Kunst und Gestaltung im Barock: Epoche und Merkmale

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Grundlagen der Gestaltung

Die visuelle Gestaltung folgt bestimmten psychologischen Wirkungsweisen:

  • Kreis (Θ): Wirkt in sich geschlossen, harmonisch, vollkommen und unendlich.
  • Querformat (▬): Wirkt stabil, ruhig, sicher, tragend, schwer und breit.
  • Dreieck (Δ): Wirkt dynamisch; das Auge bleibt am spitzesten Winkel haften und sucht in dieser Richtung weiter; stabil und aufstrebend.
  • Umgekehrtes Dreieck (▽): Wirkt instabil, abstrebend und unnatürlich.

Ebenen: Höher, Vordergrund, Hintergrund. Die Mittelsenkrechte steht für Standhaftigkeit, Ruhe, Gelassenheit und Selbstbewusstsein.

Der Barock (1590–1720): Historischer Kontext

Der Barockstil entstand in Italien als Ausdrucksmittel eines gegenreformatorischen und absolutistischen Repräsentationsbedürfnisses von katholischer Kirche und Feudaladel. Diese Zeit schlug die Brücke zwischen dem Beginn der Neuzeit mit ersten bedeutenden naturwissenschaftlichen Entdeckungen und technischen Erfindungen sowie dem Beginn der Aufklärung.

Trotz Kriegen (wie dem Dreißigjährigen Krieg), Inquisition und absolutistischer Herrschaft (Ludwig XIV.) waren diese Jahre die Lehr- und Wanderjahre der Moderne. Neue Freiheiten in der Wissenschaft führten dazu, dass Kunst als Ausdruck des Individuums galt. Der Barock akkumulierte Erkenntnisse, die die Basis für das bürgerlich-industrielle Zeitalter bildeten.

Gesellschaftliche Einflüsse

Nach dem Augsburger Religionsfrieden wurde die Konfession zum politischen Faktor. Während Südeuropa und Frankreich katholisch geprägt waren, setzte sich in Nord- und Mitteleuropa der reformierte Glaube durch. Gesellschaftlich war der Barock durch die Auseinandersetzung von Adel und Kirche mit dem aufstrebenden Bürgertum um die politische Vormacht geprägt.

Malerei im Barock

Die Malerei reagierte ästhetisch und inhaltlich auf die Denkstrukturen des Mittelalters und die in der Renaissance wiederbelebten Ideale der Antike. Die ästhetischen Positionen des Manierismus wurden revidiert. Leonardo da Vinci vertrat den Standpunkt, dass der Maler mit wissenschaftlichen Methoden arbeiten müsse, was der Idee des universalen Menschen zugrunde lag.

  • Naturalismus: Die Umwelt wurde möglichst naturalistisch dargestellt.
  • Emanzipation: Künstler lösten sich von kirchlichen und adligen Auftraggebern, was zu neuen Motiven wie dem Stillleben führte.
  • Dynamik & Beleuchtung: Szenen wirken wie Momentaufnahmen. Dynamik wird durch Gruppenkompositionen, Diagonalen und Schwünge erzeugt. Ein ausgeprägter Kontrast zwischen Hell und Dunkel (Chiaroscuro) unterstützt die Dynamik und gliedert den Raum.

Allegorie, Metapher und Vanitas

Typische Symbole der Vergänglichkeit (Vanitas):

  • Totenkopf: Tod und Vergänglichkeit des Menschen.
  • Sanduhr: Vergehen der Zeit und Endlichkeit des Lebens.
  • Musikinstrumente: Freude, Carpe diem, das Menschliche.
  • Seifenblase: Zerbrechlichkeit und kurze Lebensdauer.
  • Blumen: Vergänglichkeit und das Los des Verblühens.
  • Früchte: Verfaulendes Obst als Zeichen der Nähe des Todes.
  • Schmuck: Vergänglichkeit der Schönheit.
  • Kerze: Brennend symbolisiert sie das Leben, erlöschend den Tod.
  • Kronen/Globus: Kurzlebigkeit menschlicher Macht gegenüber der Ewigkeit.
  • Spiegel: Hinweis auf menschlichen Wankelmut.

Skulptur im Barock

Die barocke Skulptur zeichnet sich durch einen starken Bewegungsdrang, Prachtentfaltung und Illusionismus aus. Sie verschmilzt mit Architektur und Malerei zum Gesamtkunstwerk. Merkmale sind:

  • Dramatische Gebärdensprache und Interaktion der Figuren.
  • Öffnung zum Raum und komplexe Ansichten.
  • Verlebendigung der Oberfläche durch Texturen und Materialien.
  • Einsatz von Licht und Schatten zur Steigerung der natürlichen Wirkung.

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