Katalanischer Modernismus: Gesellschaft und Literatur

Eingeordnet in Spanisch

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 4,98 KB

Das 20. Jahrhundert und die Moderne

Die Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts durchlief eine tiefgreifende Veränderung: Eine außerordentliche wirtschaftliche Expansion und das industrielle Wachstum großer Städte, insbesondere Barcelona, prägten diese Ära. Der Katalanismus entwickelte sich in unterschiedlichen politischen Strömungen, von konservativen bis hin zu föderalistischen und republikanischen Positionen. Die politische Ideale wurden im ganzen Land verbreitet. Im Jahr 1901 wurde die Lliga Regionalista gegründet, die den konservativen Charakter der katalanischen Politik im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts dominierte. Gleichzeitig führten die Arbeitsbedingungen zu einem wachsenden Bewusstsein der Arbeiterklasse.

Modernismus: Der Wunsch nach Modernität

In den frühen 1890er Jahren entstand der Wunsch nach Modernität. Künstler, Schriftsteller und Denker erkannten, dass das Land im Vergleich zum übrigen Europa zurückgeblieben war. Man hörte auf, sich nur an Madrid zu orientieren, und blickte stattdessen nach Frankreich, Deutschland und England. Dieser Prozess, der als Modernisme bekannt ist, gilt als Erbe der Renaixença. Der katalanische Modernismus war eine der bedeutendsten Epochen in allen Bereichen: Literatur, Kunst und Denken.

Erster Zeitraum (1890–1910)

  • Das Magazin L'Avenç startete eine Kampagne zur Reform der katalanischen Sprache und zur Öffnung gegenüber der europäischen Kultur.
  • Santiago Rusiñol organisierte die Festes Modernistes, von denen die erste 1892 in Sitges stattfand.

Zweite Periode

Der Modernismus festigte sich als Bewegung. Diese Phase begann mit der Zeitschrift Joventut. Der Modernismus war geprägt vom Konflikt zwischen dem Künstler und der Gesellschaft: Während die Künstler die geistigen und kulturellen Ebenen der Gesellschaft heben wollten, konzentrierte sich diese oft nur auf materielle Dinge.

Dichtung im Modernismus

Zu den bedeutenden Vertretern zählen Joan Maragall, Víctor Català (Pseudonym von Caterina Albert), Raimon Casellas, Prudenci Bertrana, Josep Pous i Pagès und Santiago Rusiñol. Die moderne Lyrik umfasst verschiedene Trends und Strömungen, die in ganz Europa verbreitet waren, wie:

  1. Symbolismus: Bestimmt die Stimmung.
  2. Lebensphilosophie: Erhebt die Rolle des menschlichen Lebens in der Welt.
  3. Soziale Poesie: Befasst sich mit gesellschaftlichen Ereignissen und Ausgrenzung.
  4. Naturismus: Harmonisierung von Mensch und Natur.
  5. Parnassismus: Fokus auf Ästhetik und poetische Sprache.

Joan Maragall

Joan Maragall (1860–1911) stammte aus einer bürgerlichen Textilfamilie in Barcelona. Er studierte Jura, widmete sich jedoch später der Schriftstellerei. Er trat in die Diario de Barcelona ein und arbeitete für L'Avenç. Sein Werk umfasst Lyrik, Essays und Zeitungsartikel. Zu seinen wichtigsten Werken gehören Poesies, Sol, i de dol, Nausica und Elogi de la paraula.

Die Schule von Mallorca

Diese Gruppe von Dichtern ist nicht nur durch ihre geografische Herkunft vereint, sondern auch durch gemeinsame Merkmale wie die poetische Vision der Landschaft, die Zurückhaltung im Ausdruck von Gefühlen und den Einfluss der Klassiker.

Die modernistische Erzählung

Die Modernisierung der katalanischen Prosa umfasste zwei Aspekte: die Erneuerung von Roman und Erzählung sowie die Schaffung neuer literarischer Formen zwischen Lyrik und Prosa. Die bevorzugte Gattung war die Kurzgeschichte, da sie eine stärkere Konzentration ermöglichte. Der modernistische Roman wurde durch Werke wie Els sots feréstecs von Raimon Casellas eröffnet.

Merkmale des modernistischen Romans

  • Nonkonformismus: Rebellen gegen den Umwelt-Determinismus.
  • Psychologie: Die psychologische Tiefe des Protagonisten ist zentral.
  • Symbolik: Geografische oder soziale Räume erhalten symbolische Werte.
  • Detailreichtum: Beschreibungen suchen stets die symbolische Dimension.
  • Determinismus: Die Lehre, dass das Schicksal vorbestimmt ist.

Wichtige Autoren

  • Víctor Català (Caterina Albert): Bekannt für Drames rurals (1902) und den Roman Solitud (1905), der eine unabhängige Frauenfigur in den Mittelpunkt stellt.
  • Prudenci Bertrana: Sein Hauptwerk Josafat erzählt die Geschichte eines Glöckners in Girona. Weitere Werke sind Nàufrags und die Trilogie Entre la terra i els núvols.
  • Josep Pous i Pagès: Bekannt für den Roman La vida i la mort d'en Jordi Fraginals, der den Konflikt zwischen Familientradition und persönlichem Lebenswillen thematisiert.

Verwandte Einträge: