von Gott, Seele und Welt.

Erkenntnis beginnt mit den Eindrücken der Sinne. Diese werden in der Sinnlichkeit durch die Anschauungen von Raum und Zeit geordnet und zu sogenannten „Erscheinungen“. Diese werden im Verstand nach Gesetzen geordnet, um Urteile zu bilden. Später vereinheitlicht die Vernunft diese zu Theorien.

Die Tendenz der Vernunft

Die Vernunft ist die Fähigkeit, Argumente zu verknüpfen, indem sie Urteile miteinander verbindet. Es gibt eine Tendenz der Vernunft, stets nach allgemeineren Rahmenbedingungen und letztlich nach dem Unbedingten, dem Ding an sich oder dem Noumenon, zu streben. Dieser Versuch der Vernunft, die gesamte Erfahrung zu gruppieren und unter Umgehung der Reihe der Bedingungen das Unbedingte zu erreichen, führt zur Erzeugung von Ideen: Gott, Seele und Welt. Dies ist eine transzendentale Illusion der Vernunft.

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