Die Krise der Restauration in Spanien (1902–1923)

Eingeordnet in Geschichte

Geschrieben am in mit einer Größe von 4,51 KB

Die Krise der Restauration (1902–1923)

1. Einleitung: Die sozio-politische Situation in Spanien

Im Jahr 1900 war Spanien ein Agrarland, in dem die ländliche Bevölkerung in Armut lebte. Diese Rückständigkeit war auf die ungleiche Verteilung des Reichtums, insbesondere des Grundbesitzes, zurückzuführen. Dies förderte die Entwicklung einer sehr kämpferischen Arbeiter- und Bauernbewegung. Zudem herrschte ein kultureller Rückstand mit einer sehr hohen Analphabetenrate (56 % der Männer und 72 % der Frauen). Diese Bedingungen begünstigten ein korruptes politisches System, das auf Despotismus basierte. Spanien stand zudem vor einem ernsten militärischen Problem: Eine Armee, die durch die Niederlage von 1898 gedemütigt, schlecht ausgerüstet und mit einem Überschuss an Offizieren belastet war.

2. Politische Entwicklungen: Die Phase der Regeneration

a) Regierung Maura: Revolution von oben und die Tragische Woche

Die Katastrophe von 1898 erzeugte Enttäuschung und einen tiefen Pessimismus im ganzen Land. 1902 erreichte Alfonso XIII das Volljährigkeitsalter, und Politiker, beeinflusst durch regenerationistische Strömungen, versuchten, die bestehenden Probleme zu lösen. Das Land benötigte eine „Regeneration“ auf Basis ethischer Normen, Staatsreformen, wirtschaftlicher Entwicklung und der Förderung der öffentlichen Bildung.

Maurismo (1903–1909): Maura vertrat einen autoritären Reformismus. Seine Regierungen scheiterten jedoch an der wachsenden Opposition:

  • Krise in Katalonien: Die Lliga Regionalista erzielte Wahlerfolge in Barcelona. Als Rivalen traten die Radikale Partei und Sozialisten auf.
  • Anarchismus: Die Arbeiterbewegung organisierte sich neu (Gründung der CNT 1910).
  • Der Rif-Krieg und die Tragische Woche: Die spanische Präsenz in Marokko diente nicht nur dem Schutz von Ceuta und Melilla, sondern auch kolonialen Interessen. Die Mobilisierung der Armee führte 1909 in Barcelona zu einem Generalstreik, der in einen unkontrollierten Aufruhr mündete.

Die Krise von 1909: Die Auswirkungen der „Tragischen Woche“ führten zum Rücktritt Mauras und zum Ende der friedlichen Koexistenz zwischen Konservativen und Liberalen.

b) Regierung Canalejas: Die liberale Reform (1910–1914)

Canalejas unternahm einen neuen Versuch zur Regeneration durch die Stärkung der zivilen Macht, ohne die Interessen der Kirche zu gefährden. Die Reformagenda scheiterte jedoch. Das Attentat auf Canalejas im Jahr 1912 löste einen internen Machtkampf in der Liberalen Partei aus.

3. Der Zusammenbruch des Systems (1914–1923)

a) Auswirkungen des Ersten Weltkriegs

Die spanische Neutralität beeinflusste die Wirtschaft massiv: Die Notwendigkeit der Selbstversorgung und Exporte in kriegführende Länder führten zu einer starken Kapitalanhäufung und steigenden Gewinnen, jedoch auch zu einem rein spekulativen Wirtschaftsmodell.

b) Die Krise von 1917

Die Spaltung der dynastischen Parteien führte 1917 zur endgültigen Krise. Eine Allianz aus Katalanisten, Reformern, Republikanern und Sozialisten forderte eine verfassunggebende Versammlung. Ein revolutionärer Generalstreik wurde von der Armee niedergeschlagen.

c) Regierungen der Konzentration und soziale Unruhen

Zwischen 1917 und 1923 war das Land von einer starken Arbeiterbewegung und sozialen Konflikten geprägt. Die „Jährliche Katastrophe“ (Desastre de Annual) im Rif-Krieg, bei der 12.000 Soldaten starben, erschütterte das System endgültig und ebnete den Weg für einen Militärputsch.

4. Die Diktatur von Primo de Rivera

Der Putsch von Primo de Rivera (PDR) wurde vom König und den Arbeitgeberverbänden unterstützt. Er zielte auf ein neues System, das leicht vom italienischen Faschismus inspiriert war.

4.1. Das autoritäre Regime

Die Verfassung wurde suspendiert, Parteien und Gewerkschaften verboten. Die Diktatur versuchte, sich institutionell zu festigen, scheiterte jedoch langfristig. Der Rif-Krieg wurde durch die Landung von Alhucemas (1925) erfolgreich beendet.

4.2. Wirtschaftspolitik

Die Diktatur setzte auf ökonomischen Nationalismus, Monopole und staatlichen Interventionismus. Infrastrukturprojekte (Straßen, Eisenbahn, Bewässerung) wurden vorangetrieben. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 entzog dem Regime jedoch die Unterstützung, was am 28. Januar 1930 zum Rücktritt des Diktators führte.

Verwandte Einträge: