Katalanische Literatur: Von der Romantik bis zur Moderne
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Mercè Rodoreda und der psychologische Roman
Mercè Rodoreda veröffentlichte Aloma im Jahr 1937. Zwischen 1937 und 1958 wurden keine weiteren Werke von ihr publiziert; in dieser Zeit versuchte sie, ihr Leben neu aufzubauen. Ihre Geschichten kombinieren die Rodoreda-Welt mit der Wirklichkeit. Ihr Werk gliedert sich in zwei Blöcke: realistisch und nicht-realistisch. In Quanta, quanta guerra... (Cuan Spiegel) bricht sie alle Realitäten.
Meilensteine ihres Schaffens
Ihr Roman Auf der Plaça del Diamant (1962) ist ein zentrales Werk. Die Protagonistin Colometa erhält eine Auszeichnung und verliert sich zugleich; ein Richter betrachtet ihre Arbeit und trägt dazu bei, den Namen des Ortes bekannt zu machen. Ein weiteres Hauptwerk ist Der zerbrochene Spiegel (Broken Mirror): Ein Tribut-Roman an das 19. Jahrhundert. Die Figur Armanda zeigt, dass ein Spiegel der Realität nicht nur konzentriert, sondern beim Brechen viele Gesichter offenbart.
Die Moderne und die katalanische Antinovela
Der Roman um 1930 war geprägt von großen Produktionen und bedeutenden Autoren. Nach dem Noucentisme (poetisch) entstand die Antinovela, um eine ideale literarische Form zu schaffen. Wichtige Werke dieser Ära des republikanischen psychologischen Romans in Europa sind:
- Josep Maria de Sagarra: Privatleben (1932)
- Miquel Llor: Laura in der Stadt der Heiligen (1931)
- Carles Soldevila: Fanny (1929) und Valentino (1939)
- Mercè Rodoreda: Aloma (1939)
Modernismus und individuelle Überwindung
Im 20. Jahrhundert zeigt der Modernismus große Romane wie Einsamkeit (Solitud). Das Werk erläutert die Überwindung des Individuums und zeigt die Gegenüberstellung des Einzelnen zur Gesellschaft, was oft in einer Weitergabe endet. Die Behandlung basiert auf Naturalismus und Symbolismus, etwa im inneren Monolog.
Pere Calders und Quim Monzó: Ironie und Absurdität
Pere Calders
Im Jahr 1936 erschien sein erstes Werk Der erste Harlekin. Calders betont in seinen Erzählungen den Humor und die Ironie als Grundlage für die Behandlung der Wirklichkeit. Seine Geschichten beginnen oft in einer alltäglichen Situation, die sich entwickelt, bis sie vollkommen absurd wird.
Quim Monzó
Monzó ist ein bedeutender Schriftsteller der Nachkriegszeit. 1976 erschien sein erster Roman, 1978 veröffentlichte er die Geschichtensammlung Uf, va dir ell. Er gilt als urbaner Erzähler und Autor eines minimalistischen Costumbrismus. Monzó nutzt eine essenzialistische Beschreibung der gegenwärtigen Welt, wobei menschliche Beziehungen im Zentrum stehen, oft mit humorvoller und ironischer Behandlung. Zwei wichtige Stücke sind:
- Benzin (1983): Thematisiert die Leere einer Künstlergruppe in New York.
- Das Ausmaß der Tragödie: Beeinflusst von Francesc Trabal.
Vom 19. Jahrhundert zur Krise des Naturalismus
Das 19. Jahrhundert begann mit der Romantik und ging bald in die Realität über. Die Romantik war eine Flucht. Formal innovativ, erklärte sie die Realität aus einem anderen Blickwinkel und analysierte die individuelle Welt. Im 20. Jahrhundert folgte die Relativitätstheorie als komplexe Analyse, beeinflusst durch Autoren wie James Joyce (Ulysses) und Marcel Proust (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit), bei dem etwa der Geschmack einer Madeleine Erinnerungen weckt und den allwissenden Erzähler ersetzt.
Historischer Kontext und industrielle Revolution
Die historische Situation war geprägt von der Französischen Revolution und der Industriellen Revolution. Die Desillusionierung nach der Revolution führte dazu, dass Künstler in andere Welten flohen (mittelalterlich, exotisch, imaginär). In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts dominierte der Positivismus: Nur was die Wissenschaft beweisen kann, hat Bedeutung. Dies führte zu einer schrittweisen Annäherung an die Realität, unterstützt durch die Entwicklung der Verlagsbranche.
Internationale Einflüsse
Wichtige Vertreter waren Émile Zola und Flaubert (Madame Bovary) in Frankreich, Tolstoi in Russland und Dickens in England.
Jacint Verdaguer und die romantische Poesie
Jacint Verdaguer (1845–1902) war ein zentraler Priester und Dichter. Wichtige Stationen seines Lebens:
- 1870: Priesterweihe.
- 1877: Veröffentlichung von L'Atlàntida (geschrieben ab 1874).
- 1886: Reise ins Heilige Land.
- 1890: Praktiken des Exorzismus, was zu Konflikten mit der Kirche führte.
- 1895: Verteidigung seiner Position durch Zeitungsartikel, nachdem ihm die Erlaubnis zur Messe entzogen wurde.
Er starb 1902 in der Nähe der Kirche von Bethlehem. Wie Émile Zola wollte er Dinge verändern, flüchtete sich jedoch oft in unkonventionelle Welten.
Narcís Oller und der katalanische Realismus
Narcís Oller zeigt den Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert und die Industrialisierung durch verschiedene Stile: historisch, costumbrista, realistisch und naturalistisch. Der Sittenroman (Cuad) und der historische Roman dienten dazu, über andere Welten zu sprechen oder die Realität zu erklären.
Weitere Vertreter des Realismus
Emili Vilanova fixierte die Costumbrista-Literatur und beschrieb mit Nostalgie die Welt der Handwerker (Menestralia). Narcís Oller selbst war kein Berufsschriftsteller, sondern Anwalt. Er begann auf Spanisch zu schreiben, bevor er zum Katalanischen wechselte. Seine Werke sind oft dramatisch, darunter:
- Die Papallona (1882): Geprägt von Sentimentalität.
- L'Escanyapobres: Ein naturalistischer Blick auf die Gier.