Klosterreformen und die Architektur des Mittelalters
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Symbolik und Architektur der Wehrkirchen
Einige Deutungen beziehen sich auf das himmlische Jerusalem oder die Wehrkirche. Die Problematik der Türme ist dabei nicht ohne militärischen Aspekt zu betrachten. Auch aus symbolischer Sicht könnten sie als eine Art Bollwerk gegen böse Mächte fungieren. Das Fehlen von schriftlichen Unterlagen und Möbeln gibt jedoch Anlass zu vielen Spekulationen.
Die Benediktinerreform von Benedikt von Aniane
Der Plan von St. Gallen gilt als Herkunft des klösterlichen Archetypus. Benedikt von Aniane (Benito de Aniano) war ein westgotischer Spanier, der am Hofe von Pippin dem Jüngeren und Karl dem Großen ausgebildet wurde.
- Bis Mitte des 8. Jahrhunderts zog er sich in die Abtei von Saint-Seine in Burgund zurück.
- Aufgrund der Laxheit der Mönche verließ er das Kloster und gründete 779 in Aniane (westlich von Montpellier) mit einigen Jüngern ein neues Kloster, wo er ein Einsiedlerleben führte.
- Er widmete sich der Anwendung der Regel des Hl. Benedikt von Nursia (ca. 480–547), deren strikte Einhaltung ihm praktikabler erschien.
Die Vereinheitlichung der Ordensregeln
Ludwig der Fromme, der Sohn Karls des Großen, rief ihn nach Aachen, um die Reform des Benediktinerordens einzuleiten und die Regeln zu vereinheitlichen. In Wirklichkeit war die Regel des Benedikt von Aniane keine autonome Ordensregel, sondern enthielt Anpassungen der ursprünglichen Benediktinerregel.
Das Compendium of Customs umfasst 77 Kapitel zu verschiedenen Aspekten:
- Gottesdienste, Bräuche und Rituale.
- Das praktische Leben im Kloster, Körperpflege und Kleidung.
- Die Hierarchie der Ämter sowie die Rangfolge nach Eintritt oder Alter.
- Regeln für Spenden an Arme, Wohnheime und Krankenhäuser.
Mit seinem Tod im Jahr 821 geriet der Prozess durch verschiedene Erkrankungen ins Stocken, doch die Grundlage für die spätere Benediktinerregel des 8. Jahrhunderts war gelegt.
Die Torhalle des Klosters Lorsch (778–784)
Heute ist nur noch die Halle zu sehen, die ursprünglich als monumentaler Portikus in der Achse des Tempels stand. Sie erscheint wie eine farbenfrohe Emulation aus verschiedenen Stein- und Keramikarten. Im Obergeschoss unter dem Satteldach befindet sich ein Festsaal, in dem die Kaiser-Dynastie empfangen wurde. Dies unterstreicht die besondere Verbindung der Klöster mit den Karolingern und anschließend den Ottonen (Unterkunft und Verpflegung).
Da keine Möbel erhalten sind, wurde vermutet, es handele sich um eine Königshalle. Andere sehen darin ein Gästezimmer oder einen Raum für Kranke. Details in den Bildern zeigen polychromen Marmor sowie klassische Elemente wie korinthische Pilasterkapitelle neben mittelalterlichen Einflüssen.
Der Plan des Klosters St. Gallen (816–836)
Dies ist das erste Zeugnis für die Organisation des monastischen Lebens im Westen. Der Plan war vermutlich dem Abt Gozbert gewidmet und stammt von der Reichenau (ca. 836). Es handelt sich wahrscheinlich um einen utopischen Idealplan für die Bedingungen in einem Kloster. Alle späteren Rekonstruktionen basieren auf diesem Dokument.
Details der Klosteranlage
Der Plan geht detailliert auf die Infrastruktur ein:
- Zentrum: Die Klosterkirche mit einem Kreuzgang auf der einen Seite und dem Refektorium.
- Kapitelsaal: Nicht explizit vorgesehen; man nimmt an, dass der Kreuzgang an der Kirche dafür genutzt wurde.
- Wirtschaft: Gebäude zur Lagerung von Korn und für die Textilherstellung, für die St. Gallen bekannt war.
- Versorgung: Ein Hospiz für Patienten sowie die Residenz des Abtes.
- Skriptorium: Unabhängig, aber mit der Kirche assoziiert (am Fuße des Chores).