Kulturelle Anthropologie: Von der Altsteinzeit zum Staat
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Was ist kulturelle Anthropologie?
Die Anthropologie und Ethnologie studieren den Lebensstil verschiedener Menschengruppen und die Veränderungen, denen sie unterzogen wurden. Dabei werden nicht nur materielle Aspekte berücksichtigt, sondern auch der symbolische Charakter der Kultur geprüft. Dies umfasst die Art und Weise, wie der Mensch die Wirklichkeit interpretiert, aufbaut und ausdrückt.
Menschliches Sozialverhalten ist nicht nur das Ergebnis materieller Bedingungen, sondern auch symbolischer Reaktionen auf kulturelle Konflikte. Diese Situationen erfordern eine Orientierung und ein Verständnis der Umwelt sowie der menschlichen Beziehungen.
Interpretative Anthropologie
Die interpretative Anthropologie untersucht kulturelle Ausdrucksformen, um deren Bedeutung zu verstehen. Zudem versucht sie, die Evolution der Gesellschaft seit den ersten menschlichen Gemeinschaften in der Altsteinzeit (ca. 35.000 v. Chr.) zu rekonstruieren.
Egalitäre Gesellschaften der Altsteinzeit
Die ersten menschlichen Gruppen waren egalitäre Gesellschaften, deren Wirtschaft auf Jagd und Sammeln basierte:
- Austausch und Gegenseitigkeit: Nahrung wurde als Basis für alle zu gleichen Teilen verteilt.
- Führung: Der Clan-Anführer war ein erfahrener Mann, der als Vermittler oder Ratgeber bei Entscheidungen fungierte.
- Lebensweise: Sie waren Nomaden, die in Hütten oder Höhlen lebten und dort ihre künstlerischen und magischen Ansichten über das Leben hinterließen.
Der Übergang zu landwirtschaftlichen Gesellschaften
Ab 8000 v. Chr. entstanden als Reaktion auf Umweltveränderungen landwirtschaftliche Gesellschaften. Da das Großwild abnahm und die Bevölkerung wuchs, war der Mensch gezwungen, Ressourcen durch Pflanzenanbau und Tierdomestikation zu sichern.
Der Mensch wurde sesshaft, und seine Wirtschaft basierte nun auf der Akkumulation und Umverteilung kontrollierter Ressourcen.
Soziale Hierarchien und Spezialisierung
In diesen Gesellschaften gab es einen Häuptling, der für die Sammlung und Lagerung von Lebensmitteln verantwortlich war, um Mangelzeiten zu überbrücken. Dies ermöglichte ihm und seinen Untergebenen ein Leben gemäß ihrem Rang. Zudem konnten Kriegshäuptlinge aufsteigen, was zur Entstehung spezialisierter sozialer Gruppen führte (Militär, Religion, Verwaltung, Handwerk).
Die Entstehung der ersten Staaten
Die Bedingungen, die den Übergang von primitiven Gesellschaften zum Staat kennzeichnen, sind:
- Starke Zentralisierung der Macht
- Erhöhung der sozialen Schichtung
- Klare Trennung von Funktionen
- Ungleichheit in der Verteilung von Reichtum
- Stadtentwicklung
- Bemerkenswerte kulturelle Entwicklung
Diese Organisationsform trat erstmals um 3500 v. Chr. im Nahen Osten (Sumer, Mesopotamien) auf, gefolgt vom Industal, dem Gelben Fluss, Mittelamerika und Ägypten. Mit dem Staat wuchsen Städte, es entstanden Rechtssysteme sowie kulturelle Errungenschaften wie die Schrift, wissenschaftliche Untersuchungen und religiöse Ausdrucksformen.
Soziale Identität und Sozialisation
Die Anthropologie befasst sich damit, wie die menschliche Spezies sozialisiert wurde. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Ebenen:
- Soziale Identität: Ermöglicht es uns, gemeinsame Werte mit anderen zu teilen.
- Persönliche Identität: Ermöglicht es uns, als einmalig und einzigartig wahrgenommen zu werden.
Formen der Sozialisation
Sozialisation ist der Prozess, durch den ein Individuum die Kultur der Gesellschaft, in der es lebt, verinnerlicht. Dies prägt die Identität und die Entwicklung als Person.