Der lateinamerikanische Roman und das Spanische in Amerika

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Der lateinamerikanische Roman der sechziger Jahre

In den sechziger Jahren erfolgte die endgültige Etablierung des lateinamerikanischen Romans. Dies geschah nicht nur aufgrund seiner inhärenten Qualität, sondern auch durch außerliterarische Faktoren. Zu erwähnen sind hierbei der Sieg der kubanischen Revolution, die Entwicklung der spanischen Verlagsindustrie sowie eine Buchpolitik, die den lateinamerikanischen Markt erschließen wollte. Zudem trugen zahlreiche Übersetzungen ins Englische, Deutsche und Französische sowie häufige Filmversionen dazu bei, ein breites Publikum zu erreichen.

Strukturelle Merkmale der Epoche

Die Werke dieser Zeit zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:

  • Narrative Strukturen: Es wird ein aktiver Leser gefordert, der in der Lage ist, die Handlung selbst zu organisieren (z. B. Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez).
  • Sprachliche Experimente: Der Einsatz neuer Techniken und Erzählweisen (z. B. Rayuela / Himmel und Hölle von Julio Cortázar).
  • Erfindung fiktiver Universen: Orte wie Comala in Pedro Páramo (Juan Rulfo), Macondo (Gabriel García Márquez) oder Santa María (Juan Carlos Onetti).
  • Historische und gesellschaftliche Darstellung: Ein breiter Überblick über nationale Fragen (z. B. Über Helden und Gräber von Ernesto Sabato).
  • Existenzielle Fragen und Mythologie: Die Vertiefung psychologischer Aspekte und Mythen (z. B. Gespräch in der Kathedrale von Mario Vargas Llosa).

Bedeutende Autoren und spätere Entwicklungen

Die Liste der Autoren dieser Zeit ist überwältigend. Neben den Genannten sind José Lezama Lima (Paradiso), Alejo Carpentier (Explosion in der Kathedrale), der Paraguayer Augusto Roa Bastos (Menschensohn), der Mexikaner Carlos Fuentes (Der Tod des Artemio Cruz) sowie der herausragende Jorge Luis Borges (Brodies Bericht) zu nennen.

In den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts publizierten diese Autoren weiter, obwohl viele von ihnen ins Exil gezwungen wurden. Die Romane wurden tendenziell leserfreundlicher. Es entstanden bedeutende Diktatorenromane wie Der Herbst des Patriarchen (Márquez) oder Ich, der Allmächtige (Roa Bastos) sowie Werke über subjektive und intime Themen wie Die Liebe in den Zeiten der Cholera des kolumbianischen Nobelpreisträgers.

Die spanische Sprache in Amerika

Vom Rio Grande bis Feuerland wird – mit Ausnahme von Brasilien und einigen Karibikinseln – Spanisch gesprochen. Diese Sprache wurde ab dem 16. Jahrhundert von den Kolonisatoren eingeführt. Basierend auf südspanischen Dialekten wurde sie durch indigene Sprachen sowie europäische Einflüsse (Französisch, Englisch und in Argentinien besonders Italienisch) bereichert.

Heute ist Spanisch die Amtssprache in 18 lateinamerikanischen Republiken, ko-offiziell mit Guaraní in Paraguay und neben Englisch im Commonwealth Puerto Rico. Trotz der enormen geografischen Ausdehnung weist das amerikanische Spanisch gemeinsame Merkmale auf:

Phonetische Besonderheiten

  • Seseo: Die Aussprache von „z“ und „c“ (vor e/i) als „s“ (z. B. sapato statt zapato).
  • Aspiration: Das Hauchen des „s“ in implosiver Position (z. B. cajtaña statt castaña).
  • Yeísmo: Die identische Aussprache von „ll“ und „y“ (z. B. yave statt llave).
  • Diese Merkmale sind auch in den Dialekten Südspaniens verbreitet. Hinzu kommt eine charakteristische melodische Intonation.

Morphosyntaktische und lexikalische Merkmale

  • Voseo: Die Verwendung von vos anstelle von , besonders verbreitet in Argentinien und Uruguay.
  • Diminutive: Häufiger Gebrauch von Verkleinerungsformen (z. B. ahorita, lindita).
  • Tempusgebrauch: Bevorzugung des Indefinido gegenüber dem Perfekt (z. B. ya llegué statt he llegado).
  • Adverbiale Adjektive: Verwendung von Adjektiven als Adverbien (z. B. camina lindo).
  • Lexik: Erhalt von Archaismen (z. B. frazada für Decke, cuadra für Häuserblock) und ein reicher Schatz an Indigenismen (z. B. pampa, tiburón, rancho).

Trotz dieser Vielfalt bewahrt das Spanische seine sprachliche Einheit. Wichtige Institutionen wie die Königlich Spanische Akademie (RAE), der Verband der Akademien der spanischen Sprache und das Instituto Cervantes setzen sich aktiv für diesen Erhalt ein.

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