Katalanische Literatur des 15. Jahrhunderts und Linguistische Konzepte
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Curial e Güelfa: Romananalyse
Der Roman besteht aus drei Büchern:
- Güelfa verliebt sich in den jungen Curial. Curial entfernt sich von Güelfa. Ein Verleumder. Curial verteidigt sich in Österreich. Curial lehnt die Ehrung der Herzogin des Ehebruchs ab, die seiner Schwester Laquesis angeboten wird.
- König Peter der Große erscheint und verbessert Curials Beziehungen. Güelfa entzieht Curial ihre finanzielle Unterstützung. Curial und Laquesis.
- Komplikationen für Curial: Er wird in Afrika gefangen gehalten (sieben Jahre). Er entgeht der Liebe einer Kammerfrau, die eine Tochter kauft, um sie als Sklavin an Güelfa zu verkaufen. Curial wird Kapitän und kämpft zur Verteidigung der Christenheit gegen die Türken. Güelfa erholt sich von ihrer Liebe.
Charakteristika
- Literarische Traditionen verschiedener romanischer Literaturen.
- Die Ambientatio (Umgebung) verbindet realistische und liebevolle Gefühle.
- Novelle von zarter und subtiler Erotik.
Autorschaft
Der Autor ist anonym, wird aber oft Manuel Milà i Fontanals zugeschrieben.
Tirant lo Blanc: Fünf Teile des Romans
- England: Der König kommt zur Hochzeit. Tirant nimmt als Ritter an Turnieren teil.
- Sizilien und Rhodos: Tirant hilft bei der Befreiung der Insel Rhodos, die vom Sultan belagert wird. Philip verliebt sich in die Großmutter und geht mit Tirant. Tirant empfiehlt die Tochter des Königs von Sizilien. Tirant verlässt die Stadt und flieht vor den Mauren.
- Das Griechische Reich: Der König von Konstantinopel bittet Tirant brieflich um Hilfe gegen die türkische Invasion. Tirant kommt nach Griechenland. Er verliebt sich in die Prinzessin Carmesina. Diafebus verliebt sich in Estefania. Ippolito verliebt sich in die Kaiserin. Es erscheinen Plaerdemavida und die Witwe.
- Nordafrika: Tirant ertrinkt und hilft im Kampf gegen den König Escariano. Tirant erobert Nordafrika, konvertiert viele Ungläubige zum Christentum.
- Konstantinopel: Rückzug und Niederlage der Türken. Der Kaiser ernennt Tirant und seine Tochter zu Erben des Reiches. Tirant erkrankt und stirbt.
Joanot Martorell (Autor von Tirant lo Blanc)
- Geboren in Valencia, aus adliger Familie, am Hof von König Martin.
- Nach dem Tod des Vaters geriet die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
- Joanot war der Universalerbe.
- Martorell forderte seinen Cousin Joan de Montpalau (der in der Schlacht starb) heraus.
- Joanot bat den König von England um einen Richter, der das Duell akzeptierte, aber der Kampf war nicht schwer.
- Er erlitt wirtschaftliche Verluste durch die Reise nach England.
- Ausias March weigerte sich, Joanots Schwester zu heiraten, bis sie die Mitgift für seine Frau erhielt. Joanot teilte das Erbe seiner Schwester.
- Er kämpfte in Híjar gegen Golçalbo wegen einer Schuld (war nicht schwer).
- Er wurde von Banditen gefangen genommen und starb kinderlos.
Jordi de Sant Jordi: Leben und Werk
Sein Werk ist das beste Beispiel für die katalanische poetische Tradition, die im 15. Jahrhundert aufgebaut wurde. Er wollte in einer okzitanischen Sprache schreiben, aber in Wirklichkeit ist es eine Mischung aus okzitanischer Poesie und archaisierendem Katalanisch.
- Trotz des Troubadour-Modells zeichnet sich Jordi de Sant Jordi durch den eleganten Ausdruck einer subtilen Subjektivität aus, die oft eine melancholische und nostalgische Stimmung annimmt.
- Leben: Geboren in Valencia Ende des 15. Jahrhunderts. Diente Alfons dem Großmütigen als königlicher Mundschenk.
- Im Mai 1420 begleitete er den König auf der Expedition nach Sardinien und Korsika, wo er zum Ritter geschlagen wurde (zusammen mit Ausias March und Andreu Febrer).
- Er war an der Seite von Alfons dem Großmütigen in Sardinien, Sizilien und Neapel.
- Starb 1424.
- Bekanntes Werk: Presoner (Der Gefangene).
Ausias March: Leben, Werk und Poetik
Leben
- Geboren wahrscheinlich in Valencia zwischen 1400 und 1401.
- Stammte aus einer weisen Linie Barcelonas, die sich in Gandia niederließ.
- Wurde sehr jung zum bewaffneten Ritter geschlagen und nahm an den Feldzügen von Alfons dem Großmütigen in Süditalien und Nordafrika teil.
- Zog sich für siebenundzwanzig Jahre aus dem Militärleben zurück.
- Der König bestätigte seine gerichtlichen Privilegien über die Herrschaften Beniarjó und Pardines Vernissa, die er von seinem Vater geerbt hatte.
- Ab 1430 widmete er sich hauptsächlich der Verwaltung seines Vermögens und der Verteidigung seiner feudalen Privilegien, was ihm schwere Konflikte einbrachte.
- 1439 heiratete er Isabel Martorell, die Schwester von Joanot Martorell. Isabel starb noch im selben Jahr.
- 1443 heiratete er erneut, Joana Escorna. Sie lebten meist in Valencia. Joana Escorna starb 1454.
- Ausias March starb 1459 (ohne Nachkommen).
- Er hatte vier uneheliche Kinder: Joan, Felip, Pere und Joan Francesc (die vor dem Dichter starben).
Poetik und Stil
- Defunctio Troubadour: Er lehnte die Troubadour-Poesie ab.
- Sprache: Katalanisch, mit Reim in eccità (?).
- Behandlung der Frau: Frau wird dem Mann gleichgestellt.
- Struktur und Metrik: 8 Verse (4+6?).
- Signale: Pseudonyme, um den Namen der Geliebten zu verbergen.
- Thema: Vergleich der Liebesflexionen.
- Introspektion: Das lyrische Ich.
- Konzept der poetischen Liebe: Dünne Liebe vs. wahre Liebe, geistige Liebe vs. fleischliche Liebe.
Ritterroman vs. Tirant lo Blanc (Neue Romanform)
Ein Vergleich der traditionellen Ritterromane mit der realistischeren Form, wie sie Tirant lo Blanc darstellt:
Schauplätze
- Ritterroman: Imaginäre Orte, die nicht in der Welt existieren.
- Tirant lo Blanc: Entfaltet sich in realen Teilen der Welt.
Rollen/Charaktere
- Ritterroman: Wesen mit übermenschlichen Kräften.
- Tirant lo Blanc: Ein gewöhnlicher junger Mann, kein Superheld.
Fantastische Elemente
- Ritterroman: Tiere, die sprechen, Bäume, die sich bewegen.
- Tirant lo Blanc: Keine fantastischen Objekte, außer gegen Ende des Romans, was als Parodie auf die Ritterromane dient (z. B. die Entzauberung des Drachen).
Joan Roís de Corella: Leben und Stil
- Geboren in Valencia 1435, gestorben 1497.
- Sein Werk (in Prosa und Versen) war im 15. Jahrhundert bekannt und wurde von vielen valencianischen Autoren nachgeahmt.
- Seine Familie gehörte zum niederen Adel Valencias, stand dem Hof des Herzogs von Gandia nahe und pflegte enge Beziehungen zur Familie March.
- Roís de Corella war ein Edelmann, studierte aber auch Theologie und erwarb den Titel eines Meisters der Theologie, was ihm die Befugnis zum Predigen gab.
- Er war nie verheiratet, hatte aber zwei Kinder aus seiner Beziehung zu Isabel Martínez de Vera.
- Werk: Umfangreich und vielfältig, sowohl religiöse als auch profane Themen.
- Zentrales Thema: Die Liebe, oft beeinflusst von griechisch-lateinischen Autoren, insbesondere Ovid. Mythologische Fabeln (wie Narziss oder das Urteil des Paris) sind Symbole der Liebesleidenschaften.
- Spätere Werke enthalten mehr religiöse Elemente. Gegen Ende seines Lebens übersetzte er die Vita Christi (in Venedig gedruckt) und eine Version der Psalmen.
- Stilistisch zeichnet er sich durch die Fülle von Metaphern, Anspielungen und die häufige Verwendung der Hyperbel aus. In seinen Gedichten finden sich konzeptionelle Schärfe und Wortspiele. Er wendet lyrische Ausdruckstechniken in der Prosa an.
- Bekanntes Werk: Die Tragödie der Caldesia.
Jaume Roig: Der Spiegel (L'Espill)
- Geboren in Valencia Anfang des 15. Jahrhunderts, starb 1478.
- Floh vor einer Epidemie, die die Stadt heimsuchte, nach Callosa d'En Sarrià und begann dort mit der Redaktion des Spiegels.
- Ziel: Zu beweisen, dass alle Frauen böse sind. Er beschuldigt Frauen, arrogant und luxuriös zu sein, behandelt das Thema jedoch auf sehr persönliche und originelle Weise.
- Struktur: L'Espill (Der Spiegel oder Buch der Frauen) besteht aus 16.359 Versen in vierzeiligen, vier-silbigen Couplets und ist in vier Teile oder Bücher gegliedert.
Isabel de Villena: Vita Christi
- Geboren vermutlich in Valencia um 1430. Sie war die natürliche Tochter des Adligen und Schriftstellers Enrique de Villena.
- Wurde von Kindheit an in Valencia am Hof von Königin Maria, der Frau von Alfons dem Großmütigen, erzogen.
- 1462 trat sie in das Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit von Valencia ein.
- Schwester Isabel de Villena diente dort von 1462 bis zu ihrem Tod im Jahr 1490 als Äbtissin.
- Werk: Die Vita Christi von Isabel de Villena ist eine christuszentrierte Darstellung des Lebens, insbesondere der Geburt und Kindheit der Mutter Jesu.
- Ziel: Sie wollte eine emotionale Wirkung und einen Einfluss auf die gläubigen Menschen erzielen, ihnen helfen, sich die Menschlichkeit Jesu Christi vorzustellen und eine totale Vertrautheit mit ihm zu schaffen.
- Das Werk ist eine scharfe Singularität in der mittelalterlichen Literatur, da es nicht nur das Leben Jesu Christi erzählt und imaginiert.
Linguistische Konzepte und Textanalyse
Polyzentrische Orthophonie
Bezieht sich auf den gesamten Reichtum, den eine phonetische Sprache besitzt.
Möglichkeiten der Erfahrungserfassung
Tradition des mündlichen Gebrauchs, Schrift, audiovisuelle Medien.
Mediation (Sprachmittlung)
Mediation ist der Prozess der Übertragung eines kommunikativen Aktes von einer Sprache in eine andere. Bei mündlicher Übertragung spricht man von Dolmetschen, bei schriftlicher Übertragung von Übersetzung. Der Vermittler muss die laufenden Aktivitäten und Strategien des Empfangs und der Produktion beider Sprachen verstehen können.
Merkmale der kollektiven Umgangssprache
- Mündlichkeit: Wiederholung und Redundanz, unvollendete Sätze, Pausen.
- Aussagekraft: Ergänzungen und Diminutive, Interjektionen, persönliche Pronomen, humoristische Vergleiche.
- Spontaneität: Kleine Codes, lexikalische Ungenauigkeiten, apokopierte Wörter.
- Kontakt zum Emittenten: Redewendungen, Phrasen, Sprüche, Grüße, Appellative.
Strukturierte Präsentation
Im Gegensatz zur freien Meinungsäußerung muss der Moderator das Thema präsentieren und die Teilnehmer leiten. Jeder Teilnehmer sollte seinen Beitrag minimal planen und strukturieren.
Tertulia (Literarischer Salon)
Gespräch zwischen einer Gruppe von Gesprächspartnern mit gemeinsamen kulturellen Interessen. Kann öffentlich oder privat sein.
Kolloquium (Fachgespräch)
Bezieht sich auf den Dialog zwischen einer Gruppe von Teilnehmern und einem Spezialisten zu einem Thema, wobei Fragen beantwortet werden. Oft eine ergänzende Aktivität zu einer Konferenz. Geringe Spontaneität und verbindliche Anmeldung.
Interview
Eine geplante und spontane Gattung. Vor der Übermittlung informiert sich der Journalist über den Interviewpartner und bereitet die Fragen sorgfältig vor.
Merkmale des schriftlichen Textes und der grafischen Linguistik
- Grafische Ressourcen: Begleitende Zeichnungen, Fotos usw.
- Strukturierte Darstellung: Jeder Text hat ein Format.
- Syntaktische Konstruktion: Kann sehr komplex sein.
- Vorbereitete Rede: Geplant, geprüft und selbstkorrigiert.
- Korrekte Konnektoren und lexikalische Einheiten.
Klassifizierung von Texten
Nach Output-Typ
- Argumentativ: Essay, Dissertation, Bericht.
- Erläuternd: Handbuch, Monographie, Prüfung.
- Narrativ: Nachrichten, Chronik, Erzählung.
- Vorhersagend: Horoskop, Wettervorhersage.
- Lehrend/Instruktiv: Kochrezepte, Anweisungen.
- Deskriptiv: Beschreibung von Dingen.
Nach Funktion und sozialem Bereich
- Bezeichnend: Parlamentarische Anfragen, Petition.
- Ausdrucksstark: Meinungsartikel, Poesie.
- Appellativ: Gruß, Glückwunsch.
- Informativ: Nachrichten, Regeln.
- Metasprachlich/Wissenschaftlich: Wörterbuch, Grammatik, Poetik.
- Akademisch: Rezension, These, Bericht.
- Administrativ und rechtlich: Lizenz, Gesetz.
- Wissenschaftlich und technisch: Artikel, Monographie, Handbuch.
- Literarisch: Lyrik, Essay, Theaterstück.
- Journalistisch: Leitartikel, Chronik, Nachricht.
- Politischer Diskurs: Wahlprogramm, Slogan, Triptychon.
- Alltäglich: Brief, Notiz, Etikett.
- Religiös: Predigt, Katechismus.
Zeitformen (Tempora)
Deiktische Tempora
Beziehen sich auf den Zeitpunkt der Äußerung (Jetzt).
- Präsens: Gleichzeitig mit der Handlung des Sprechers.
- Präteritum (unbestimmt): Vor dem Zeitpunkt der Äußerung, aber im selben Zeitraum.
- Einfaches Präteritum und umschreibendes Perfekt: Die Zeit vor dem Zeitpunkt der Äußerung.
- Einfache Zukunft: Nach dem Zeitpunkt der Äußerung.
Anaphorische Tempora
Beziehen sich nicht auf das Jetzt, sondern auf ein Damals, eine in den Text eingebettete Vergangenheit.
- Imperfekt: Gleichzeitiges Ereignis (anaphorisch zum Damals).
- Plusquamperfekt: Vorvergangenheit (anaphorisch zu einer vergangenen Zeit).
- Konditional: Zukunft nach einer vergangenen Zeit.
Konnektoren (Verbindungswörter)
Räumliche Konnektoren
Innen, außen, im Inneren, außerhalb, hinten, vorne, rechts, links, Mitte, unten, oben, wo, in der Nähe, weit, in der Nähe von.
Temporale Konnektoren
- Vorher: Zuvor, kurz bevor, lange bevor.
- Nachher: Dann, später, danach.
- Parallelität: Gleichzeitig, jetzt, während.
- Wiederholung: Solange, wenn, immer wenn.
- Periodizität: Oft, manchmal, in der Regel, immer, selten.
Kausale und Finale Konnektoren
- Kausal: ke + zeigt (weil, da).
- Final: preke + Subj. (damit, um zu).