Klassifikation von Krankheiten, Gesundheit und Diagnose
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Klassifikation von Krankheiten
Genetische und degenerative Erkrankungen
Genetische Erkrankungen entstehen durch eine Modifikation des Genoms. Wird diese Veränderung des Genoms von Generation zu Generation weitergegeben, spricht man von einer Erbkrankheit. Liegt die Veränderung auf den Geschlechtschromosomen, handelt es sich um geschlechtsgebundene Erbkrankheiten, die meist nur ein Geschlecht betreffen. Eine Besonderheit sind Erkrankungen des mitochondrialen Genoms (mitochondriale DNA), die stets mütterlichen Ursprungs sind, da Mitochondrien über die Eizelle vererbt werden.
Degenerative Erkrankungen zeichnen sich dadurch aus, dass die Regenerationsfähigkeit des Körpers beeinträchtigt ist. Da der Körper sich ständig erneuert, unbrauchbare Teile abbaut und neue herstellt, führt ein Verlust dieser Fähigkeit zu Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer. In anderen Fällen, wie bei bestimmten Krebsarten, gerät die Zellregeneration außer Kontrolle und stoppt nicht.
Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen den eigenen Körper.
Exogene, infektiöse und umweltbedingte Krankheiten
Exogene Krankheiten werden durch äußere Faktoren verursacht. Dazu gehören unter anderem traumatische Erkrankungen, die das Ergebnis von Unfällen sind. Obwohl Erbkrankheiten oft als endogen eingestuft werden, können auch angeborene Krankheiten exogene Ursachen haben, wenn schädigende Einflüsse (wie Schocks, Erkrankungen der Mutter oder Schadstoffe) bereits vor der Geburt auf den Fötus einwirken.
Infektionskrankheiten werden durch mikroskopisch kleine Erreger wie Bakterien, Pilze, Viren, Protozoen, Viroide und Prionen verursacht. Zu den Infektionskrankheiten zählen auch sexuell übertragbare Geschlechtskrankheiten. Ist der Erreger hingegen makroskopisch (mit bloßem Auge erkennbar), spricht man von einer parasitären Erkrankung.
Ernährungsbedingte Krankheiten entstehen durch eine unzureichende oder fehlerhafte Ernährung. Ein Mangel an Vitaminen oder Nährstoffen wird durch eine Fehlernährung verursacht. Davon abzugrenzen sind iatrogene Krankheiten, die durch medizinische Behandlungen, Fehler oder Fahrlässigkeit entstehen.
Umweltkrankheiten werden durch Faktoren in der Umwelt ausgelöst, in der sich der Mensch bewegt. Besonders relevant sind hierbei berufsbedingte Erkrankungen, die durch das Arbeitsumfeld bedingt sind. Diese werden häufig durch Giftstoffe wie Schadstoffe oder auch durch Lebensmittelvergiftungen verursacht.
Allergische Erkrankungen, die manchmal fälschlicherweise als endogen eingestuft werden, entstehen durch eine unverhältnismäßige Überreaktion des Immunsystems. Haltungsschäden wiederum werden durch langanhaltende Fehlhaltungen verursacht.
Verlauf und Häufigkeit von Krankheiten
Krankheiten lassen sich auch nach ihrem Verlauf klassifizieren:
- Akut: Krankheiten mit einem klaren Anfang und einem schnellen Ende.
- Chronisch: Krankheiten, die keinen schnellen Verlauf nehmen und über einen langen Zeitraum bestehen.
Je nach Häufigkeit und Verbreitung in der Bevölkerung unterscheidet man:
- Pandemie: Eine weltweite Ausbreitung einer Krankheit.
- Epidemie: Ein gehäuftes Auftreten in einer bestimmten Region.
- Endemie: Ein dauerhaftes Vorkommen einer Krankheit an einem bestimmten Ort.
- Sporadisch: Krankheiten, die nur vereinzelt bei wenigen Personen auftreten.
Nach den betroffenen Organsystemen unterscheidet man zudem: Atemwegs- und Lungenerkrankungen, urogenitale Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Magen-Darm-Erkrankungen.
Gesundheit und ihre Dimensionen
Definition der WHO
Gesundheit kann als das Maß der funktionellen oder metabolischen Effizienz eines Organismus definiert werden – in unserem Fall bezogen auf den menschlichen Körper. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gesundheit ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Diese Definition wurde im Jahr 1946 formuliert. Moderne Definitionen betonen, dass Gesundheit nicht nur die bloße Abwesenheit von Krankheit ist, sondern ein eigenständiger, positiver Zustand des Wohlbefindens. Der Begriff ist somit sehr breit gefächert.
Bereiche der Gesundheit
- Psychische Gesundheit: Befasst sich mit der Prävention, Behandlung und Rehabilitation von Menschen mit psychischen Störungen. Dazu gehören auch Konflikte bezüglich der sexuellen Identität (z. B. wenn sich Personen einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen).
- Öffentliche Gesundheit (Volksgesundheit): Umfasst alle Maßnahmen der Gesundheitsförderung und des öffentlichen Gesundheitssystems (Krankenhäuser, Kliniken, Kampagnen, Öffentlichkeitsarbeit).
- Sexuelle Gesundheit: Bezieht sich auf die körperliche, geistige, emotionale und soziale Entwicklung der Sexualität. Während die körperlichen und emotionalen Aspekte das Individuum betreffen, hat die sexuelle Gesundheit auch eine gesellschaftliche Komponente.
- Reproduktive Gesundheit: Befasst sich mit den Prozessen, Organen und Systemen der Fortpflanzung. Dies reicht von sexuellen Dysfunktionen bis hin zu Sterilitätsproblemen. Sie umfasst zwei wesentliche Aspekte:
- Müttergesundheit: Die Gesundheit der Mutter vor, während und nach der Entbindung.
- Familienplanung: Die selbstbestimmte Geburtenregelung, einschließlich der Nutzung von Verhütungsmitteln und Schwangerschaftsabbrüchen (Abtreibungen).
- Umweltmedizin: Untersucht die physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse in der Umwelt, die die Gesundheit beeinflussen.
Zusätzlich beeinflussen Faktoren wie Hygiene, Ernährung und körperliche Aktivität die Gesundheit maßgeblich. Um Kontroversen zu vermeiden, konzentrieren wir uns im Folgenden auf die Ätiologie, also die Faktoren, die Krankheiten verursachen.
Krankheitsbegriff und Diagnoseverfahren
Eine Krankheit ist ein Zustand der Störung eines Lebewesens. Die Schädlichkeit (Noxe) ist der krankheitsauslösende Faktor, der innerer oder äußerer Natur sein kann. Die Diagnose ist das Verfahren zur Bestimmung des Gesundheits- oder Krankheitszustands.
Symptome und klinische Zeichen
Für eine Diagnose führt das medizinische Personal Untersuchungen durch, um klinische Anzeichen und Symptome zu erheben:
- Ein klinisches Zeichen ist objektiv beobachtbar und messbar (z. B. Blutdruck, Temperatur).
- Ein Symptom ist die subjektive Wahrnehmung des Patienten.
Jede Krankheit wird durch ein klinisches Bild definiert, also eine Reihe von klinischen Zeichen und Symptomen, die im zeitlichen Verlauf zusammenhängen. Basierend auf den Ursachen können Krankheiten endogen sein, wenn der Ursprung im Patienten selbst liegt.
Apparative Diagnostik
Reichen die grundlegenden körperlichen Untersuchungen nicht aus, kommen ergänzende apparative (instrumentelle) Verfahren zum Einsatz:
- Laboruntersuchungen: Meist biochemische Tests, die an Körperflüssigkeiten durchgeführt werden.
- Bildgebende Verfahren (TDI): Werden genutzt, um mithilfe spezieller Geräte Bilder aus dem Inneren des Körpers zu erstellen.
- Endoskopie: Das Einführen von Kameras über natürliche oder künstlich geschaffene Körperöffnungen.
- Biopsie: Die Entnahme einer Gewebeprobe zur anschließenden Analyse.