Lacke, Farben und Bindemittel: Grundlagen, Typen und Anwendung

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Lacke und Farben: Grundlagen

Farbe besteht aus Pigmenten, die dem Anstrich Farbe und Deckkraft verleihen, sowie aus einem Bindemittel, das die Pigmente zu einem Film verbindet. Hinzu kommen Lösungsmittel bzw. Verdünnungsmittel, die die Verarbeitung ermöglichen.

Bindemittel

Das Bindemittel bildet den eigentlichen Schutzfilm. Man unterscheidet:

  • Natürliche Bindemittel: tierische und pflanzliche Öle, Harze wie Kolophonium, Schellack oder Leime aus tierischen und pflanzlichen Rohstoffen.
  • Synthetische Bindemittel: Alkydharze, Epoxidharze, Polyurethane, Acrylate, Silikonharze und Chlorkautschuk.
  • Mineralische Bindemittel: Kalk- und Zementputze, die mit Wasser abbinden.

Trocknende Öle wie Leinöl härten durch Oxidation aus, halbtrocknende Öle wie Sojaöl nur langsam, nicht trocknende Öle gar nicht.

Lösungsmittel

Lösungsmittel lösen das Bindemittel und regeln die Viskosität. Bekannte Beispiele sind Terpentinersatz, Testbenzin, Spiritus, Benzol und Methylethylketon (MEK). Wasser dient als Lösungsmittel bei wasserverdünnbaren Farben.

Weichmacher

Weichmacher verbessern die Flexibilität des Films und verhindern Rissbildung. Natürliche Weichmacher sind Öle, künstliche etwa Glycerin oder Phthalate.

Trocknungsbeschleuniger

Trockenstoffe beschleunigen die Oxidation der Fettsäuren in Ölen und Alkydharzen. Verwendet werden insbesondere Kobalt-, Mangan- und Bleiverbindungen; Bleiverbindungen sind aufgrund ihrer Giftigkeit heute weitgehend verboten.

Pigmente

Feine Pigmente geben dem Anstrich Farbe, Deckvermögen und Schutz. Sie können anorganischen oder organischen Ursprungs sein.

Lacktypen im Überblick

Wasserlacke und Dispersionsfarben

Filmbildende Stoffe sind in Wasser emulgiert. Sie sind umweltfreundlicher und für Innenräume geeignet.

Öllacke und Alkydharzlacke

Trocknende Öle und Harze bilden einen glänzenden, harten Film. Sie werden mit Kohlenwasserstoff-Lösungsmitteln verarbeitet und trocknen langsam.

Chlorkautschuklacke

Beständig gegen alkalische Medien und Wasser, daher geeignet für Schwimmbäder und Bauwerke.

Epoxidharzlacke

Epoxidharz mit Härter bietet hohe chemische Beständigkeit und Wasserdichtigkeit. Einsatz z. B. in Industrie und Schwimmbecken.

Polyurethanlacke

Ein- oder Zweikomponenten-Systeme mit hoher Glanzbeständigkeit und Widerstandsfähigkeit. Sie sind jedoch empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Alkohol.

Nitrocelluloselacke

Schnell trocknend und für Holz sowie Metall geeignet. Sie sind für den Außenbereich nur bedingt tauglich.

Pulverlacke

Werden elektrostatisch aufgetragen und eingebrannt; sie bieten einen dauerhaften Korrosionsschutz für Metalle.

Spezialbeschichtungen

Korrosionsschutz

Schutzlacke hemmen den elektrochemischen Rostprozess an Eisenmetallen. Typen sind Bitumen-, Fett- und Wachsbeschichtungen sowie opfernde Abziehlacke für den vorübergehenden Schutz.

Brandschutz

Intumeszierende Beschichtungen schäumen im Brandfall auf und bilden eine poröse, isolierende Schicht, die die Flamme abhält.

Aluminiumlacke

Aluminiumpigmente bilden eine wasserdichte Schutzschicht gegen Hitze und Witterung und sind zugleich dekorativ.

Gips-, Relief- und Strukturbeschichtungen

Gipspasten und mineralische Beschichtungen mit Kunstharzzusatz werden für Reliefs und Strukturen eingesetzt. Dickschichtpasten aus Kunststoff mit mineralischen Füllstoffen ergeben strukturierte Oberflächen. Marmolinas sind transparente Farben mit Marmorkorn, die wasserdichte und dauerhafte Pflaster ermöglichen.

Entfernen alter Beschichtungen

Abbeizer entfernen getrocknete Farbe, Tempera oder Kalkanstriche. Sie werden mit Pinsel aufgetragen oder mechanisch mit Schleifpapier entfernt. Kunststoffbeschichtungen lassen sich mit Sodalösung behandeln.

Häufige Mängel und ihre Ursachen

  • Blasenbildung und Quellung: Feuchtigkeit im Untergrund oder Unverträglichkeit der Schichten.
  • Rissbildung: Dimensionsänderungen des Untergrunds oder zu dicker Auftrag.
  • Abblättern: schlechte Haftung durch ungenügende Vorbehandlung oder Verschmutzung.
  • Pulverbildung (Kreiden): zu wenig Bindemittel in der Farbe.

Kontrolle und Berechnung

Die Qualität einer Beschichtung wird durch Prüfung der Schichtdicke und Haftung kontrolliert. Für theoretische Betrachtungen gilt die Beziehung Rp = Rt × fa × fr, wobei die einzelnen Faktoren die Einflüsse auf die Beständigkeit beschreiben.

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