La Celestina: Analyse, Handlung und Charaktere der Tragikomödie

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Fernando de Rojas und die Entstehung des Werkes

Autor und Kontext

Fernando de Rojas, geboren um 1476 in Montalbán (Toledo), stammte aus einer Familie jüdischer Konvertiten. Er studierte Rechtswissenschaften in Salamanca, war Anwalt in Talavera und wurde dort 1540 Bürgermeister.

Publikationsgeschichte

Die Erstausgabe (vermutlich 1499) enthielt 16 Akte und trug den Titel Comedia de Calisto y Melibea. Die zweite Ausgabe (Burgos, 1500/1501) enthielt 16 Akte, einen Prolog und zwei Gedichte. Die dritte Ausgabe (Toledo, 1502) wurde zur Tragicomedia de Calisto y Melibea erweitert und umfasste 21 Akte. 1550 wurde eine Ausgabe veröffentlicht, die den Titel La Celestina trug.

Genre und Form

Das Werk, das von der Figur der Kupplerin dominiert wird, ist hauptsächlich durch Dialog und Handlung gekennzeichnet. Obwohl es dramatische Elemente enthält, verweisen die Länge, die detaillierten Monologe und die häufigen Szenenwechsel auf die Prosa. Es ist zu umfangreich für eine Aufführung und war primär zum Lesen gedacht. Heute wird es oft als Dialogroman betrachtet.

Die Handlung der Tragikomödie

Calisto trifft Melibea zufällig und verliebt sich sofort. Als sie ihn abweist, schlägt sein Diener Sempronio vor, die Hilfe der Heiratsvermittlerin Celestina in Anspruch zu nehmen. Celestina gelingt es, Melibea zu beeinflussen, sodass diese sich ebenfalls verliebt. Aus Dankbarkeit erhält Celestina ein Medaillon. Da sie sich weigert, dieses mit Calistos gierigen Dienern (Sempronio und Pármeno) zu teilen, wird sie von ihnen ermordet. Die Diener werden daraufhin verfolgt und hingerichtet.

Bei einem nächtlichen Besuch bei Melibea stürzt Calisto von einer Leiter und stirbt. Melibea, verzweifelt über den Tod ihres Geliebten, wirft sich vom Turm. Das Werk endet mit dem Klageschrei von Pleberio, Melibeas Vater.

Aufbau der 21 Akte

Die 21 Akte gliedern sich wie folgt:

  • Akt I: Annäherung und Beginn der Handlung.
  • Akte II–XII/XIII: Entwicklung der Konflikte und der leidenschaftlichen Liebe.
  • Akte XIV–XXI: Tragisches Ende, gipfelnd im Klageschrei Pleberios.

Stil und Sprache

Der Stil zeichnet sich durch einen großen Reichtum der Sprache aus, der sowohl kultivierte als auch volkstümliche Sprachebenen vereint.

Sprachgebrauch und Dialekt

Melibea und Calisto verwenden eine kultivierte, oft überhöhte Sprache. Celestina und die Diener nutzen eine volkstümliche Sprache, gespickt mit Sprichwörtern und Redewendungen.

Diskursformen

Das Werk nutzt verschiedene Diskursformen:

  • Monologe: Zur Darstellung innerer Gedanken und Überlegungen der Charaktere.
  • Asides: Indirekte Ansprachen, die für den Leser oder das Publikum bestimmt sind.

Charaktere und soziale Welten

Die Tragikomödie stellt zwei soziale Welten gegenüber: die Herren und die Knechte. Die zentrale Figur, die diese Welten verbindet, ist Celestina.

Die Herren

  • Calisto: Reich, auf Liebe fixiert, launisch und egoistisch.
  • Melibea: Zunächst gehorsam gegenüber ihren Eltern (Pleberio und Alisa), später leidenschaftlich und vertrauensselig.
  • Pleberio: Reicher Kaufmann, sympathisch und aufmerksam. Sein Klageschrei am Ende ist zentral.
  • Alisa: Melibeas Mutter, die ihrem Gatten gehorcht.
  • Lucrecia: Melibeas Zofe.

Die Kupplerin und die Knechte

  • Celestina: Die zentrale Figur. Bekannt für ihre Intelligenz und Manipulationsfähigkeit. Sie ist eine gewissenlose Kupplerin, Kräuterfrau und Händlerin, getrieben von Gier, die zu ihrem Tod führt.
  • Sempronio & Pármeno: Calistos Diener. Gierig und die Hauptkomplizen Celestinas.
  • Elicia & Areúsa: Schülerinnen Celestinas, Prostituierte, neidisch auf Melibea.

Zentrale Themen

Das Werk behandelt mehrere tiefgreifende Themen:

  • Liebe und Leidenschaft: Das Hauptthema. Die Liebe manifestiert sich als unkontrollierte, leidenschaftliche Kraft, die zum tragischen Ende führt.
  • Tod und Gier: Die ungezügelte Gier der Diener und Celestinas führt zu Mord und Tod (Sempronio, Pármeno, Celestina).
  • Vergänglichkeit: Das Werk ist durchzogen von Hinweisen auf die Vergänglichkeit von Freude und Leben.
  • Abkehr vom Mittelalter: Pleberios Sicht auf den Tod als endgültiges Ende markiert eine Abkehr von mittelalterlichen religiösen Vorstellungen.

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