Die kastilische Prosa und der Schelmenroman im 16. Jahrhundert
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Item 12: Die Prosa des 16. Jahrhunderts
Während der Renaissance entwickelte sich der Aufstieg der kastilischen Prosa in vier Richtungen:
- Didaktische Prosa: Zielt auf die Verbesserung des Menschen und die Umgestaltung der Gesellschaft ab. Juan de Valdés (1499–1541) betont in seinem Dialog über die Sprache (1535) die sprachlichen Anliegen des Jahrhunderts.
- Historische Prosa: Sie ist durch die expansive Wirkung der Zeit und die Perspektiven, die durch die Eroberung Amerikas entstanden, geprägt. Ein Beispiel ist Pater Mariana mit einer Geschichte der Inseln.
- Religiöse Prosa: Das Ziel ist die religiöse Prägung im Einklang mit der Volksfrömmigkeit der damaligen Zeit. Fray Luis de León bietet in Die vollkommene Ehefrau eine Abhandlung über die Tugenden, die eine christliche Frau besitzen sollte.
- Prosa-Erzählung: Diese gewann aufgrund der wachsenden Leserschaft an Bedeutung. Es wurden sowohl verschiedene Erzählformen des 15. Jahrhunderts beibehalten als auch neue Werke verschiedener Genres zur Unterhaltung geschaffen.
Erzählformen im 16. Jahrhundert
Es entwickelten sich zwei wesentliche Trends in der Renaissance-Erzählung:
- Idealistischer Charakter: Enthält fantastische Geschichten und Abenteuer.
- Realistischer Charakter: Bemerkenswert durch die Art und Weise, wie Charaktere und Schauplätze beschrieben werden.
Typen der Erzählung
- Romanzen: Amadis von Gallien (1508) von Garci Rodríguez de Montalvo.
- Italienische Novelle
- Pastoralroman
- Byzantinischer Roman
- Maurischer Roman
Der Schelmenroman
Er beginnt im Jahr 1544 mit Das Leben des Lazarillo de Tormes und seine Schicksale und Widrigkeiten.
Die Entstehung dieses Genres ist auf folgende Faktoren zurückzuführen:
- Das soziale Umfeld der damaligen Zeit.
- Zunehmende Diskriminierung aufgrund der „Reinheit des Blutes“ gegenüber den „neuen Christen“.
- Die Öffnung der Ideologie unter Karl I. und die Entstehung erasmischer Ideen.
- Reaktion auf die neuen Ritterromane.
Merkmale des Schelms
- Zeigt eine unheroische Haltung.
- Stellt ironisch die gesellschaftlichen Bedingungen dar.
- Arbeitet als Diener vieler Herren.
- Handelt aus unmittelbarer Not (Hunger).
- Erträgt Not mit Resignation.
- Ist sehr anpassungsfähig und nicht materialistisch.
- Besitzt einen deformierten Ehrenkodex, während er sich schnell von der Unschuld zum Bösen entwickelt.
Struktur des Schelmenromans
- Autobiografische Fiktion in der Ich-Perspektive.
- Episodische Struktur.
- Die Handlung verlagert sich narrativ.
- Vorgegebenes Ende.
- Zeitliche Entwicklung von der Kindheit zur Reife.
- Zeitliche Überschneidungen durch die wechselnde Perspektive zwischen dem erwachsenen Erzähler und dem Erzähler als Kind.