Die Kunst der Argumentation: Struktur, Typen und Überzeugungstechniken
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Grundlagen der Argumentation
Argumentation ist eine Form des Diskurses, mit dem eine Meinung verteidigt und ein Empfänger mithilfe von Beweisen und Begründungen überzeugt werden soll. Sie wird hauptsächlich verwendet, um Themen zu entwickeln, die unterschiedliche Ansichten zulassen.
Arten von Argumenten
- Faktenargumente: Fakten dienen als Schlussfolgerung. Es wird gezeigt, dass ein Ereignis eintritt oder eingetreten ist.
- Meinungsargumente: Basieren auf persönlichen Überzeugungen, kollektiven Überzeugungen, Vorurteilen oder Wertehierarchien.
Pragmatische Aspekte der Argumentation
Kommunikative Absicht und Funktion
Es gibt zwei unterschiedliche kommunikative Funktionen:
- Referenziell (Information): Informationen werden übermittelt (z. B. Rauchen ist schädlich).
- Konativ/Appellativ (Überzeugung): Es wird versucht, den Empfänger zu überzeugen (z. B. in diesem Fall, das Rauchen aufzugeben).
Der Sender versucht, den Empfänger von der eigenen Sichtweise zu überreden und Vertrauen in die Stärke der präsentierten Argumente zu schaffen. Häufig werden auch Elemente der expressiven Funktion verwendet.
Rolle von Sender und Empfänger
Der Sender
Die Haltung des Senders ist subjektiv, da er eine persönliche Meinung darlegen möchte. Da er jedoch versucht, den Empfänger zu überzeugen, strebt er ein objektives Erscheinungsbild an (je objektiver er erscheint, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Empfänger das Argumentierte akzeptiert). Der Sender kann individuell (eigene Meinung) oder kollektiv (Gruppe, Unternehmen) sein.
Der Empfänger
Der Empfänger kann sowohl individuell als auch kollektiv sein. Auch wenn sich der Text an eine bestimmte Person richtet, ist das eigentliche Ziel oft viel breiter gefasst, um möglichst viele Menschen mit der Botschaft zu erreichen.
Argumentationssituationen (Bilateral vs. Unilateral)
Die Situation kann sowohl das Familienleben als auch Arbeitsbeziehungen betreffen. Wir unterscheiden zwei allgemeine Situationen:
- Bilateraler Text: Richtet sich an eine Person, die bei der Kommunikation anwesend ist und reagieren kann (z. B. in Debatten, Diskussionen). Diese Texte sind oft offen (weniger geplant) und unterliegen ständigen Änderungen.
- Unilateraler Text: Richtet sich an einen Empfänger, der nicht unmittelbar reagieren oder selbst als Sender agieren kann (z. B. in Zeitungsleitartikeln, Stellungnahmen). Diese Texte sind sorgfältig geplant, wodurch Gegenargumente antizipiert und widerlegt werden können.
Strukturelle Aspekte: Aufbau des Argumentationstextes
Die These (Hauptgedanke)
Die These ist der Grundgedanke, auf dem die Argumentation basiert und den der Autor beweisen möchte. Sie ist nicht dasselbe wie das „Thema“, da die These die Meinung des Autors beinhaltet. Sie kann am Anfang oder am Ende des Textes erscheinen oder auch fehlen (implizite These, die der Empfänger selbst ableiten muss). Sie kann einfach oder komplex sein (wenn sie mehrere Ideen enthält, die im gesamten Text aufgereiht sind).
Der Argumentationskörper
Die Argumente sind die Gründe oder Ideen, die der Autor verwendet, um seine These zu bestätigen. Sie sind vielfältig und können unterschiedliche Funktionen haben:
- Argumente zur Unterstützung der These.
- Einräumung der gegenteiligen Ansicht (Awards).
- Widerlegungen, die die Gegenthese entkräften oder leugnen.
- Gegenargumente.
Logische Verfahren (Deduktiv vs. Induktiv)
Es gibt zwei grundlegende Strukturen, die auf logischen Denkverfahren beruhen:
- Deduktives Verfahren: Geht von einer allgemeinen Idee aus, um zu einer konkreten Schlussfolgerung zu gelangen.
- Induktives Verfahren: Geht von Fakten aus, um eine allgemeine Idee zu entwickeln, die diese erklärt.
Die vier Teile eines argumentativen Textes
Ein argumentativer Text besteht typischerweise aus vier Teilen:
- Einleitung: Dient dazu, das Problem zu umreißen, die Aufmerksamkeit des Empfängers zu gewinnen oder ihn durch rhetorische Mittel für sich einzunehmen.
- Darlegung (Exposition): Informiert den Empfänger über die wichtigsten Fakten, die sich auf die These oder die zu verteidigende Idee beziehen. Sie muss klar und prägnant sein.
- Begründung (Argumentation): Hier werden die Beweise oder Argumente zur Untermauerung der These präsentiert. Man unterscheidet die Argumentationskette (Ideen werden logisch voneinander abgeleitet, um zur Schlussfolgerung zu gelangen) und die Summationsargumentation (die These wird durch die Summe verschiedener Argumente bewiesen).
- Schlussfolgerung (Fazit): Fasst die Argumentation zusammen, bekräftigt die These als bestätigt, resümiert die wichtigsten Ideen oder schließt den Text auf geschickte Weise ab.
Sprachliche Aspekte und Stilmittel
Die sprachlichen Mittel dienen dazu, den Adressaten wirksam zu beeinflussen und zu überzeugen. Die wichtigsten Ziele sind Konsistenz, Klarheit und der emotionale Nutzen.
Morphosyntaktische und lexikalische Merkmale
- Tendenz zu technischem, denotativem Vokabular.
- Verwendung von Deklarativsätzen in Fachtexten; Ausrufe-, Frage- oder Zögernsätze in Texten, in denen die Haltung des Autors hervorgehoben werden soll.
- Die Syntax ist oft komplex. Die Subordination (Unterordnung von Satzteilen) überwiegt.
- Erläuternde Absätze sind häufig.
Klassifikation der Argumente
Nach Überzeugungskraft
Damit ein Argument überzeugen kann, muss es folgende Eigenschaften aufweisen: Gültigkeit, Relevanz und Kraft.
Nach argumentativer Funktion
Die Hauptfunktion ist die Überprüfung der These, wobei jedes Argument die Idee unterstützen soll.
- In bilateralen Argumentationen wird die Ansicht des Sprechers dargelegt, wobei man zwischen unterstützenden Argumenten und Gegenargumenten (die die entgegengesetzte Idee entkräften sollen) unterscheidet.
- In unilateralen Argumentationen wird die gegenteilige Ansicht berücksichtigt, indem Einwände und Argumente aus verschiedenen Positionen aufgenommen werden. Dies geschieht oft durch den Mechanismus der Einräumung und Entgegnung (der Gegenstandpunkt wird kurz erwähnt und dann mit einem gewichtigeren Argument widerlegt).
Nach Zweck und Ziel
Die grundlegenden Zwecke der Argumentation sind:
1. Persuasion (Überredung)
Die Funktion ist es, den Empfänger emotional zu bewegen. Hierfür werden emotionale Argumente genutzt, die eine emotionale Reaktion beim Empfänger hervorrufen. Häufig verwendete Beispiele sind der Vergleich und das Ursache-Wirkung-Prinzip.
2. Rationale Beweisführung (Show)
Dies erfolgt durch rationale Argumente, die auf Fakten basieren. Bei der Argumentation über Sachverhalte gibt es zwei Formen rationaler oder logischer Argumente, die auf den logischen Prinzipien der menschlichen Vernunft basieren:
Das Syllogismus-Argument
Seine Grundform ist der Syllogismus, eine Argumentation, die aus zwei Prämissen (z. B. Menschen sind sterblich. Sokrates ist ein Mensch.) und einer Schlussfolgerung (z. B. Also ist Sokrates sterblich.) besteht.
Argumente basierend auf logischen Beziehungen
Logische Beziehungen sind konkret-abstrakt, allgemein-individuell. Darauf basieren zwei der gängigsten Argumente:
- Das Beispiel: Ein konkreter Fall wird mit einem realen Fall verglichen, in dem die These wahr ist.
- Der Umkehrschluss: Im Gegensatz zum Beispiel wird eine allgemeine Idee verwendet, um eine Aussage über eine bestimmte Tatsache zu bestätigen.
- Das Analogie-Argument: Die zu argumentierende Tatsache wird mit einem anderen ähnlichen Ereignis in Beziehung gesetzt, sodass angenommen wird, dass das, was für das eine wahr ist, auch für das andere gilt (z. B. Vergleich, Metapher).