Lagerung, Transport und Beschaffung: Logistik-Grundlagen
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Lagerung
Die grundlegende Aufgabe eines Lagers besteht in der wirtschaftlichen Abstimmung unterschiedlich dimensionierter Güterströme.
- Ausgleichsfunktion: zeitlich und mengenmäßig
- Sicherungsfunktion: Risikokompensation gegen Produktionsstörungen, Lieferverzögerungen und Bedarfsschwankungen
- Assortierungsfunktion: Sortimentsbildung
- Spekulationsfunktion: Abfangen vermuteter Preiserhöhungen
- Veredelungsfunktion: Reifungs- und Trocknungsprozesse
Zentrales Lager vs. dezentrale Lagerhaltung
Zentrales Lager
Vorteile:
- Geringere Materialvorräte
- Bessere Raumausnutzung
- Höherer Materialumschlag
- Hoher Automatisierungsgrad möglich
- Wirtschaftlicherer Personaleinsatz
- Niedrigerer Mindestbestand
- Günstigere Lagerung
- Weniger Personal benötigt
Nachteile:
- Höhere Distanz zur Fertigung und zum Kunden
- Geringeres Risiko bei unvorhersehbaren Ereignissen
- Keine sachgemäße Lagerung wie bei stofforientierten Lagern möglich
- Keine individuellen Umweltbedingungen wie Heizung, Belüftung oder Befeuchtung
- Kein speziell ausgebildetes Bedienungspersonal einsetzbar
- Ware wird vereinheitlicht
- Bei großen Unternehmen mit vielen Werken unmöglich
Dezentrales Lager
Vorteile:
- Genauerer Versand möglich
- Stofforientierte und individuellere Lagerung
- Spezialisiertes Personal
Nachteile:
- Kostenaufwendiger
- Ausbildung von Personal notwendig
- Ungeeignet für kleinere Firmen
- Lagerräume ineffizienter genutzt
- Mehr Lagerbestände benötigt
Kriterien der Standortwahl
- Absatzgebiete
- Personalverfügbarkeit
- Lohnkostenniveau
- Grundstücksverfügbarkeit und -kosten
- Steuern und staatliche Förderung
- Gesetzgebung
- Konkurrenzsituation
Stepping-Stone-Methode: Sonderfälle
Bei der Anwendung der Stepping-Stone-Methode muss man auf zwei Sonderfälle achten:
- Nachfrage ist nicht gleich Angebot
- Degeneration
Absolutes Optimum? Ein negativer Indexwert (z. B. Kassel–Hannover: -5 €) bedeutet, dass die Transportkosten noch weiter reduziert werden könnten. Um sicher zu sein, dass die optimale Lösung gefunden wurde, müssen so lange Optimierungen vorgenommen werden, bis jeder berechnete Verbesserungsindex größer oder gleich null ist. Dann sind keine kostensenkenden Verschiebungen mehr möglich.
Zeitlagerung
Geeignet für: Schmales Sortiment, kleine Mengen pro Artikel, unterschiedliche Umschlagshäufigkeit.
Vorteile: Hohe Flexibilität, geringe Investitions- und Unterhaltskosten, Übersicht, wenig Personal, kaum störanfällig.
Nachteile: Keine Automatisierungsmöglichkeit, Lagerplatzordnung erforderlich, geringe Raumnutzung, geringe Artikelzahl, Staudruck unten, FIFO nur mit Umlagerung möglich.
Blocklagerung
Geeignet für: Schmales Sortiment, große Mengen pro Artikel, große Umschlagshäufigkeit.
Vorteile: Hohe Flexibilität, geringe Investitions- und Unterhaltskosten, Übersicht, wenig Personal, kaum störanfällig, hohe Raumausnutzung.
Nachteile: Keine Automatisierungsmöglichkeit, schlechte Kommissionierfähigkeit, Lagerplatzordnung erforderlich, erschwerte Bestandskontrolle, geringe Artikelzahl, Staudruck unten, FIFO nur mit Umlagerung möglich.
Regale
Regale sind für alle Güter sinnvoll.
Vorteile: Geringe Investitions- und Unterhaltskosten, hohe Flexibilität, guter Zugriff auf alle Güter, gute Bestandskontrolle durch Übersichtlichkeit, gute Raumausnutzung.
Nachteile: Geringe Automatisierungsmöglichkeit, Beanspruchung der Mitarbeiter (ungünstige Greifpositionen, hoher Kraftaufwand), häufig Temperatur- und Feuchtigkeitsprobleme, FIFO-Prinzip nur eingeschränkt möglich.
Fachbodenregal (Geschlossenanlage)
Geeignet für: Große Artikelanzahl, kleine Mengen pro Artikel, Artikel mit geringem Volumen.
Vorteile: Nutzung der Raumhöhe, Flächennutzung des Gebäudes, Kommissionieren möglich, kurze Wege, Automatisierbarkeit, Übersicht durch kompakte Bauweise.
Nachteile: Eingeschränkte Flexibilität, da Regale Teil der statischen Konstruktion sind, schlechte Luft- und Lichtverhältnisse, Geräuschentwicklung, vertikaler Transportaufwand, Investitionsbedarf zur Höhenüberbrückung.
Behälter-Hochregal
Geeignet für: Große Artikelanzahl, kleine Mengen pro Artikel, Artikel mit geringem Volumen.
Vorteile: Wertvolles Gut vor Diebstahl und Schmutz geschützt, hohe Automatisierbarkeit, bedienerfreundliches Kommissionieren ("Ware zum Mann"), gute Organisation durch DV-Einsatz, keine Inventur nötig, einheitliche Behälter, keine Gewichtsbeschränkung, Sortimentsanpassung möglich.
Nachteile: Abmessungs-Varianz beschränkt, störanfällig (rechnerabhängig), hohe Investitionskosten.
Palettenregale (in Industrie und Handel am weitesten verbreitet)
- Einplatzregal: meist Quereinlagerung, für die Kommissionierung
- Mehrplatzregal: meist Längseinlagerung, als Einheitenlager (Reservelager)
Vorteile: Hohe Flexibilität, freie Lagerplatzzuordnung, guter Zugriff auf alle Güter, gute Bestandskontrolle, Automatisierungsmöglichkeit.
Nachteile: Ausfallrisiko bei Automatisierung, personalintensiv bei manueller Bedienung, Lagerung zwingend auf Ladehilfsmitteln, erhöhter Organisationsaufwand bei freier Lagerplatzzuordnung.
Paletten-Hochregallager, Einbau-Hochregallager und Lagersilo (besonders große Kapazität)
Vorteile: Hohe Flexibilität, freie Lagerplatzzuordnung, guter Zugriff auf alle Güter, gute Bestandskontrolle, geringe Personalintensität, hohe Umschlagsleistung.
Nachteile: Ausfallrisiko bei Automatisierung, personalintensiv bei manueller Bedienung, Lagerung zwingend auf Ladehilfsmitteln, hohe Investitionskosten, großer Fördermittelbedarf, geringe Ausbaumöglichkeiten.
Bewegte Regalzeilen: Verschieberegal
Vorteile: Guter Flächennutzungsgrad, gute Zugriffsmöglichkeit auf alle Artikel, geschützte Lagerung durch geschlossene Regalzeilen.
Nachteile: Nur für kleine Mengen geeignet, hohe Investitionskosten, kaum Automatisierungsmöglichkeit, geringe Umschlagsleistung, hoher Wartungsaufwand, nur beschränkt ausbaufähig.
Bewegte Fachböden: Paternoster- oder Karussellregal
Vorteile: Hohes Lagervolumen auf wenig Grundfläche, ergonomisch günstige Entnahmehöhe, Kommissionierung "Ware zum Mann", Aufbewahrung empfindlicher Artikel staub- und diebstahlgeschützt (Paternoster), Einhaltung des FIFO-Prinzips.
Nachteile: Gefahr der Systemstörung, die die Entnahme unmöglich macht, hohe Investitionskosten, nur begrenzt ausbaubar, kein direkter Zugriff und Wartezeiten bei der Entnahme, permanenter Energiebedarf, da Lagergut ständig in Bewegung ist.
Bewegte Lagereinheiten: Durchlaufregal
Vorteile: Kompakte Lagerung mit hohem Flächennutzungsgrad, getrennte Ein- und Auslagerung, Einhaltung des FIFO-Prinzips, hohe Leistung, automatisierbar.
Nachteile: Lagergut kann im Kanal hängen bleiben, hohe Wartungskosten, Ausstattung der Lagereinheiten mit Sicherungs- bzw. Bremstechnik nötig, Ablauffunktion gewichtsabhängig, Ladungssicherung erforderlich, Investitionskosten, nur artikelreine Bahnen.
Lagerverwaltung und -steuerung
Funktionen:
- Optimierung der Reihenfolge von Ein- und Auslagerungsvorgängen
- Zuordnung von Einlagerungsaufträgen zu Leerfächern
- Zuordnung von Auslagerungsaufträgen zu Ladeeinheiten
- Veranlassung und Überwachung von Fahranweisungen für die Regalförderzeuge
- Reibungslose Identifikation und Kontrolle der Ein- und Auslagerung von Lagerhilfsmitteln
- Führung des Lagerabbildes (Leerfächer und belegte Fächer)
- Fortschreibung aller Mengen der ein- und ausgelagerten Artikel
Lagerkennziffern: durchschnittlicher Lagerbestand, Umschlagshäufigkeit, Lagerdauer
Industriepark und Supply Chain
Arten von Supply Chains
Eine Supply Chain besteht aus zwei oder mehr rechtlich getrennten Organisationen, die durch Material-, Informations- oder Finanzflüsse verbunden sind.
- Interorganisationale Supply Chains
- Intraorganisationale Supply Chains: Im engeren Sinne wird der Begriff auch auf große Unternehmen mit mehreren Standorten, ggf. in verschiedenen Ländern, angewandt.
Industriepark-Konzept
Konzentration bzw. Ansiedlung von Komponenten-, Modul- und Systemlieferanten sowie logistischen Dienstleistern in unmittelbarer Nähe des Werkszaunes.
- Kontinuierlicher Material- und Informationsfluss
- Eliminierung von Handlingstufen
- Verkehrsgünstige Verlagerung der Güterfernverkehre auf die Schiene
- Besser überschaubare Versorgungsprozesse
Geeignete Teile für das Industriepark-Konzept
- Teilegruppen mit hoher Varianz und Komplexität sowie höchsten Anforderungen an Steuerungssysteme: möglichst späte Variantenbildung kurz vor dem Einbau, direkte und sequenzierte Anlieferung an die Montagelinie
- Volumen- und transportintensive Module, z. B. das Zusammenschweißen von Tank und Tankstutzen vor Ort (erhebliche Reduzierung der Transportkosten, verringerte Behälterumläufe)
- Versorgungskritische Baugruppen
Vorteile
- Basis für stabile Fertigungsprozesse: überschaubare Versorgungsprozesse, schnelle Reaktion auf Änderungen und Störungen, direkte Kommunikation zwischen Lieferant und Kunde
- Reduzierung der Lieferverkehre und Transportkosten
- Wirtschaftliche Bereitstellung geforderter Varianten
- Reduzierung der Behälterkosten
- Förderung des Wirtschaftsstandortes
Nachteile
- Neuinvestitionen für den Aufbau eines neuen Standortes
- Verlust der Nähe zum Stammwerk
- Kapazitätsauslastung an anderen Standorten
- Erhöhte Transparenz
Innerbetriebliche Transportsysteme
Fördermittel
Stetigförderer: Rollenbahn, Bandförderer, Wandertisch, Klappschalenförderer, Paternoster, Kreisförderer, Wandertische, Gurtförderer, Unterflurförderanlagen, Kettenförderer, Rutschen, Becherwerke
Unstetigförderer:
- Hebezeuge: alle Arten von Kranen
- Regalförderzeuge (RFZ): Regalbediengerät, Regalstapelgerät
- Flurgebunden, gleislos: Hubwagen, Schlepper, Stapler
- Flurgebunden, gleisgebunden: Plattformwagen, Lokomobile, Kipploren
- Flurgebunden, spurgeführt: Fahrerlose Transportsysteme (FTS)
- Aufzüge: Personenaufzüge, Lastenaufzüge, Fahrtreppen
Stetigförderer
Vorteile: permanente Transportbereitschaft, niedriger Personalbedarf, hohe Automatisierbarkeit, Ausnutzung der Raumhöhe möglich (bei Deckenförderern).
Nachteile: ortsgebundene Installation, eingeschränkte Flexibilität, höherer Investitionsbedarf, wirtschaftlich nur bei hoher Auslastung.
Unstetigförderer
Vorteile: Im Rahmen des Wirkungsbereiches flexibel einsetzbar, besser reagierbar auf Störungen durch häufig vorhandene Ersatzgeräte, Einsatzfähigkeit von Alternativsystemen jederzeit gegeben, Anpassungsfähigkeit bei Veränderungen im Werkslayout.
Nachteile: schwankende Auslastung, eingeschränkte Automatisierbarkeit, personalintensiv, keine Raumhöhennutzung.
Fertigungsprinzip und Fördermitteltyp
- Einzelfertigung (Werkstattfertigung): Flurförderer und Hebezeuge
- Serienfertigung: Unstetigförderer, vereinzelt Stetigförderer
- Massenfertigung: Stetigförderer, da Fertigungs- und Transporttakte exakt aufeinander abgestimmt werden müssen
Transporte
Transporte stellen das Bindeglied im Materialfluss zwischen Beschaffungsmarkt, Unternehmen und Absatzmarkt dar. Transport bedeutet Ortsveränderung von Gütern.
Transportfluss
- Innerbetrieblicher Materialfluss
- Externer Transportfluss: Transporte vom Lieferanten zum Unternehmen, zwischen den Standorten des Unternehmens sowie vom Unternehmen zu den Kunden
Kriterien zur Auswahl des geeigneten Transportsystems
Markterfordernisse, Fördergut, Förderhilfsmittel, Fördermittel
Einflussgrößen auf außerbetriebliche Transportsysteme
- Weltweite Arbeitsteilung
- Arbeitsverlagerung ins Ausland
- Reduzierung der Fertigungstiefe
- Fertigung kleiner Lose mit dem Ziel einer bestandsarmen Fabrik
- Erhöhte Anforderungen an den Transport durch geringere Bestellmengen, häufigere Belieferung sowie empfindlichere und komplexere Produkte der Zulieferer
Verkehrsmittelbeurteilung
Nach Kostengesichtspunkten: Frachtkosten, Transportnebenkosten, Handlingskosten, sonstige Logistikkosten, Kostenauswirkungen außerhalb der Logistik
Nach Leistungsgesichtspunkten: Transportzeit, Transportfrequenz, technische Eignung, Vernetzungsfähigkeit, Flexibilität, Anfangs- und Endpunkte, Zuverlässigkeit, Nebenleistungen
Transportarten
Bahntransport, Binnenschifffahrt, Seeschifffahrt, Luftfracht, Paketlogistik, Rohrleitungstransport, Straßengüterverkehr
Bahntransporte
- Ganzzugverkehr: Alle Wagen fahren zum gemeinsamen Empfangsbahnhof.
- Wagenladungsverkehr: Ein Wagen wird von Kunden genutzt; Sammeln der Wagen und Zusammenstellen der Güterzüge notwendig. Nachteil: Umstellen der Züge kostet Zeit.
Wagentypen: offene Wagen, gedeckte Wagen, Kühlwagen, Flachwagen, Staubgutwagen, Containerwagen
Binnenschifffahrt
Gebrochener Verkehr; wenige Unternehmen verfügen über eigene Hafenanlagen. Der Rhein ist das wichtigste Binnengewässer (ca. 75 % aller Transporte). Schwerpunkt: Massengutverkehr (Steine und Erden, Erdöl/Ölprodukte, Kohle, Erz, Schrott, landwirtschaftliche Produkte).
Seeschifffahrt
Große Bedeutung für Im- und Export im kontinentalen sowie innereuropäischen Transport. Der Containerumschlag ist der größte Wachstumsmarkt.
Luftfracht
Frankfurt am Main ist der Hauptabwicklungsort in Deutschland. Haupttransportgüter sind relativ kleine Sendungen sowie hochwertige und zeitkritische Güter.
Paketlogistik
DHL, DPD, UPS, FedEx, GLS
Rohrleitungstransport
Pipelines für Öl- und Gastransport; Einsatz über weite Entfernungen, wo sie trotz hoher Baukosten ökonomischer sind als Tankwagen.
Straßengüterverkehr
Gewerblicher Güterverkehr: erlaubnispflichtige geschäftsmäßige Beförderung von Gütern mit Kraftfahrzeugen. Werkverkehr: erlaubnisfreier Güterverkehr für eigene Zwecke eines Unternehmens.
Vorteile: Zeit- und Kostenersparnis, flexible Fahrplangestaltung, Eignung für spezifische Ladegüter, Anpassungsfähigkeit bei Annahme- und Anlieferungszeiten.
Nachteile: begrenzte Ladefähigkeit, Grenzen bei Pünktlichkeit und Umweltverträglichkeit (Abgase, Staub, Lärm, Unfälle).
Verkehrsträger im Überblick
- LKW: + gut ausgebautes Straßennetz, Haus-Haus-Verkehr. − nur bedingt für Massengüter geeignet. Eignung: Stückgüter und Ladungen mit geeigneten Abmessungen.
- Eisenbahn: + große Ladekapazität, relativ sicher. − schienengebunden, Umladevermögen notwendig. Eignung: Stück- und Massengüter.
- Binnenschiff: + große Ladekapazität, relativ preisgünstig. − langsam, witterungsabhängig. Eignung: Massen- und Schwergüter.
- Seeschiff: + große Ladekapazität, einzige Möglichkeit für größere Gütermengen im Überseebereich. − lange Laufzeiten, zusätzliches Umladen nötig. Eignung: Güter, die im Container verpackt werden können.
- Flugzeug: + sehr schnell, relativ sicher. − geringe Nutzlast, relativ teuer. Eignung: leichtverderbliche Waren.
Wareneingang
Wareneingangsplanung
- Rampenbelegungsplanung
- Torbelegungsvorschläge
Warenannahme
- Ein- oder zweistufiger Wareneingang mit Bestellbezug
- Wareneingang ohne Bezug zu einer Bestellung
- Umlieferungen
- Rücklieferungen von Retouren und Mehrwegtransportverpackungen (auch Leergut)
Warenkontrolle
- Mengenprüfung
- Qualitative Prüfung des Zustands
Wareneingangserfassung
- Erfassung der Mengen
- Ggf. Erfassung von Mindesthaltbarkeitsdatum, Warentemperatur, Herkunftsland, Handelsklasse
Rückstandsauflösung
- Vorwiegend im Großhandel
- Kundenrückstände werden direkt bearbeitet und kommissioniert
Wareneinlagerung
- Lagerplatzbestimmung
- Kommissionierung für Filialen
- Regalplatzierung in Filialen
Lagerprozess
Bestandsführung
- Mengen- bzw. wertmäßige oder nur wertmäßige Bestandsführung
- Ermittlung der Bestandshöhe durch Inventur
- Fortschreibung der Bestände oder Schätzung
- Verschiedene Bewertungsverfahren
- Pflege verschiedener Bestandsarten (frei verwendbar, Prüfbestand, Kundensonderbestand, Aktionsbestand, Chargen)
- Mengen- und wertmäßige Auswertung
- Anzeige der Warenbewegungen
Inventur
- Unterstützung verschiedener Verfahren
- Erstellung von Inventuraufnahmelisten oder Schnittstellen zu MDE-Geräten
Umlagerung
Änderung des Lagerorts intern oder extern (Verteilzentrum, Filiale).
Lagersteuerung
- Anbindung von Systemen zur Steuerung von Flurförderfahrzeugen
- Im WWS wird die logische Lagerstruktur abgebildet, im Lagersteuerungssystem die physische; Kopplung über Schnittstellen
- Bestimmung des Lagerplatzes (Systemvorschlag)
- Beim Wareneingang Erzeugung eines automatischen Transportauftrags
Warenausgang
Tourenplanung
- Verteilung der Lieferungen auf Transportmittel zur termingerechten Anlieferung, meist nach festem Rhythmus
- Tourenplan mit Transportmittel, geografischer Route und Abfahrtstermin
- Lieferungen werden einem Tourenplan zugeordnet und die Anfahrreihenfolge festgelegt
Kommissionierung und -planung
- Zusammenstellung der auszuliefernden Artikel für einen Abnehmer
- Planung zur Optimierung des Ressourceneinsatzes in Kommissionierwellen, ein- oder zweistufige Kommissionierung oder parallele Aufträge
- Datengrundlage: Lieferschein, Kommissionierbelege, ggf. MHD
Warenausgangserfassung
- Rückmeldung der kommissionierten Mengen
- Buchung des Warenausgangs führt zur Bestandsänderung
- Fakturaauslösung
- Folgebuchungen in Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung
- Filiale: Import der Abverkaufsdaten aus dem Kassensystem (POS-Upload)
Versandabwicklung
- Zuordnung der Lieferpositionen zu Versandelementen (Kartons, Paletten)
- Erstellung von Versandpapieren
- Ggf. Integration der UPS-Sendungsverfolgung
Beschaffungsmanagement
Das Beschaffungsmanagement umfasst die komplexe Planung, Steuerung und physische Behandlung des Material- und Kaufteilflusses von den Lieferanten bis zur Bereitstellung für die Produktion, einschließlich des dazu erforderlichen Informationsflusses zur zielgerechten Versorgung der Produktion (vgl. Sommerer). Sie umfasst die Gestaltung der Lieferantenbeziehungen, die Beschaffung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, unfertigen Erzeugnissen, Einbauteilen sowie Fertigerzeugnissen, das Materiallager und das innerbetriebliche Transportwesen.
Begriffsbildung und Abgrenzung
- Die Einkaufsabteilung eines Industriebetriebs hat häufig nur ausführende Funktionen: Sie beschafft, was Konstruktion oder Fertigung wünschen.
- Im Handel geht die Aufgabenstellung des Einkaufs darüber hinaus: Neben Preisprüfung und Disposition wirkt der Einkauf aktiv an Sortimentsbildung und -pflege mit.
- Da im Handel kaum Wertschöpfung stattfindet, hat der Einstandspreis (inkl. aller Logistikkosten) einen wesentlich höheren Einfluss auf das Betriebsergebnis als in der Industrie.
Ziele
Unternehmensziele: hohe Rendite, Ausweitung des Marktanteils, niedrige Kosten, Stärkung des Markenbewusstseins
Ziele der Beschaffungslogistik: günstige Einkaufspreise, hohe Lieferbereitschaft, niedrige Zulaufkosten, niedrige Lagerungskosten, optimierte Sortimentsgestaltung
Beschaffungsstrategien: Einkaufsportfolio-Analyse nach Kraljic
- Klassifizierung der Beschaffungsartikel
- Marktanalyse
- Strategische Positionierung
- Handlungsempfehlungen
Schritt 1: Klassifizierung der Beschaffungsartikel
Einteilung der Produkte nach ihrer Bedeutung für den Erfolg und dem Beschaffungsrisiko:
- Strategische Produkte: großer Ergebniseinfluss, hohes Beschaffungsrisiko. Hauptaufgabe: präzise Bedarfsprognosen, umfassende Marktforschung, Aufbau guter Lieferantenbeziehungen.
- Engpassprodukte: geringer Ergebniseinfluss, hohes Beschaffungsrisiko. Hauptaufgabe: Mengensicherung, Lieferantenkontrolle, Bestandssicherheit.
- Hebelprodukte: großer Ergebniseinfluss, geringes Beschaffungsrisiko. Hauptaufgabe: Ausnutzen der vollen Einkaufsmacht, Lieferantenauswahl, gezielte Preis- und Verhandlungsstrategien.
- Unkritische Produkte: geringer Ergebniseinfluss, geringes Beschaffungsrisiko. Hauptaufgabe: Produktstandardisierung, Optimierung der Auftragsmengen, Bestandsoptimierung.
Schritt 2: Marktanalyse
Vergleich der Stärken des Abnehmers mit denen der Lieferanten (Kriterienkatalog nach Kraljic).
Lieferantenmacht: Marktgröße im Verhältnis zur Lieferantenkapazität, Marktwachstum, Kapazitätsauslastung oder Engpassrisiken, Wettbewerbssituation, ROI oder ROC, Gewinnschwelle, Besonderheit des Produkts und technologische Stabilität, Eintrittsbarrieren, logistische Situation.
Nachfragemacht: Einkaufsmenge im Verhältnis zur Kapazität der wichtigsten Produktionseinheiten, Nachfragewachstum, Kapazitätsauslastung, Marktanteil im Vergleich zu Wettbewerbern, Ergebnisbeitrag der wichtigsten Fertigprodukte, Kosten bei Lieferausfall, Möglichkeit zur Eigenfertigung bzw. Integrationstiefe, Eintrittskosten für neue Bezugsquellen im Verhältnis zu den Kosten der Eigenfertigung.
Schritt 3: Strategische Positionierung
- Diversifizieren: Defensives Verhalten und Suche nach Alternativen. Der Nachfrager hat keine günstige Position auf dem Beschaffungsmarkt und muss seine Anstrengungen intensivieren.
- Abwägen: Strategische Richtung der Mitte, geeignet für Artikel ohne größere Risiken und ohne größeren Nutzen.
- Abschöpfen: Aktives Auftreten bei Produkten, bei denen der Nachfrager eine starke Position hat und die Lieferantenmacht mittel bis niedrig ist. Ziel sind günstigere Preise und Vertragsbedingungen, ohne die Lieferantenbeziehung zu gefährden.
Schritt 4: Handlungsempfehlungen
Handlungsempfehlungen für die Einzelelemente einer Beschaffungsstrategie auf Basis der strategischen Grundrichtungen.
Global Sourcing
Definition: Internationale Marktbearbeitung durch systematische Ausdehnung der Beschaffungspolitik auf internationale Beschaffungsquellen mit strategischer Ausrichtung.
Voraussetzungen: politische Stabilität, Handels- und Rechtssicherheit, gute Kenntnis der Partnerländer, intensive Marktforschung, Bereitschaft zur internationalen Kooperation, hohe Qualifikation, breite Managementerfahrung, internationale Einkaufsorganisation, logistische und datentechnische Infrastruktur.
Kostenziele: Ausnutzen geringerer Löhne, Steuern, Rohstoffpreise und Ökologiesteuern im Ausland; Steigerung des Wettbewerbs unter Lieferanten durch Erhöhung der Lieferantenzahl.
Qualitätsziele: Verbesserung der technischen Produktqualität der Beschaffungsobjekte; Vergrößerung der Kongruenz eigener Produkte mit den Ansprüchen der Abnehmer.
Technologieziele: Beschaffung im Inland nicht erhältlicher Technologiegüter; Anbindung an die internationale Know-how-Entwicklung.
Sicherheitsziele: Erhöhung der Versorgungssicherheit durch breitere Lieferantenbasis; Kompensation von Wechselkursschwankungen; Verteilung von Standortrisiken (Streiks, politische Unruhen).
Absatzziele: Reaktion auf Handelsbeschränkungen durch Kompensationsgeschäfte; Schaffung einer Informationsbasis über potenzielle Exportmärkte; Produktion für den lokalen Markt.
Beschaffungsformen
- Fallweise Beschaffung (Einzelbeschaffung)
- Vorratsbeschaffung
- Fertigungssynchrone Beschaffung (JIT-Beschaffung)
- Verbrauchssynchrone Beschaffung
Optimierung in der Beschaffung
Lieferantenbewertung
Kriterien zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage des Lieferanten: Rechtsform, Kostenstruktur, Image, Ertragslage, Kapitalbasis, Organisation, Marktstellung, Forschungs- und Entwicklungsintensität, Qualität des Managements, Qualität der Mitarbeiter
Kriterien zur Beurteilung der grundsätzlichen Eignung als Zulieferer: Entfernung zum Abnehmer, Integration der Informationssysteme, Anlieferungsmöglichkeiten, Möglichkeit zur JIT-Anbindung, Garantie und Kulanz, Möglichkeit gemeinsamer Investitionen, Service, Flexibilität bei späteren Änderungen, Recyclingmöglichkeit, gemeinsame Produktionsplanung und -steuerung, gemeinsame Forschung
Kriterien zur Beurteilung des Lieferanten im Hinblick auf das Beschaffungsobjekt: Qualität, Zahlungsbedingungen, Preis, Liefertermine, Lieferbedingungen
Optimierungsmethoden
Differenzierung von Materialien und Lieferanten, z. B. mittels ABC-Analyse.
Sourcing-Konzepte: Low Cost Country Sourcing (LCCS) und Best Cost Country Sourcing
Leitfragen:
- Wie lässt sich LCCS umsetzen (Prozessperspektive)?
- Welche ökonomischen Effekte lassen sich realisieren?
- Wie nachhaltig ist die Kostenentwicklung (Total Cost of Ownership, TCO)?
- Wie stabil bleiben die ökonomischen Vorteile?
- Wie gut sind die Kosteneffekte mit der Unternehmensstrategie (Reputation) vereinbar?
Ausgangspunkte: Outsourcing von Produktionskapazitäten, Lieferantenwechsel in ein LCC-Land.
LCCS aus Prozessperspektive
- Outsourcing: Entscheidung über den Umfang der Fertigungstiefe
- Bedarfsanalyse: Identifizierung der Bedarfe, Festlegung der Spezifikationen
- Auswahl der Bedarfsgüter: Segmentierung der Materialgruppen, Analyse des Transaktionsvolumens, TCO-Betrachtung
- Lieferantenauswahl: Identifizierung von LCC-Lieferanten, Festlegung der Auswahlkriterien
- Lieferantenbewertung und Controlling: Kontrolle und Auditierung, KPIs
- Lieferantenentwicklung: Qualifizierung, Verhaltenskodex, Richtlinien für Lieferanten
Total Cost of Ownership
LCCS = TCO Inland − TCO LCC − Koordinationskosten → positiv
Alle relevanten Kostenbestandteile erfassen: Einstandspreis, Kosten vorbereitender Prozesse (Analyse des Beschaffungslandes), Kosten der eigentlichen Beschaffung, Qualitätskontrolle, Kosten nach der Belieferung (z. B. zusätzliche Bevorratung).
Warum kaufen wir T-Shirts in Bangladesch?
Die Frage verdeutlicht die Chancen und Risiken des Low Cost Country Sourcing: Kostenvorteile stehen Fragen nach Nachhaltigkeit, Stabilität und Unternehmensreputation gegenüber.