Katalanische Literatur: Vom Mittelalter zum Humanismus

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Moralische und religiöse Literatur im Mittelalter

Das Schisma markierte das Ende des Mittelalters und löste eine geistige Krise aus, in der religiöse Persönlichkeiten eine zentrale Rolle spielten.

Francesc Eiximenis

Francesc Eiximenis (14. Jahrhundert) war ein einflussreiches Mitglied des Franziskanerordens, der weit durch Europa reiste. Seine Werke verfolgten didaktische und informative Ziele, oft unter Verwendung von Exempla. Er schrieb für die christliche, öffentliche und säkulare Mehrheit, darunter das Buch der Engel und das Buch der Frauen.

San Vicente Ferrer

San Vicente Ferrer (Valencia, 14.–15. Jahrhundert) war ein einflussreicher Dominikaner, der in ganz Europa predigte. Seine Absicht war die Reform der moralischen Traditionen der Gesellschaft. Seine Predigten (ca. 280 erhaltene Texte) wurden von Priestern und Büßern kopiert. Er war bekannt für sein Charisma, seine Gestik und den Einsatz von Lautmalerei. Er thematisierte zudem das Verhältnis zu Juden und dem König Martí.

Anselm Turmeda

Anselm Turmeda (14. Jahrhundert) war ein Franziskaner, der zum Islam konvertierte und dort verehrt wurde, während seine Werke von der Inquisition verboten wurden. Zu seinen bekanntesten Werken gehört der Esel des Rechtsstreits gegen den Bruder Anselm Turmeda über die Natur und den Adel der Tiere.

Ausiàs March: Ein Wendepunkt der Poesie

Ausiàs March (15. Jahrhundert) markiert den Höhepunkt der katalanischen Poesie. Er stammte aus einer Schriftstellerfamilie in Gandia und verfasste 128 Gedichte über moralische Themen und die Liebe. Er ersetzte das Okzitanische durch das Katalanische, blieb jedoch der Troubadour-Struktur treu.

  • Form: Strophen zu 8 Versen, wobei jeder Vers aus 10 Silben mit einer Zäsur (4+6) besteht. Er verwendete auch Estramps (reimlose Verse).
  • Signale (Senyals): Er nutzte Pseudonyme, um die Namen der Damen zu verbergen, wie "Plena de seny" (Voll von Vernunft), "Llir entre cards" (Lilie unter Disteln), "Amor, amor" oder "O, boig amor" (Oh, verrückte Liebe), gerichtet an Frauen wie Teresa.
  • Dichotomie: Sein Werk thematisiert den Konflikt zwischen sinnlicher und geistiger Liebe.
  • Einflüsse und Quellen: Er war zukunftsweisend mit abstrakten Arbeiten. Seine Quellen für die Liebe waren Dante und Petrarca; für die Moral dienten der heilige Thomas von Aquin und Aristoteles.

Humanismus und gesellschaftlicher Wandel

Der Aufstieg des Bürgertums

Der Humanismus (14.–16. Jahrhundert) markierte den Übergang vom Feudalismus zum Bürgertum (Mittelklasse). Dies führte zu neuem Denken: Werte wie sozialer Aufstieg und persönliche Bereicherung durch Talent, Intelligenz und List ersetzten die ererbten moralischen Tugenden des Adels.

Kulturelle Zentren verlagerten sich von den Adelshöfen in Handelsstädte wie Barcelona und Valencia. Die bürgerliche Macht wurde durch Institutionen wie den Rat der Hundert oder die Königliche Kanzlei (Cancelleria Reial) geregelt.

Die Königliche Kanzlei

Die Kanzlei war das Dachverwaltungsorgan der Könige der Krone von Aragon. Zu ihren Aufgaben gehörten diplomatische Beziehungen, Rechts- und Steuerangelegenheiten sowie kulturelle Initiativen. Unter Peter IV. wurde sie zu einem modernen Leitungsgremium umstrukturiert.

  • Beamte: Schreiber, Notare und Protonotare.
  • Sprachen: Latein, Katalanisch und Aragonesisch.
  • Einflüsse: Übersetzungen von Klassikern wie Dantes Göttlicher Komödie, Ovids Metamorphosen, Petrarcas Valter und Griselda sowie Boccaccios Corbaccio.

Bernat Metge

Bernat Metge (14. Jahrhundert, Barcelona) war eine bedeutende Persönlichkeit an den Höfen von König Johann I. und Martin I. Sein Stil war geprägt von seinem kulturellen Hintergrund und der Arbeit in der Kanzlei. Er verfasste Übersetzungen (Ovid, Petrarca) und bedeutende eigene Werke:

  • Die Predigt
  • Medizin ist für alle Übel angemessen
  • Das Buch vom Glück und der Vorsicht
  • Der Traum (Lo Somni)

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