Kernstabilität: Kernkraft, Kernspaltung und Kernfusion
Eingeordnet in Chemie
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 5,82 KB
Kernstabilität: Kernkraft und Energie
Die Kernstabilität lässt sich aus zwei Gesichtspunkten betrachten: a) Kernkraft und b) Energie.
A. Die starke Kernkraft
Die starke Kernkraft wurde von Hideki Yukawa konzipiert. Sie zeichnet sich durch eine geringe Reichweite und eine hohe Intensität aus, die unabhängig von der Ladung ist (Sättigung). Sie wirkt nur für Teilchen in Entfernungen von weniger als 10⁻¹⁴ bis 10⁻¹⁵ m. Bei Entfernungen von weniger als 10⁻¹⁶ m wirkt sie abstoßend.
Kerne mit einem Verhältnis von Z ≈ N (Protonenzahl zu Neutronenzahl) sind stabil. Wenn Z steigt, nimmt die Zahl der Neutronen schneller zu als die der Protonen. Für Z < 20 gilt meist Z = N. Für Z > 20 benötigen stabile Kerne mehr Neutronen als Protonen, was darauf hindeutet, dass ein Neutronenüberschuss Stabilität bietet.
Für Z > 82 gibt es keine stabilen Isotope mehr. Wenn man die Position eines Kerns in der Stabilitätszone betrachtet, lässt sich die Art des Zerfalls vorhersagen:
- Um in die Stabilitätszone zu gelangen: Neutronen verringern, Protonen erhöhen oder beides gleichzeitig. Dies wird durch Beta-Emissionen erreicht.
- Für Kerne außerhalb der stabilen Zone: Reduzierung der Protonenzahl und Erhöhung der Neutronenzahl. Dies geschieht durch Positronen-Emission (das Antiteilchen des Elektrons).
B. Energie und Bindungsenergie
Wenn ein Kern aus Protonen und Neutronen gebildet wird, ist die Masse des fertigen Kerns geringer als die Summe der Massen seiner einzelnen Nukleonen. Diese Differenz wird als Massendefekt bezeichnet. Nach Einstein wird dieser Massenverlust in Energie umgewandelt, die als Bindungsenergie bekannt ist.
Die Bindungsenergie ist die Energie, die bei der Bildung eines stabilen Kerns freigesetzt wird oder die man aufwenden muss, um einen Kern in seine Bestandteile zu zerlegen. Die Formel lautet: E = Δm · c².
Indikatoren für nukleare Stabilität
Die Bindungsenergie pro Nukleon ist ein guter Indikator für die Stabilität. Der maximale Wert liegt bei Massenzahlen (A) zwischen 40 und 80. Die größte Stabilität weist Eisen (A = 56) auf. Danach nimmt die Stabilität langsam ab. Kleinere Kerne (wie Wasserstoff oder Helium) streben durch Kernfusion nach größerer Stabilität und setzen dabei Energie frei. Schwere Kerne neigen zur Kernspaltung, um ebenfalls Energie freizusetzen und Stabilität zu erreichen.
Kernreaktionen: Spaltung und Fusion
Kernspaltung (Fission)
Bei der Kernspaltung spaltet sich ein schwerer Kern durch den Beschuss mit einem Neutron in zwei leichtere Kerne. Dieser Prozess kann spontan auftreten, was jedoch selten und energetisch wenig produktiv ist. Daher wird die Spaltung meist durch langsame Neutronen induziert. Dieser Prozess wurde von Otto Hahn, Lise Meitner und Fritz Straßmann entdeckt.
In der Praxis beschränkt sich dies auf Isotope von Plutonium und Uran, am häufigsten Uran-235. Es ist ein asymmetrisches Verfahren, da die Bruchstücke meist unterschiedliche Massen haben. Dabei wird viel kinetische Energie freigesetzt. Da bei der Spaltung weitere Neutronen freiwerden, kann eine Kettenreaktion entstehen. Ohne Kontrolle führt dies zur Explosion; in einem Kernreaktor wird die Reaktion jedoch durch Neutronenabsorption geregelt.
Kernfusion
Bei der Fusion verschmelzen zwei leichte Atome zu einem schwereren. Aufgrund der elektrischen Abstoßung der Kerne ist eine enorme Energie (ca. 100 Millionen Grad Kelvin) nötig, um die Teilchen nah genug für die starke Kernkraft zusammenzubringen. Bei diesen Temperaturen bilden die Teilchen ein Plasma.
Vorteile: Fast unerschöpfliche Ressourcen (Deuterium und Tritium), chemisch nicht umweltbelastend, kein Transport radioaktiven Materials nötig und sicherer als die Kernspaltung.
Nachteile: Mögliches Austreten von Tritium-Gas, Leckagen von Lithium (Explosionsgefahr bei Luftkontakt) und induzierte Radioaktivität in den Reaktorwänden.
Der Kernreaktor
Ein Gerät, in dem eine kontrollierte Kernspaltungs-Kettenreaktion zur Energiegewinnung stattfindet. Der Ablauf folgt dem Schema: Reaktor → Dampferzeuger → Turbine → Heizstrom.
Elementarteilchen und Wechselwirkungen
Elementarteilchen sind die kleinsten Bausteine der Materie. Jedes Teilchen hat ein Antiteilchen (Antimaterie) mit gleicher Masse und Halbwertszeit, aber entgegengesetzter Ladung und magnetischem Moment. Treffen Teilchen und Antiteilchen aufeinander, zerstrahlen sie zu Energie (Photonen).
Quarks und Hadronen
Protonen, Neutronen und alle Hadronen bestehen aus Quarks, die fraktionierte Ladungen tragen. Es gibt sechs Arten: Up, Down, Charm, Strange, Top und Bottom, jeweils in den "Farben" Rot, Grün und Blau.
Die vier fundamentalen Wechselwirkungen
- Starke Kernkraft: Intensivste Kraft, aber kurze Reichweite. Hält Quarks sowie Protonen und Neutronen zusammen.
- Elektromagnetische Wechselwirkung: Wirkt auf geladene Teilchen (anziehend oder abstoßend). Verantwortlich für die Stabilität von Atomen und Molekülen.
- Schwache Kernwechselwirkung: Sehr kurze Reichweite, verantwortlich für den Beta-Zerfall und Leptonen-Transformationen.
- Gravitation: Die schwächste Kraft, wirkt immer anziehend auf alle Massen. Sie hat eine unbegrenzte Reichweite und bestimmt die Struktur des Universums.