Kriminologische Theorien: Von der Klassik bis Sutherland
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Die Klassische Schule der Kriminologie
Die Klassische Schule glaubt an eine höhere Ordnung. Es wird als positiv angesehen, dass Bildung und Freiheit wesentliche Werte zur Verringerung der Kriminalität sind. Die angewandte Methode ist abstrakt, formal und deduktiv. Sie basiert auf fünf Prinzipien: Der Fokus liegt primär auf dem strafrechtlichen Problem der Tat statt auf dem Täter, der Normalität des Täters, der Rationalität der Kriminalität sowie der situativen Erklärung des Vergehens. Zudem wird eine Reform zur Abmilderung des Sanktionssystems angestrebt, um dieses wirksamer zu gestalten. Kritisiert wird dieser Ansatz jedoch für das Ignorieren der Realität und des Täters, wobei der Kampf gegen die Kriminalität ausschließlich strafrechtlich geführt wird.
Mertons Anomietheorie
Robert K. Merton betrachtet die Anomie nicht als vorübergehende Abwesenheit von Regeln, sondern als dauerhaften Zustand durch die fehlende Korrelation zwischen kulturell erworbenen Wünschen und den Möglichkeiten zu ihrer Erreichung. Besonders benachteiligte Gruppen stehen durch das Fehlen von Möglichkeiten unter Stress. Die Reaktion darauf unterscheidet sich je nachdem, ob Ziele oder Mittel verändert werden. Es gibt fünf Typen (CIRRR): Konformität, Innovation, Ritualismus, Rückzug und Rebellion.
Hirschi und die Theorie der sozialen Bindungen
Nach Travis Hirschi ist Kriminalität ein Produkt mangelnder starker sozialer Bindungen. Die Mechanismen der sozialen Bindungen sind: Attachment (Bindung an andere Menschen), Commitment (Angst vor dem Verlust des sozialen Status), Involvement (Beteiligung an herkömmlichen Aktivitäten) und Belief (Überzeugung von Pro-Werten). Der Kontext einer Störung dieser sozialen Bindungen umfasst: mangelnde Zusammenarbeit mit Eltern, Schule, Gleichaltrigen und soziales Handeln.
Paradigmen der Kriminologie
Paradigmen sind die Antworten, welche die verschiedenen Theorien zulassen: das Paradigma des freien Willens, das wissenschaftliche Paradigma und das Paradigma des sozialen Konflikts.
Eysencks Modell der kriminellen Persönlichkeit
Hans J. Eysenck bietet ein Modell der kriminellen Persönlichkeit mit drei Säulen:
- Introvertiert: Benötigt weniger äußere Reize, verinnerlicht Regeln schnell und erzeugt bedingte Reaktionen rascher.
- Extravertiert: Hoher Bedarf an Stimulation, lernt Regeln langsamer und neigt eher zu antisozialem Verhalten.
- Neurotizismus: Schwierigkeiten bei der Kontrolle des sympathischen Nervensystems, Unruhe und emotionale Fehlanpassung; reagiert leicht auf äußere Reize.
- Psychotizismus: Hohe Androgenspiegel, grausam, Suche nach starken Gefühlen.
Ein Täter sollte idealerweise eine hohe Punktzahl in allen drei Säulen aufweisen.
Sheldons Körperbautypen
William Sheldon definiert drei verschiedene Körperformen:
- Endomorph: Bequem, langsam, gierig, umgänglich, extravertiert.
- Mesomorph: Unternehmungslustig, energisch, kühn.
- Ektomorph: Einsam, introvertiert, zurückhaltend.
Täter sind laut Sheldon meist dem mesomorphen Typ zuzuordnen.
Sutherland und die Theorie der differenziellen Kontakte
Für Edwin Sutherland ist Kriminalität nicht das Ergebnis der Ungeeignetheit von Subjekten der unteren Klasse. Vielmehr reicht die Erziehung oft nicht aus, um in einem Umfeld von Kriminalität zu bestehen, oder bestimmte Persönlichkeitsmerkmale kommen zum Ausdruck. Seine Thesen: Kriminelles Verhalten wird gelernt, geschieht im Kontakt mit anderen und entwickelt sich in kleinen Gruppen. Die übertragene Motivation ist im entscheidenden Moment gefragt, wenn man kriminellen Handlungen gegenüber herablassend bzw. aufgeschlossen gegenübersteht.